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Therapie des Darmkrebs
Wurde bei Ihnen die Diagnose Darmkrebs gestellt, besprechen Sie mit Ihrem Arzt ausführlich den Befund und lassen Sie sich die vorgesehenen Behandlungsschritte und therapeutischen Möglichkeiten erläutern. Oft ist es so, dass in der ersten Aufregung manches überhört oder falsch verstanden wird. Vereinbaren Sie für zusätzliche Fragen ein weiteres Gespräch und nehmen Sie Ihren Partner oder einen Vertrauten mit.
Operation
Oberstes Ziel st es, den Tumor durch Operation vollständig zu entfernen.
Operationsmöglichkeiten bei Dickdarmkrebs
Bei Dickdarmkrebs erfolgt die Durchtrennung der Darmabschnitte weit vom Tumor entfernt – also noch im gesunden Darmbereich.
Darmkontinuität wird entweder durch eine Verbindung zwischen Dünn- und Dickdarm oder durch eine Verbindung zwischen den beiden Dickdarmenden wieder hergestellt.
Operationsmöglichkeiten bei Mastdarmkrebs
Der Mastdarm umfasst die letzten 16 cm des Darms bis an den Schließmuskel. Die häufigste Operationsart ist die vom Bauchraum durchgeführte Entfernung des Mastdarms mit einer Verbindung zwischen dem absteigenden Dickdarmanteil und dem über den Schließmuskel durchtrennten Mastdarmanteil. Nur wenn der Tumor in den Schließmuskel einbricht, muss dieser im Gesamten entfernt und dem Patienten ein künstlicher Darmausgang auf Dauer gelegt werden.
Beschwerden nach der Operation
Wundschmerzen:
Patienten können – bedingt durch den großen Bauchschnitt – in den ersten drei Tagen nach der Operation relativ starke Wundschmerzen erleiden, die jedoch bei unauffälligem postoperativen Verlauf innerhalb einer Woche vergehen. Bei Entfernung des gesamten Mastdarms sind Schmerzen im Bereich der Wunde und des Steißbeins über längere Zeit zu erwarten.
Wundheilung:
Nach präoperativer (vor der Operation durchgeführter) Bestrahlung heilen Wunden im Dammbereich manchmal verzögert.
Stuhlgewohnheiten:
Eine Darmentfernung hat Auswirkungen auf die Stuhlgewohnheiten: Meist erfolgt eine vorübergehende erhöhte Stuhlfrequenz und eine Änderung der Stuhlkonsistenz (dünnflüssiger Stuhl). Bei Operationen, bei denen nur ein geringer Teil des Mastdarm belassen werden konnte, nimmt die gehäufte Stuhlfrequenz oft erst nach 6 – 12 Monaten ab, um sich anschließend zu normalisieren.
Patienten nach komplikationslosem Verlauf können üblicherweise 8 – 10 Tage nach der Operation das Krankenhaus verlassen.
Entfernung der Lymphknoten
Ein wesentlicher Bestandteil der Darmkrebs-Operation ist die Entfernung der Lymphknoten. Vergrößerte Lymphknoten in benachbarten Lymphknotenstationen werden ebenfalls mitentfernt.
Künstlicher Darmausgang (Stoma)
Ein künstlicher Darmausgang wird durch das Einnähen eines Darmanteiles in die Bauchdecke geschaffen. Dadurch kann der Stuhl in ein auf die Haut geklebtes Säckchen abfließen. Dieser Ausgang kann entweder permanent oder vorübergehend angelegt werden. Bei sehr tief im kleinen Becken durchgeführter Darmverbindung kann vorübergehend ein künstlicher Darmausgang angelegt werden, der nach etwa 6 Wochen wieder zurückoperiert wird. Bei kompletter Entfernung des Schließmuskelapparates bei Mastdarmkrebs wird ein permanentes Stoma angelegt.
Die Anlage eines künstlichen Darmausganges ist heute nur mehr selten erforderlich. Bei sachkundigem Umgang kann damit jedoch ein weitgehend normales Leben geführt werden.
Psychische Belastung bei künstlichem Darmausgang
Der künstliche Darmausgang kann für den Patienten mit Problemen verbunden sein, die einerseits gelöst werden können und andererseits völlig normal sind.
Die psychische Belastung wird geprägt durch die Angst, dass sich das Säckchen löst. Zusätzlich kann das ästhetische Körperbewusstsein bzw. Selbstwertgefühl des Patienten durch das Stoma deutlich vermindert werden, sodass körperliche und sportliche Aktivitäten zu einer psychischen Belastung führen.
In den letzten Jahren haben wesentliche Fortschritte wie die Entwicklung von verträglicheren Klebematerialien und auch von besser abdichtenden Klebeplatten von Kolostomiebeuteln zu einer Verbesserung der technischen Handhabung beigetragen.
Hilfe bei der Problembewältigung bieten die Beratungsstellen der Österreichischen Krebshilfe und Selbsthilfegruppen.
Chemotherapie
Chemotherapie wird bei Dickdarmkrebs-Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung und auch bei Risikopatienten nach erfolgreicher Operation zur Sicherung des Operations- und anhaltenden Heilungserfolgs eingesetzt.
In den letzten Jahren sind wesentlich wirksamere, besser verträgliche und zum Teil besser verabreichbare Chemotherapeutika entwickelt worden. Das hat entscheidend zu einer Verbesserung der Therapieergebnisse bei Dickdarmkrebs gebracht.
Verabreichung und Zyklus
Für die Behandlung des Dickdarmkrebs stehen heute verschiedene Medikamente – Chemotherapeutika (Zytostatika) und Folsäureantagonisten (Antidots), – und damit viele Möglichkeiten zur Kombination zur Verfügung.
Die meisten Substanzen werden intravenös entweder als Injektion, Kurzinfusion oder aber als „Dauerinfusion“ mittels tragbarer Pumpen (über einen Zeitraum von zumeist 24 – 48 Stunden) verabreicht.
Vor kurzem wurde eine Chemotherapie in Tablettenform für die Behandlung des Dickdarmkrebs zugelassen, welche die aufwändige Dauerinfusion in naher Zukunft ablösen wird und problemlos mit den anderen Chemotherapeutika kombinert werden kann.
Die Chemotherapie wird entweder an einem Tag oder an mehreren aufeinander folgenden Tagen und nach einer Pause von 1 – 3 Wochen in identer Zusammensetzung und Dosierung wiederholt.
Die meisten chemotherapeutischen Behandlungen können heute ambulant durchgeführt werden, speziell wenn diese in Tablettenform und auch mit oder ohne einer zusätzlichen Infusion erfolgen.
„Adjuvante“ Chemotherapie
Als adjuvante Therapie wird die Verabreichung der Medikamente nach erfolgreicher, d. h. vollständiger operativer Entfernung des (Primär) Tumors bezeichnet. Diese Therapie wird bei Dickdarmkrebs besonders für Patienten mit Befall der Lymphknoten empfohlen, da diese ein erhöhtes Risiko für ein Wiederauftreten der Erkrankung, z. B. von Lebermetastasen haben.
Wenn der Tumor in ein Nachbarorgan eingewachsen ist, bzw. zum Darmverschluss geführt hat oder Krebszellen in den Blutgefässen des Tumors nachgewiesen wurden, wird ebenfalls eine adjuvante Chemotherapie empfohlen.
Für Mastdarmkrebs gelten andere Therapierichtlinien, wobei hier häufig auch eine Kombination von Strahlen- und Chemotherapie und dies vor und/oder nach der Tumor-Operation durchgeführt wird.
Nebenwirkungen
Zu den möglichen Nebenwirkungen der häufig eingesetzten Medikamente bei Dickdarmkrebs zählen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Mundschleimhautentzündung, eine unter Umständen schmerzhafte Hautreaktion (vor allem an Händen und Füßen), erhöhte Infektionsgefahr durch das Absinken der weißen Blutkörperchen und selten Blutungsneigung durch das Absinken der Blutplättchen. Relativ häufig finden sich wenige Tage nach Verabreichung der Chemotherapie Müdigkeit und Appetitlosigkeit.
Abgesehen von diesen unerwünschten Nebenwirkungen kann es häufig erst nach mehrmaliger Gabe zu Nervenirritationen vor allem im Fingerspitzenbereich und besonders in Zusammenhang mit Kälte kommen.
Tatsache ist, dass fast jede Nebenwirkung abhängig von der Dosis ist und daher durch eine Korrektur der Dosis in nachfolgenden Therapiezyklen abgewendet werden kann.
Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf eine Chemotherapie. Daher ist es besonders wichtig, gerade beim ersten Therapiezyklus den behandelnden Arzt bei unerwünschten Begleiterscheinungen – im Zweifelsfalle lieber zu früh als zu spät – zu informieren.
Ernährung bei Chemotherapie
Die Ernährung ist eine wichtige unterstützende Maßnahme zur erfolgreichen Krebsbehandlung. Gerade in dieser Situation ist ein guter Ernährungszustand (= Normalgewicht) sehr wichtig, um mögliche Nebenwirkungen der Therapie leichter zu verkraften. Ihr Körper benötigt Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente und ausreichend Flüssigkeit (Trinkwasser, kohlensäurearmes Mineralwasser, Tee, verdünnte Obstsäfte, ...).
Zielgerichtete Therapien
Immuntherapie: Therapie mit Antikörper
Antikörper sind Stoffe, die von Zellen des Immunsystem gebildet werden, um den Körper z. B. vor Infektionen mit Bakterien oder Viren zu schützen, indem sie sich an Strukturen von diesen Eindringlingen binden und diese unschädlich machen.
Monoklonale Antikörper, ursprüglich mit Zellen (monoklonaler Ursprung) im Labor hergestellt, werden heute gentechnologisch produziert und bei Krebs im Bereich Diagnostik und Therapie eingesetzt.
Vor kurzem wurden zwei monoklonale Antikörperpräparate, die in wesentliche Mechanismen der Krebsentstehung und -ausbreitung (Gefäßneubildung und Wachstumsstimulation) eingreifen, von der Behörde für die Behandlung des Dickdarmkarzinoms zugelassen. Diese beiden Antikörper haben die therapeutischen Ergebnisse bei Dickdarmkrebs entscheidend verbessert und bieten zahlreiche Möglichkeiten für neue Kombinationstherapien.
Strahlentherapie
Beim Dickdarmkrebs spielt die Strahlentherapie keine wesentliche Rolle, da diese Tumoren chirurgisch sehr gut entfernt werden können. Beim Mastdarmkrebs spielt die Strahlentherapie eine wichtige Rolle, um das Risiko eines Lokalrezidivs (= Nachwachsen/Wiederauftreten des Tumors in der ursprünglichen Region) zu reduzieren.
Eine Strahlentherapie sollte präoperativ durchgeführt werden, weil sie zu diesem Zeitpunkt meist schonender und wirksamer durchgeführt werden kann. Die Entscheidung zur Strahlentherapie wird von Chirurg und Strahlentherapeut gemeinsam getroffen.
Beim Analkarzinom ist Strahlentherapie, meist in Kombination mit Chemotherapie eine erste therapeutische Wahl. Auf diese Weise kann fast immer eine chirurgische Entfernung des Schließmuskels vermieden werden.
Anwendung der Strahlentherapie
Strahlentherapie beim Rektum- und Analkarzinom wird in liegender Position der PatientIn einmal oder zweimal täglich verabreicht. Die Bestrahlung selbst dauert nur etwa ein bis zwei Minuten.
Die Strahlentherapie kann eine Dauer von nur einer Woche mit Operation in der Folgewoche haben, oder sie wird über fünf Wochen meist in Kombination mit Chemotherapie gegeben. Die Lage des Tumors bestimmt die Therapieform, welche individuell von Fall zu Fall von den Experten entschieden wird.
Die Therapie kann ambulant durchgeführt werden, jedoch ist bei zweimal täglicher Anwendung bzw. in Kombination mit Chemotherapie eine stationäre Aufnahme meist notwendig.
Strahlentherapie bei fortgeschrittener Erkrankung
Bei einem inoperablen Tumor im Mastdarm kann durch Strahlentherapie eine Verkleinerung erzielt werden, sodass anschließend noch erfolgreich operiert werden kann.
Ein Lokalrezidiv (= Nachwachsen/Wiederauftreten des Tumors in der ursprünglichen Region) kann in vielen Fällen durch Strahlentherapie effektiv behandelt werden, wobei häufig eine Kombination mit Chemotherapie durchgeführt wird.
Bei Vorliegen von einzelnen Metastasen in Leber oder Lunge kann – alternativ zur Operation – eine Strahlentherapie als effektive Behandlung angeboten werden.
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