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  Dickdarmkrebs (Kolorektales Karzinom)  
     
  Darmkrebs  

Darmkrebs gehört zu den wenigen Krebserkrankungen, deren Entstehung man vermeiden kann. Bei einer rechtzeitig durchgeführten Darmspiegelung können so genannte Polypen erkannt und entfernt werden – bevor sie noch bösartig werden. Männer und Frauen sollten daher ab dem 50. Lebensjahr eine Darmspiegelung alle sieben bis zehn Jahre durchführen lassen. Leider findet man aber immer wieder „Ausreden“, warum es gerade jetzt nicht geht: Stress im Beruf, zu viele

 

Termine, man hat ja ohnedies keine Schmerzen … Das kann fatale Folgen haben.

Nachfolgend erfahren Sie alles Wissenswerte zum Thema Darmkrebs – über die Entstehung, zur Früherkennung und zur Behandlung. Darüber hinaus geben die Beratungsstellen der Österreichischen Krebshilfe Hilfe für Patienten und Angehörige.

 
     
Ursachen und Früherkennung
Der Darm
Darmpolypen (Adenome)
Darmkrebsvorsorge
Aktion „sanfte Koloskopie“
Ablauf der „sanften Koloskopie“
Wegweiser „sanfte Koloskopie“
Genetisch bedingter Darmkrebs
Therapie des Darmkrebs
Neue Chancen durch Forschung
(Tumor) Nachsorge

 

 

Ursachen und Früherkennung

Wie Darmkrebs entsteht, ist bis heute noch nicht vollständig geklärt. Mögliche Risikofaktoren an Darmkrebs zu erkranken sind:

Alter: Darmkrebs tritt in jungen Jahren seltener auf. Ab 50 steigt mit zunehmendem Alter das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Ernährungsweise: Eine ballaststoffarme und fettreiche Kost (die sog. »Western Style Diet«) erhöht das Darmkrebsrisiko, weil die Schadstoffe länger im Darm verweilen und so die Krebsentstehung begünstigen.

Chronisch entzündliche Erkrankungen der Darmschleimhaut (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) und Darmpolypen (Adenom).

Erbliche Veranlagung: Rund fünf bis zehn Prozent aller Krebserkrankungen sind auf genetische Veranlagung, d. h. erbliche Belastung (s. auch genetische Faktoren) zurückzuführen.

Rauchen: Das Risiko für Langzeitraucher an Dickdarmkrebs zu erkranken, liegt bei 12 %.

Übergewicht: Neueste Untersuchungen ergaben einen eindeutigen Zusammenhang von Übergewicht und Fettleibigkeit mit Krebs/Darmkrebs.

Warnsignale bei Darmkrebs:

Verändertes Stuhlaussehen: Blut am oder im Stuhl.

Veränderte Stuhlgewohnheiten: Anhaltender Durchfall, plötzlich aufgetretene Verstopfung oder Wechsel von Durchfall mit Verstopfung.

Krampfartige Bauchschmerzen, die über 1 Woche andauern.

Blässe und Blutarmut können darauf hinweisen, dass der Darm längere Zeit unbemerkt blutet.

 

 

Der Darm

Der Darm liegt im Bauchraum des Menschen und wird in Dünndarm, Dickdarm und Analbereich unterteilt.

Dickdarm

Der Dünndarm ist etwa fünf Meter lang, liegt in vielen Schlingen im Bauch, verdaut die Nahrung und nimmt das Lebensnotwendige im Körper auf. Hier entsteht äußerst selten Krebs.

Der Dickdarm

Der Dickdarm (Kolon) ist etwa 120 bis 150 cm lang. Er hat im Wesentlichen die Funktion, dem Darminhalt Wasser zu entziehen und damit den Stuhl einzudicken. Die Innenwand des Darms ist mit einer Schleimhaut ausgekleidet, auf der sich der Stuhl – von den Darmmuskeln vorangetrieben – zum After bewegt. Über diesen wird der Stuhl schließlich ausgeschieden.

Erkrankungen des Dickdarms

Es gibt Wohlstandserkrankungen im Dickdarm wie z. B. die Divertikelbildung oder die chronische Verstopfung (eher harmlos für eine allfällige Krebsentstehung). Die Schleimhaut des Dickdarms ist allerdings empfindlich gegen Bakterien und krebserregende Stoffe.

 

 

Darmpolypen (Adenome)

Die Vorstufe von Darmkrebs ist bei den meisten Menschen ein Darmpolyp, das Adenom.

Über 90 % aller Darmkrebserkrankungen entstehen durch Entartung dieser Polypen. Die wirksamste Vermeidung von Darmkrebs ist daher die Entfernung von Darmpolypen.

Darmpolypen entstehen durch überschießende Zellteilung in der Darmschleimhaut. Ihre Entstehung wird einerseits durch eine familiäre Veranlagung begünstigt, andererseits kann durch Giftstoffe in der Nahrung die genetische Zellinformation verwirrt und gestört werden. So entsteht eine krankhafte Zellvermehrung – der (gutartige) Polyp.

Wird ein Darmpolyp im Rahmen einer Darmspiegelung (Koloskopie) entdeckt, kann er in den meisten Fällen sofort mittels einer Schlinge und Strom abgetragen werden.

Schematische Darstellung einer Darmpolyp-Entfernung
Schematische Darstellung einer Darmpolyp-Entfernung

Wenn ein Polyp NICHT entfernt wird und Zellen in den Polypen unkontrolliert zu wachsen beginnen (bzw. körpereigene Reparaturmechanismen diese Störung nicht mehr beheben können), entsteht eine bösartige Geschwulst: Darmkrebs.

Ist der Krebs im Polypen allerdings noch nicht in die Tiefe der Schleimhaut eingewachsen, ist der Patient durch die Polypabtragung geheilt und muss nicht mehr operiert, sondern nur noch konsequent kontrolliert werden.

Die Entfernung von Darmpolypen ist Diagnose, Therapie und Krebsvorsorge in einem.


 

Darmkrebsvorsorge

Dickdarmkrebs unterscheidet sich von allen anderen Krebserkrankungen in einem ganz wesentlichen Punkt: In mehr als 90 % aller Fälle sind vor der Entstehung des Karzinoms viele Jahre hindurch Vorstufen der Erkrankung in Form von zunächst gutartigen Darmpolypen nachweisbar.
Die konsequente Aufspürung und Entfernung dieser Polypen könnte 90 % der Erkrankungen verhindern.

Der Darmkrebsvorsorge kommt daher ein besonderer Stellenwert zu.

Die Früherkennungsuntersuchungen schützen dabei nicht nur vor dem Ausbruch der Krankheit, sondern spielen DIE  entscheidende Rolle im Kampf gegen die Entstehung von Darmkrebs.

Ärztliches Gespräch

Um das 40. Lebensjahr sollte ein erstes Gespräch mit einem Arzt stattfinden. Dabei soll eine eventuell vorhandene Risikosituation erhoben werden: Haben Sie Verwandte ersten Grades mit Dickdarmkrebs sowie Erkrankungen wie z. B. Colitis ulcerosa?
In dem Gespräch sollte auch erhoben werden, welche Vorsorgemethode für Sie die beste ist.

Gespräch mit Ihrem Arzt im 40. Lebensjahr

Okkulttest

Untersuchung auf okkultes (verborgenes) Blut im Stuhl, das von Polypen, aber auch von bösartigen Tumoren stammen kann.

Dieser Test kann, wenn er regelmäßig durchgeführt wird, die Darmkrebs-Sterblichkeit bis zu einem Drittel senken.

Allerdings ist dieser Test nicht hundertprozentig, da viele Tumore zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht bluten. Die Treffsicherheit des Testes nimmt daher mit der Regelmäßigkeit der Untersuchung zu.

Ergebnisse des Tests:
Negativ: keine Blaufärbung
Positiv: jede Art von Blaufärbung

Okkulttest: 1 x jährlich ab dem 40. Lebensjahr

 

Koloskopie

Diese Untersuchung erfolgt rektal mittels eines speziellen Endoskopes, das unter anderem mit einer Lichtquelle und einer kleinen Optik ausgestattet ist. Mit Hilfe eines Computer-Chips überträgt das Endoskop Bilder auf einen Bildschirm, die die Darmschleimhaut sehr gut beurteilen lassen.

Während derselben Untersuchung ist die Entnahme von verdächtigem Gewebe oder Polypen möglich, die anschließend unter dem Mikroskop beurteilt werden.

Die Koloskopie gilt somit als »Goldstandard« in der Darmkrebsfrüherkennung. Ist das Ergebnis negativ (d. h. keine Krebserkrankung) und beim Patienten kein erhöhtes Risiko gegeben (z. B. Dickdarmkrebs bei Verwandten ersten Grades), dann kann man sich mit der nächsten Untersuchung sieben bis zehn Jahre Zeit lassen.

Koloskopie: ab dem 50. Lebensjahr alle sieben bis zehn Jahre

Mit der Möglichkeit einer entsprechenden Prämedikamention ist die Koloskopie heute keine belastende oder schmerzhafte Untersuchung mehr (»Sanfte Koloskopie«).

Über die klassischen Vorsorgeuntersuchungen hinaus können noch folgende Untersuchungen angewendet werden:

Dickdarmröntgen

Der Darm wird mit Kontrastmittel gefüllt, das vom After her verabreicht wird. Wandunregelmäßigkeiten werden gut sichtbar, Einengungen oder Aussparungen deuten auf einen Tumor oder auf Polypen hin.

Laboruntersuchungen

Durch Laboruntersuchungen allein kann der Darmkrebs nicht sicher entdeckt bzw. ausgeschlossen werden. Denn Blutuntersuchungen geben Aufschluss über den Allgemeinzustand, ob eine Blutarmut vorliegt und ob einzelne Organe wie Nieren oder Leber gut funktionieren. Dabei werden auch so genannte Tumormarker bestimmt.
Es handelt sich dabei um Stoffe, die vom Tumor selbst stammen und vom menschlichen Körper als fremd erkannt werden. Beim Darmkrebs ist es das CEA (carcino-embryonale Antigen). Dieser Tumormarker ist jedoch nicht bei allen Darmkrebserkrankungen vorhanden und kann auch bei Gesunden vorkommen. Er eignet sich daher eher für die Kontrolle des Krankheitsverlaufes als für die Diagnose.

Ultraschalluntersuchung (Sonographie)

Ultraschalluntersuchungen werden vor allem dann eingesetzt, wenn bei der Koloskopie ein Karzinom entdeckt wurde. Die Sonographie macht innere Organe wie Leber, Nieren, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse sichtbar. Sie ist wichtig, um Tochtergeschwülste (Metastasen) in der Leber auszuschließen.



 

Aktion „sanfte Koloskopie“

Es gibt wenige Untersuchungen, die in der Bevölkerung einen so schlechten Ruf haben wie die Koloskopie. Die zu Recht beklagten negativen Erfahrungen wurden meist vor mehr als zehn Jahren gemacht und sind auf

  • fehlende Möglichkeiten für eine effiziente und patientenschonende Prämedikamention

  • steife unflexiblere Geräte

  • zum Teil fehlende Übung der Untersucher

zurückzuführen.

Das ist jetzt anders! Heute kann man die Koloskopie für den Patienten schmerzfrei gestalten!

Die von der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie (ÖGGH) im Herbst 2003 flächendeckend in Österreich gestartete Aktion »Sanfte Koloskopie« wurde von der Mehrzahl der endoskopierenden Stellen positiv aufgenommen.

Schmerzfrei durch Prämedikamention

Die sanfte Koloskopie unterscheidet sich bei der Durchführung von der »normalen« Koloskopie in einem wichtigen Punkt: Mit Hilfe der Verabreichung einer Prämedikamention (»Kurzanästhesie«) spürt der Patient die Koloskopie nicht mehr.

Die unabdingbare Darmreinigung vor der Untersuchung ist allerdings auch bei der »sanften Koloskopie« notwendig. Dabei müssen an zwei aufeinander folgenden Tagen vor der Untersuchung 3 Liter einer speziell zusammengesetzten Spüllösung getrunken werden.

 Gütesiegel »sanfte Koloskopie«

Gütesiegel »sanfte Koloskopie«

Es gibt in Österreich etwa 470 Ärzte bzw. Institutionen, die eine Koloskopie anbieten. Bei etwa 100 davon kann man die »sanfte Koloskopie« erhalten. Diese Stellen sind mit dem Diplom der ÖGGH ausgezeichnet.

Ärzte, Kliniken und Spitäler in Ihrer Nähe, die eine Koloskopie anbieten, finden Sie hier in der Koloskopie-Suchmaschine.

 

 

 

Ablauf der „sanften Koloskopie“

1. Sie bekommen bei der Anmeldung ein Erklärungsblatt zur Untersuchung     und zur Möglichkeit der Sedierung.

2. Sie können vor dem Untersuchungstag bei Bedarf Fragen und Ängste mit     dem endoskopierenden Arzt besprechen.

3. Sie bekommen eine schriftliche Anleitung zur Vorbereitung.

4. Sie bekommen die Prämedikation angeboten.

5. Es ist eine Ruhe- bzw. Überwachungszone vorhanden.

6. Es ist ein Gespräch über das Ergebnis der Untersuchung vorgesehen.

 

 

Wegweiser „sanfte Koloskopie“

Bevor Sie entscheiden, wo Sie die Koloskopie durchführen lassen, überprüfen Sie folgende Qualitätskriterien:

• Wie viele Koloskopien werden jährlich durchgeführt?

Wie bei jeder anderen Untersuchung, die auch Komplikationen haben kann, sind Sie gut beraten, wenn Sie sich an Institutionen wenden, die viele Koloskopien durchführen (min. 100 jährl.). Denn ein präzises Diagnoseergebnis und die Rate an Komplikationen hängen natürlich von der Erfahrung des untersuchenden Arztes ab.

• Können während der Koloskopie verdächtige Darmpolypen auch gleich entfernt werden?

Wird ein Darmpolyp im Rahmen der Koloskopie entdeckt, kann er in den allermeisten Fällen sofort abgetragen werden. Dies erfolgt aber nur bei koloskopierenden Stellen, die auch die Polypektomie durchführen. Um sich im Falle eines Darmpolyps nicht nochmals einer Koloskopie unterziehen zu müssen, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen, der Koloskopie und Polypektomie durchführt.

• Verfügt der Arzt über eine »Waschmaschine«?

Wie bei allen Untersuchungen ist auch bei der Koloskopie die Hygiene ein wesentliches Kriterium. Sie sollten daher unbedingt vor der Wahl Ihres Arztes nachfragen, ob ausreichende Einrichtungen zur Säuberung und Desinfektion der Koloskopie-Geräte vorhanden sind.

 

 

Genetisch bedingter Darmkrebs

Etwa 5 – 10 % aller Krebserkrankungen sind auf genetische Veranlagung zurückzuführen. In manchen Familien tritt z. B. Krebs  der Brust, der Gebärmutter oder des Dickdarms gehäuft auf. Dann spricht man von Krebsrisikofamilien.

Krebsrisikofamilien sind charakterisiert durch:
•        Mehrere nahe Verwandte erkranken an Krebs
•        Mehrere Krebserkrankungen bei einer Person
•        Krebserkrankungen in mehreren aufeinander folgenden Generationen einer Familie

Wenn dies in Ihrer Familie der Fall ist, sprechen Sie mit Ihrem Arzt! Er wird die entsprechenden Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen einleiten.

Heute sind zwei Dickdarmkrebsformen bekannt, bei denen es sich um genetisch bedingte Krebsformen handelt:

•        Familiäre adenomatöse Polypose (FAP)
•        Vererbbares, nicht-polypöses Kolonkarzinom (HNPCC, früher Lynch-Syndrom)

Patienten, die an einem vererbten Dickdarmkrebs erkrankt sind, sollten an einem spezialisierten Zentrum nachkontrolliert werden. Zudem ist eine genetische Untersuchung zur Abschätzung des Risikos bei den Verwandten zu empfehlen.

Die Erfassung dieser Krebsfamilien im Österreichischen Polyposeregister ist sehr zu empfehlen. Die Patienten gewinnen dadurch den Vorteil, über relevante Entwicklungen rasch informiert zu werden.

Österreichisches Polyposeregister

Koordinator:
Univ.-Prof. Dr. Judith Karner-Hanusch
p. a. Chirurgische Univ. Klinik Wien/AKH,
Währinger Gürtel 18–20,
A-1090 Wien
Telefon: (01) 40400-6521
Fax: (01) 40400-6384

 

 

Therapie des Darmkrebs

Wurde bei Ihnen die Diagnose Darmkrebs gestellt, besprechen Sie mit Ihrem Arzt ausführlich den Befund und lassen Sie sich die vorgesehenen Behandlungsschritte und therapeutischen Möglichkeiten erläutern. Oft ist es so, dass in der ersten Aufregung manches überhört oder falsch verstanden wird. Vereinbaren Sie für zusätzliche Fragen ein weiteres Gespräch und nehmen Sie Ihren Partner oder einen Vertrauten mit.

Operation

Oberstes Ziel st es, den Tumor durch Operation vollständig zu entfernen.

Operationsmöglichkeiten bei Dickdarmkrebs
Bei Dickdarmkrebs erfolgt die Durchtrennung der Darmabschnitte weit vom Tumor entfernt – also noch im gesunden Darmbereich.
Darmkontinuität wird entweder durch eine Verbindung zwischen Dünn- und Dickdarm oder durch eine Verbindung zwischen den beiden Dickdarmenden wieder hergestellt.

Operationsmöglichkeiten bei Mastdarmkrebs
Der Mastdarm umfasst die letzten 16 cm des Darms bis an den Schließmuskel. Die häufigste Operationsart ist die vom Bauchraum durchgeführte Entfernung des Mastdarms mit einer Verbindung zwischen dem absteigenden Dickdarmanteil und dem über den Schließmuskel durchtrennten Mastdarmanteil. Nur wenn der Tumor in den Schließmuskel einbricht, muss dieser im Gesamten entfernt und dem Patienten ein künstlicher Darmausgang auf Dauer gelegt werden.

Beschwerden nach der Operation

Wundschmerzen:
Patienten können – bedingt durch den großen Bauchschnitt – in den ersten drei Tagen nach der Operation relativ starke Wundschmerzen erleiden, die jedoch bei unauffälligem postoperativen Verlauf innerhalb einer Woche vergehen. Bei Entfernung des gesamten Mastdarms sind Schmerzen im Bereich der Wunde und des Steißbeins über längere Zeit zu erwarten.

Wundheilung:
Nach präoperativer (vor der Operation durchgeführter) Bestrahlung heilen Wunden im Dammbereich manchmal verzögert.

Stuhlgewohnheiten:
Eine Darmentfernung hat Auswirkungen auf die Stuhlgewohnheiten: Meist erfolgt eine vorübergehende erhöhte Stuhlfrequenz und eine Änderung der Stuhlkonsistenz (dünnflüssiger Stuhl). Bei Operationen, bei denen nur ein geringer Teil des Mastdarm belassen werden konnte, nimmt die gehäufte Stuhlfrequenz oft erst nach 6 – 12 Monaten ab, um sich anschließend zu normalisieren.

Patienten nach komplikationslosem Verlauf können üblicherweise 8 – 10 Tage nach der Operation das Krankenhaus verlassen.

Entfernung der Lymphknoten
Ein wesentlicher Bestandteil der Darmkrebs-Operation ist die Entfernung der Lymphknoten. Vergrößerte Lymphknoten in benachbarten Lymphknotenstationen werden ebenfalls mitentfernt.
 

Künstlicher Darmausgang (Stoma)

Ein künstlicher Darmausgang wird durch das Einnähen eines Darmanteiles in die Bauchdecke geschaffen. Dadurch kann der Stuhl in ein auf die Haut geklebtes Säckchen abfließen. Dieser Ausgang kann entweder permanent oder vorübergehend angelegt werden. Bei sehr tief im kleinen Becken durchgeführter Darmverbindung kann vorübergehend ein künstlicher Darmausgang angelegt werden, der nach etwa 6 Wochen wieder zurückoperiert wird. Bei kompletter Entfernung des Schließmuskelapparates bei Mastdarmkrebs wird ein permanentes Stoma angelegt.

Die Anlage eines künstlichen Darmausganges ist heute nur mehr selten erforderlich. Bei sachkundigem Umgang kann damit jedoch ein weitgehend normales Leben geführt werden.

Psychische Belastung bei künstlichem Darmausgang

Der künstliche Darmausgang kann für den Patienten mit Problemen verbunden sein, die einerseits gelöst werden können und andererseits völlig normal sind.
Die psychische Belastung wird geprägt durch die Angst, dass sich das Säckchen löst. Zusätzlich kann das ästhetische Körperbewusstsein bzw. Selbstwertgefühl des Patienten durch das Stoma deutlich vermindert werden, sodass körperliche und sportliche Aktivitäten zu einer psychischen Belastung führen.
In den letzten Jahren haben wesentliche Fortschritte wie die Entwicklung von verträglicheren Klebematerialien und auch von besser abdichtenden Klebeplatten von Kolostomiebeuteln zu einer Verbesserung der technischen Handhabung beigetragen.

Hilfe bei der Problembewältigung bieten die Beratungsstellen der Österreichischen Krebshilfe und Selbsthilfegruppen.

Chemotherapie

Chemotherapie wird bei Dickdarmkrebs-Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung und auch bei Risikopatienten nach erfolgreicher Operation zur Sicherung des Operations- und anhaltenden Heilungserfolgs eingesetzt.

In den letzten Jahren sind wesentlich wirksamere, besser verträgliche und zum Teil besser verabreichbare Chemotherapeutika entwickelt worden. Das hat entscheidend zu einer Verbesserung der Therapieergebnisse bei Dickdarmkrebs gebracht.

Verabreichung und Zyklus
Für die Behandlung des Dickdarmkrebs stehen heute verschiedene Medikamente – Chemotherapeutika (Zytostatika) und Folsäureantagonisten (Antidots), – und damit viele Möglichkeiten zur Kombination zur Verfügung.

Die meisten Substanzen werden intravenös entweder als Injektion, Kurzinfusion oder aber als „Dauerinfusion“ mittels tragbarer Pumpen (über einen Zeitraum von zumeist 24 – 48 Stunden) verabreicht.

Vor kurzem wurde eine Chemotherapie in Tablettenform für die Behandlung des Dickdarmkrebs zugelassen, welche die aufwändige Dauerinfusion in naher Zukunft ablösen wird und problemlos mit den anderen Chemotherapeutika kombinert werden kann.

Die Chemotherapie wird entweder an einem Tag oder an mehreren aufeinander folgenden Tagen und nach einer Pause von 1 – 3 Wochen in identer Zusammensetzung und Dosierung wiederholt.

Die meisten chemotherapeutischen Behandlungen können heute ambulant durchgeführt werden, speziell wenn diese in Tablettenform und auch mit oder ohne einer zusätzlichen Infusion erfolgen.

„Adjuvante“ Chemotherapie

Als adjuvante Therapie wird die Verabreichung der Medikamente nach erfolgreicher, d. h. vollständiger operativer Entfernung des (Primär) Tumors bezeichnet. Diese Therapie wird bei Dickdarmkrebs besonders  für Patienten mit Befall der Lymphknoten empfohlen, da diese ein erhöhtes Risiko für ein Wiederauftreten der Erkrankung, z. B. von Lebermetastasen haben.

Wenn der Tumor in ein Nachbarorgan eingewachsen ist, bzw. zum Darmverschluss geführt hat oder Krebszellen in den Blutgefässen des Tumors nachgewiesen wurden, wird ebenfalls eine adjuvante Chemotherapie empfohlen.

Für Mastdarmkrebs gelten andere Therapierichtlinien, wobei hier häufig auch eine Kombination von Strahlen- und Chemotherapie und dies vor und/oder nach der Tumor-Operation durchgeführt wird.

Nebenwirkungen

Zu den möglichen Nebenwirkungen der häufig eingesetzten Medikamente bei Dickdarmkrebs zählen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Mundschleimhautentzündung, eine unter Umständen schmerzhafte Hautreaktion (vor allem an Händen und Füßen), erhöhte Infektionsgefahr durch das Absinken der weißen Blutkörperchen und selten Blutungsneigung durch das Absinken der Blutplättchen. Relativ häufig finden sich wenige Tage nach Verabreichung der Chemotherapie Müdigkeit und Appetitlosigkeit.
Abgesehen von diesen unerwünschten Nebenwirkungen kann es häufig erst nach mehrmaliger Gabe zu Nervenirritationen vor allem im Fingerspitzenbereich und besonders in Zusammenhang mit Kälte kommen.

Tatsache ist, dass fast jede Nebenwirkung abhängig von der Dosis ist und daher durch eine Korrektur der Dosis in nachfolgenden Therapiezyklen abgewendet werden kann.

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf eine Chemotherapie. Daher ist es besonders wichtig, gerade beim ersten Therapiezyklus den behandelnden Arzt bei unerwünschten Begleiterscheinungen – im Zweifelsfalle lieber zu früh als zu spät – zu informieren.

Ernährung bei Chemotherapie

Die Ernährung ist eine wichtige unterstützende Maßnahme zur erfolgreichen Krebsbehandlung. Gerade in dieser Situation ist ein guter Ernährungszustand (= Normalgewicht) sehr wichtig, um mögliche Nebenwirkungen der Therapie leichter zu verkraften. Ihr Körper benötigt Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente und ausreichend Flüssigkeit (Trinkwasser, kohlensäurearmes Mineralwasser, Tee, verdünnte Obstsäfte, ...).

Zielgerichtete Therapien

Immuntherapie: Therapie mit Antikörper
Antikörper sind Stoffe, die von Zellen des Immunsystem gebildet werden, um den Körper z. B. vor Infektionen mit Bakterien oder Viren zu schützen, indem sie sich an Strukturen von diesen Eindringlingen binden und diese unschädlich machen.

Monoklonale Antikörper, ursprüglich mit Zellen (monoklonaler Ursprung) im Labor hergestellt, werden heute gentechnologisch produziert und bei Krebs im Bereich Diagnostik und Therapie eingesetzt.

Vor kurzem wurden zwei monoklonale Antikörperpräparate, die in wesentliche Mechanismen der Krebsentstehung und -ausbreitung (Gefäßneubildung und Wachstumsstimulation) eingreifen, von der Behörde für die Behandlung des Dickdarmkarzinoms zugelassen. Diese beiden Antikörper haben die therapeutischen Ergebnisse bei Dickdarmkrebs entscheidend verbessert und bieten zahlreiche Möglichkeiten für neue Kombinationstherapien.

Strahlentherapie
Beim Dickdarmkrebs spielt die Strahlentherapie keine wesentliche Rolle, da diese Tumoren chirurgisch sehr gut entfernt werden können. Beim Mastdarmkrebs spielt die Strahlentherapie eine wichtige Rolle, um das Risiko eines Lokalrezidivs (= Nachwachsen/Wiederauftreten des Tumors in der ursprünglichen Region) zu reduzieren.

Eine Strahlentherapie sollte präoperativ durchgeführt werden, weil sie zu diesem Zeitpunkt meist schonender und wirksamer durchgeführt werden kann. Die Entscheidung zur Strahlentherapie wird von Chirurg und Strahlentherapeut gemeinsam getroffen.

Beim Analkarzinom ist Strahlentherapie, meist in Kombination mit Chemotherapie eine erste therapeutische Wahl. Auf diese Weise kann fast immer eine chirurgische Entfernung des Schließmuskels vermieden werden.

Anwendung der Strahlentherapie
Strahlentherapie beim Rektum- und Analkarzinom wird in liegender Position der PatientIn einmal oder zweimal täglich verabreicht. Die Bestrahlung selbst dauert nur etwa ein bis zwei Minuten.

Die Strahlentherapie kann eine Dauer von nur einer Woche mit Operation in der Folgewoche haben, oder sie wird über fünf Wochen meist in Kombination mit Chemotherapie gegeben. Die Lage des Tumors bestimmt die Therapieform, welche individuell von Fall zu Fall von den Experten entschieden wird.

Die Therapie kann ambulant durchgeführt werden, jedoch ist bei zweimal täglicher Anwendung bzw. in Kombination mit Chemotherapie eine stationäre Aufnahme meist notwendig.

Strahlentherapie bei fortgeschrittener Erkrankung
Bei einem inoperablen Tumor im Mastdarm kann durch Strahlentherapie eine Verkleinerung erzielt werden, sodass anschließend noch erfolgreich operiert werden kann.

Ein Lokalrezidiv (= Nachwachsen/Wiederauftreten des Tumors in der ursprünglichen Region) kann in vielen Fällen durch Strahlentherapie effektiv behandelt werden, wobei häufig eine Kombination mit Chemotherapie durchgeführt wird.

Bei Vorliegen von einzelnen Metastasen in Leber oder Lunge kann – alternativ zur Operation – eine Strahlentherapie als effektive Behandlung angeboten werden.

 

 

Neue Chancen durch Forschung

Intensive Forschungsarbeit leistet die seit zwei Jahrzehnten bestehende Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG), die sich auf Brust- und Darmkrebs spezialisiert hat.

Die ABCSG ist eine der größten Studiengruppen Europas. Bisher wurden von den rund 500 Prüfärzten der Gesellschaft in mehr als 90 österreichischen Zentren 14.700 Studienteilnehmer betreut.

Diese erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit ist Voraussetzung für den Einsatz von neuen Therapien oder Medikamenten bei Menschen, die vor der Anwendung auf breiter Ebene erst in klinischen Studien geprüft und untereinander verglichen werden müssen.

Vorteile für Studienteilnehmer

Für die Studienteilnehmer gibt es viele Vorteile: Sie werden im Zug der Studien von hochqualifizierten Krebsmedizinern nach dem letzten Stand des Wissens betreut und erhalten neue Medikamente und Therapien, die anderen Patienten noch nicht zugänglich sind.

Sie werden häufiger und regelmäßiger kontrolliert, damit werden auch eventuelle Verschlechterungen ihres Gesundheitszustandes oder Rückfälle rascher bemerkt.

Im Fall des Falles können dann frühzeitig notwendige Schritte eingeleitet werden. Die Betreuung endet aber nicht mit dem Abschluss der Studie: Alle Patienten, die jemals an ABCSG-Studien teilgenommen haben, werden in ein lebenslanges Nachsorgeprogramm aufgenommen.

Kostenlose Medikamente

Die medikamentösen Therapien, die in ABCSG-Studien zum Einsatz kommen, sind teuer. Die Studienteilnehmer haben jedoch keine finanzielle Nachteile: Sie erhalten die Medikamente nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen während der gesamten Studiendauer kostenlos. Dadurch ersparen sich die Sozialversicherungsträger beträchtliche Kosten.

Vor allem auch für die Sicherheit der Patienten ist gesorgt. Ethikkommissionen und Behörden überprüfen das Vorgehen in jeder Studienphase und stehen mit den verantwortlichen ÄrztInnen in Verbindung. Studiendaten werden von Beginn an für den persönlichen Datenschutz verschlüsselt.

Drei aktuelle Studien

Der Vorteil von klinischen Studien für alle Patienten liegt auf der Hand: Nur durch klinische Studien erhält man umfassende Informationen über einen neuen Wirkstoff und dessen Wirksamkeit und Risiken. Neue Medikamente und neue Therapiemethoden erhöhen die Heilungs- oder Überlebenschancen beträchtlich.

Derzeit führt die ABCSG drei Darmkrebsstudien durch, von denen sich die Ärzte weitere Fortschritte in der Therapie von Darmkrebs erhoffen.

Wenn Sie sich für die Teilnahme an einer Studie der ABCSG interessieren, wenden Sie sich an die Studiengruppe unter www.abcsg.at


 
 

(Tumor) Nachsorge

Eine gründliche Tumornachsorge ist Teil einer erfolgreichen Krebsbehandlung. Manche Patienten sind der Ansicht, mit der Entlassung aus dem Krankenhaus sei die Heilung erledigt. Doch auch nach erfolgter Therapie müssen einige Nachsorgevorkehrungen getroffen werden. Durch entsprechende Kontrollen kann ein Wiederauftreten der Krankheit rechtzeitig erkannt werden.

Unter Nachsorge versteht man regelmäßige Kontrolluntersuchungen, um ein Wiederauftreten der Erkrankung rechtzeitig zu entdecken und Entscheidungen über die notwendigen Therapiemaßnahmen treffen zu können.

Die Art und der genaue Zeitpunkt der Kontrolluntersuchungen bestimmt Ihr Arzt aufgrund Ihres individuellen Krankheitsbildes.

Grundsätzlich gibt es bei Darmkrebs aber folgende Nachsorge-Regeln:

  • Einmal jährlich KoloskopieSanfte Koloskopie«)

  • Halbjährliche radiologische Untersuchungen der Leber

  • Anfangs vierteljährliche Blutuntersuchungen

Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Diätische Fragen klären Sie am besten mit Ihrem Arzt, mit einem Ernährungsberater oder mit den Beraterinnen der Österreichischen Krebshilfe.

Stark blähende und stopfende Speisen sind zu vermeiden. Es ist empfehlenswert, anfangs genaue Beobachtungen und Aufzeichnungen vorzunehmen, damit Sie selbst auch objektiv nachvollziehen können, welche Speisen Sie schlecht vertragen.

 

 

 
 
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