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  Eierstockkrebs  
     
 

Allgemeines:
Die Eierstöcke (Ovarien), die weiblichen Keimdrüsen, sind etwa pflaumengroße Organe, die paarig unterhalb der Tuben, die in den Gebärmutterfundus münden, aufgehängt und an der unteren Beckenwand angelegt sind. Die Ovarien bestehen aus einer äußeren Rindenschicht (Epithel) mit den Eifollikeln (kugelige, erbsengroße Gebilde) und der zentralen Markschicht. Die Produktion von befruchtungsfähigen Eiern (Follikelreifung, -sprung, Gelbkörperbildung) und von Geschlechtshormon (Östrogen und Gestagene) zählt zu den wesentlichen Funktionen der Eierstöcke.
In Österreich erkranken etwa 1 000 Frauen jährlich an Eierstockkrebs. Etwa jede 70. Frau ist in ihrem Leben davon betroffen. Diese Krebsart tritt am häufigsten zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf, etwa 15 % aller Erkrankungen kommen jedoch auch in jüngeren Jahren vor. Der Eierstockkrebs wird meist zufällig entdeckt, da er keine frühen Symptome verursacht. Etwa zwei Drittel der Erkrankungen werden im bereits fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Daher ist auch die Prognose dieser Krebserkrankung ungünstiger als bei den übrigen Krebserkrankungen der Frau. Eierstockkrebs zeichnet sich durch eine relativ hohe Empfindlichkeit gegenüber zytostatischen Medikamenten aus.

Entstehung und Risiko:
Etwa 70 % der Ovarialkarzinome nehmen ihren Ausgang vom Epithel des Eierstockes und werden daher als epitheliale Tumoren klassifiziert und sind meistens drüsenbildende (Adeno-) Karzinome. Es gibt weiters Tumoren, die im Bindegewebe und solche, die vom Keimgewebe ihren Ursprung haben

Eindeutige Risikofaktoren für den Eierstockkrebs sind nicht bekannt. Etwas häufiger erkranken jedoch kinderlose Frauen. Auch bei Frauen, die eine Operation wegen Brustkrebs, Darmkrebs oder Gebärmutterkörperkrebs hinter sich haben, ist das Risiko für die Entstehung eines Eierstockkrebses etwas erhöht. In großen Statistiken wurde weiters ein gewisses, familiär gehäuftes Auftreten all dieser Krebsformen nachgewiesen. Bei Frauen mit genetischen Mutationen des BRCA 1 Gen ist neben dem Risiko für Brustkrebs auch das Eierstockkrebs-Erkrankungsrisiko mit 40 % wesentlich höher als in der durchschnittlichen Bevölkerung.

Warnsignale:
Eine Zunahme des Bauchumfanges, Verdauungsstörungen, ungewollte Gewichtsabnahme können Symptome für eine Eierstockkrebserkankung darstellen. Weiters kann es zu Blutungsstörungen, Übelkeit, Erbrechen, allgemeiner Schwäche und Atemnot kommen. Alle diese Symptome stellen jedoch meist keine Frühzeichen dar, sondern treten fast immer bei bereits fortgeschrittener Erkrankung auf.

Diagnose:
Die Verdachtsdiagnose Eierstockkrebs wird zumeist im Rahmen der frauenärztlichen Untersuchung, die im Sinne der Vorsorge zumindest einmal jährlich in Anspruch genommen werden sollte, gestellt. Ultraschall und/oder Blutabnahmen (Tumormarker CA-125) ergänzen diese diagnostischen Maßnahmen. Es ist wichtig zu wissen, dass auch zahlreiche gutartige Erkrankungen sowohl im Ultraschall als auch bei den Tumormarker-Blutspiegeln einen bösartigen Tumor vortäuschen können. Die endgültige Diagnose kann daher nur der histologische Befund ergeben.

Therapie:
Operation
Im Mittelpunkt der Behandlung steht die möglichst vollständige Entfernung des bösartigen Tumorgewebes. Dazu werden meist beide Eierstöcke, die Gebärmutter, das Bauchnetz und die Lymphknoten entfernt. Mitunter ist es auch notwendig, Teile des Darmes oder der Blase zu entfernen. Trotz ausgedehnter Operationen gelingt es bei etwa einem Drittel aller Patientinnen nicht, den Tumor vollständig zu entfernen. In diesen Fällen wird nach einer zytostatischen Behandlung durch 3 Zyklen eine weitere Operation durchgeführt, bei der dann die noch verbliebenen Tumorreste endgültig entfernt werden sollen. In seltenen, ausgewählten Fällen, vor allem bei jungen Frauen mit Kinderwunsch, kann auch eine weniger radikale Operation ausreichend sein. Die Sicherheit für die Patientin steht immer im Vordergrund der Operationsplanung.

Medikamentöse Therapie
Bis auf wenige Ausnahmen werden heute alle Stadien der Eierstockkrebserkrankung mit einer zytostatischen Therapie nachbehandelt. Durch Infusionstherapien in 3-4 wöchentlichen Abständen gelingt es oft, noch verbliebene Tumorreste zu eliminieren. Die Chemotherapie wird meist über insgesamt 6 Zyklen durchgeführt. Es stehen mehrere neue Substanzen mit hoher Wirksamkeit zur Verfügung. Die Hormontherapie spielt beim Eierstockkrebs nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Strahlentherapie
Die Strahlentherapie wird heute beim Eierstockkrebs nur in wenigen Situationen eingesetzt. Vor allem zur lokalen Bestrahlung von Rezidiven und zur Vermeidung von Blutungen kommt die Strahlentherapie zum Einsatz.

Prävention
Die Einnahme der Antibabypille stellt eine gewisse Form der Chemoprävention dar. Es wurde nachgewiesen, dass Frauen, die „die Pille“ länger als 6 Monate genommen haben, bereits für den Rest ihres Lebens ein signifikant geringeres Eierstock- Erkrankungsrisiko aufweisen, als Frauen, die nie die Pille genommen haben. Je länger die Pille genommen wurde, desto größer ist die Risikoreduktion. Bei 5-jähriger Pilleneinnahme liegt die Risikoreduktion bei etwa 50 %.

Frauen, die Trägerinnen einer genetischen Mutation des BRCA1-Gens (Krebsrisikofamilien) sind, sollten auch bezüglich einer prophylaktische Entfernung der Eierstöcke (um das 40. Lebensjahr oder nach Abschluss der Familienplanung) beraten werden, da sie ein sehr hohes Erkrankungsrisiko (40 %) tragen und es bis heute keine wirksame Früherkennungsmaßnahme (Vorsorgeuntersuchungen) für Eierstockkrebs gibt.

Früherkennungsmaßnahmen
Bis jetzt gibt es keine wirksame Untersuchungsmethode, mit der eine erfolgreiche Früherkennung des Eierstockkrebs möglich ist. Bei der jährlichen gynäkologischen Untersuchung durch den Facharzt können Veränderungen am Eierstock festgestellt werden, jedoch ist diese Maßnahme leider kein Garant dafür, dass ein Tumor frühzeitig erkannt wird. Derzeit fehlt der wissenschaftlich abgesicherte Nachweis, dass Reihenuntersuchungen („Screening“) mit Ultraschall und Tumor-markerbestimmungen zur Früherkennung und Heilung von Eierstockkrebs wesentlich beitragen; somit kann zur Zeit auch keine Empfehlung für eine wirksame Früherkennungsmaßnahme abgegeben werden.

 

 
 
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