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  Hirntumoren  
     
 

Allgemeines:
Hirntumoren sind als durch Zellwucherungen bedingte Raumforderungen im Gehirn definiert. Man unterscheidet primäre Hirntumoren, die von den Zellen der Gehirnsubstanz, der Hirnhäute, Hirnnerven und Hirnanhangsgebilden ausgehen (sogenannte hirneigene Tumoren), von sekundären Hirntumoren. Letztere werden durch Absiedelungen (Metastasierung), von anderen Malignomen (zB Brust- oder Lungenkrebs) im Gehirn gebildet. Primäre Hirntumoren gehören mit einer Häufigkeit von 6 bis 8 Neuerkrankungen im Jahr pro 100.000 Personen zu den seltenen Tumorarten. In Österreich wurde 1999 bei 232 Frauen und bei 294 Männern die Diagnose eines primären Hirntumors gestellt.

Arten der primären Hirntumoren:
Die Einteilung erfolgt nach der Zellart, aus der sich ein Tumor entwickelt hat. Etwa 50 Prozent aller primären Hirntumoren sind Gliome. Diese entstehen aus dem Stützgewebe des Gehirns und werden entsprechend der Vielfalt dieses Gewebes in Astrocytome (ausgehend von den sternförmigen Stützzellen, den Astrozyten), Glioblastome und Oligodendrogliome (markscheidenbildende Stützzellen) unterteilt. Medulloblastome gehören zu den häufigsten Tumorerkrankungen des Kleinkindes und entwickeln sich aus Zellen des unreifen Kleinhirnes. Meningeome entstehen aus den Zellen der Hirnhäute. Sie machen etwa 25 Prozent aller Hirntumoren der Erwachsenen im mittleren oder höheren Lebensalter aus. Neurinome entstehen aus den Zellen der Hirnnerven. Entsprechend dem Wachstumsverhalten (Aggressivität) werden Hirntumoren als gutartig, bzw. bösartig klassifiziert. Die Raumforderung die durch beide entsteht, bestimmt das klinische Erscheinungsbild, Symptomatik und auch die Therapie.

Entstehung/Risiko:
Trotz intensiver Forschungen gibt es derzeit keine Kenntnis über auslösende Ursachen bzw Risikofaktoren. Lebensgewohnheiten und Umwelteinflüsse, aber auch Handy-Benützung (Elektro-Smog), stellen nach derzeitigem Wissensstand kein Risiko dar. Es besteht auch kein Zusammenhang mit Schädelhirntrauma, Stress und, außergewöhnlichen psychischen Belastungen. Die Exposition gegenüber Chemikalien und Pestiziden ist am Entstehen von Hirntumoren nicht beteiligt.

Symptome:
Raumforderungen im Gehirn können vielfältige Symptome verursachen. Es gibt keine typischen Warnsignale. Neu auftretende Kopfschmerzen, besonders Nachts oder in den frühen Morgenstunden, können ein Alarmsignal sein. Tumorbedingte Kopfschmerzen nehmen innerhalb kürzester Zeit an Intensität zu und sind unempfindlich gegenüber „normalen“ Kopfschmerzmitteln.
Weitere Symptome, die auf Hirntumoren hindeuten können sind:
Krampfanfälle (unkontrollierte Entladungen von Nervenzellen), sogenannte neurologische Herdzeichen sowie Nervenausfälle die zu Gesichtsmuskellähmungen, Seh- und Sprachstörungen, unkoordinierten Bewegungen bzw Ungeschicklichkeiten führen. Weitere Symptome sind Übelkeit, Erbrechen; hormonelle Störungen und besonders auch Persönlichkeits- und Wesensveränderungen. Hirntumoren können aber lange Zeit auch ohne Symptomatik verlaufen.

Diagnose:
Die Verdachtsdiagnose „Hirntumor“ erfordert wegen der möglichen einschneidenden persönlichen, prognostischen und therapeutischen Konsequenzen eine umfangreiche Methodik um die Erkrankung zu verifizieren bzw auszuschließen. Die Erhebung der Krankengeschichte und die Ergebnisse der körperlichen Untersuchungen können dann weiterführende diagnostische Tests notwendig machen.

  1. Neurologische Untersuchung:
    Bei Verdacht auf Hirntumor wird zunächst die Funktion der Sinnesorgane, der Bewegungssteuerung und des Gedächtnisses untersucht.
  2. Computertomographie (CT):
    Belastungsfreies Schnittbildverfahren, bei dem Röntgenstrahlen ins Schädelinnere gesandt, mit einer ringförmigen Röhre wieder aufgefangen und über einen Computer zu einem Bild zusammengesetzt werden. Mit dieser Untersuchungsmethode werden Schnittbilder des Schädelinneren von höchster Präzision gewonnen.
  3. Kernspintomographie:
    Dieses bildgebende Verfahren, auch als Magnetresonanztomographie (MRT) bezeichnet, basiert auf dem Prinzip der Kernresonanz von Wasserstoffatomen im untersuchten Gewebe innerhalb eines künstlich erzeugten elektromagnetischen Feldes. Diese Methode ist wesentlich empfindlicher als CT, aber nicht für jeden Patienten geeignet.
    Weitere Untersuchungsmethoden die zum Einsatz kommen, sind das Electro-Encephalogramm (EEG) zum Nachweis von Funktionsstörungen im Gehirn, Liquor-Punktionen und eine Angiographie der Hirngefäße. Schließlich ist eine Gewebeentnahme unter Narkose für die endgültige Diagnose und die Histologie notwendig.
  4. Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET):
    Ein nuklearmedizinisches Schnittbildverfahren ist durch seine Spezifität von besonderer diagnostischer Bedeutung. Dieses Verfahren beruht auf der Injektion von radioaktiv markierten Stoffen (Zucker), die sich als Stoffwechselprodukten im Tumor anreichern. Bei einem Tumor geht ein gesteigertes Wachstum mit einem gesteigerten Energiebedarf/Stoffwechsel einher, wodurch das eingesetzte Radionuklid vermehrt angereichert wird. PET-Scan ist eine sehr wertvolle und sensitive Methode sowohl für die Primärdiagnostik als auch für Therapieverlaufskontrolle.

Therapie:
Bei der Wahl der Behandlungsmethode sind Art (histologischer Typ, häufig auch bestimmt durch Biopsie) und Lage und Ausbreitung des Tumors entscheidend. Die wichtigste Therapieform ist die Operation, bei der die Schädeldecke geöffnet werden muss. Dank mikrochirurgischer Operationstechniken ist diese Behandlungsmethode heute mit einem wesentlich geringeren Risiko behaftet als früher. Die operative Entfernung des Tumors unter Schonung des umgebenden Gehirngewebes ist hier oberstes Prinzip. Oft ist die vollständige Entfernung des Tumors nicht möglich, d.h. es verbleiben Tumorzellen im Normalgewebe verteilt. Diese Zellen werden durch entsprechende Zusatzbehandlungen wie Strahlen- oder Chemotherapie bekämpft.

  • Strahlentherapie:
    Kann als Primär- aber auch als Zusatzbehandlung bei Hirntumoren eingesetzt werden. Es handelt sich dabei um eine lokale Therapiemaßnahme mit ionisierenden Strahlen die sich gegen teilende (proliferierende) Zellen gerichtet; ruhendes Hirngewebe der Umgebung wird dabei geschont. Durch Einsatz von CT, MRT und rechnergestützter, dreidimensionaler Planung mit Computersimulation, kann die Strahlentherapie mit Linearbeschleunigern auf den Millimeter genau durchgeführt werden. Strahlentherapie wird auch mit Chemotherapie kombiniert.

  • Chemotherapie:
    Wird vorwiegend als Zusatztherapie alleine, oder in Kombination mit Strahlentherapie bei Rückfällen angewendet, bzw nach einer erfolgreichen Primärtherapie verabreicht. Nicht bei jedem Hirntumor ist eine Chemotherapie angezeigt. Nur wenige Zytostatika können bei Hirntumoren eingesetzt werden. Mann spricht von der „Liquorgängigkeit „des Therapeutikums, dh. dass diese Substanz die natürliche Schranke – die Blut-Hirnschranke - überwinden und im Gehirn (Gewebe) seine wachstumshemmende Wirkung entfalten kann. In den letzten Jahren gab es wesentliche Entwicklungen auf Gebiet der Zytostatika und der medikamentösen Therapien von primären und sekundären Hirntumoren.

  • Neue Therapieansätze, wie Gen-Therapie, Immun-Therapie und auch der Einsatz von kleinen Molekülen (Antisense-Strategien) werden derzeit entwickelt. Der Einsatz ist aber noch im Experimentierstadium.

 

 
 
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