|
Das lymphatische System
Das Lymphsystem ist ein Teil des Immunsystems unseres Körpers,
das eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Infektionen sowie
anderen Erkrankungen (auch Krebs) spielt.
Wie das Blutgefäßsystem ist auch das lymphatische System
ein Kreislaufsystem, das allerdings kein Blut, sondern eine Flüssigkeit,
die als Lymphe bezeichnet wird, enthält.Aufgabe dieses Systems
sind der Transport von Substanzen wie Proteinen, Nährstoffen,
Abfallprodukten und auch Zellen (Lymphozyten) durch den Körper.
Das lymphatische System umfasst:
• Lymphozyten
• Lymphgefäße („Lymphbahnen“)
• Lymphknoten („Lymphdrüsen“)
• Lymphatische Organe wie Milz und Thymus
Lymphozyten
Die Lymphozyten, eine Art von weißen Blutkörperchen,
können in zwei verschiedene Haupttypen eingeteilt werden:
B-Lymphozyten und T-Lymphozyten.
Sie entwickeln sich, wie alle anderen Arten von Blutzellen, im
Knochenmark und entstehen aus unreifen Zellen, so genannten Stammzellen.
In der frühen Kindheit wandern einige Lymphozyten in den Thymus,
wo sie zu T- Zellen heranreifen. Andere bleiben im Knochenmark
und reifen dort zu B- Zellen heran. Sowohl T- Zellen als auch B-
Zellen spielen eine wichtige Rolle bei der Erkennung und Bekämpfung
von Krankheitserregern.
Lymhphknoten
(„Lymphdrüsen“)
Die Lymphknoten enthalten eine große Anzahl an Lymphozyten,
die ihrerseits als Filter entlang der Lymphbahnen wirken und infektiöse
Organismen wie Bakterien oder Pilze aus der Lymphe abfangen. Die
Knoten sind häufig in Gruppen angeordnet; große Gruppen
findet man zum Beispiel in den Achselhöhlen, am Hals und in
der Leistengegend.
Vom Aufbau des Lymphsystems her ist es verständlich, dass
es sich bei Erkrankungen des Lymphsystems bzw. Lymphomen immer
um systemische Krankheiten handeln muss. Das sind Krankheiten,
die den gesamten Körper betreffen, auch wenn nur die Lymphknoten
einer Körperregion geschwollen sind.
Lymphome
Lymphom im weitesten Sinn bedeutet zunächst nur eine Vergrößerung
eines oder mehrerer Lymphknoten. Diese Vergrößerung
kann auf Infektionen oder aber auf bösartige Prozesse in den
Lymphknoten hinweisen. Diese Prozesse betreffen vornehmlich bestimmte
weiße Blutkörperchen, genauer gesagt die Lymphozyten.
Diese spielen bei der Abwehr und Bekämpfung von Infektionen
und Krankheiten eine wichtige Rolle.
Geraten die körpereigenen Regulationsmechanismen der Lymphozyten
außer Kontrolle, d.h. wachsen und vermehren sich die Lymphozyten
unkontrolliert bzw. sterben sie nicht zu der Zeit oder in der Form
ab wie beim Gesunden, führt dies ebenfalls zu einer Lymphknotenschwellung,
zum Beispiel im Halsbereich oder unter den Achseln. Solche Ansammlungen
krankhaft veränderter Lymphozyten werden dann als Lymphome
im engeren Sinn bezeichnet.
Eine in der Praxis wichtige Unterscheidung für Lymphome
teilt diese in zwei große Gruppen:
Hodgkin-Lymphome
Diese wurden 1832 vom englischen Arzt Thomas Hodgkin entdeckt und
beschrieben. Sie zeichnen sich durch das Auftreten charakteristischer
Riesenzellen, der sogenannten Reed-Sternberg Zellen, aus.
Non Hodgkin-Lymphome
Alle anderen Lymphome, bei denen die obengenannten, charakteristischen
Zellen nicht auftreten, werden als Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome
zusammengefasst. Dieser Begriff ist nach den neuesten Klassifikationskriterien
der Erkrankung (siehe WHO- Klassifikation
Seite 14ff) eigentlich nur ein Überbegriff für alle
nicht unter den oben genannten Begriff fallende Lymphomerkrankungen,
der in der Praxis allerdings nach wie vor häufig verwendet
wird.
B-Zell und T-Zell-Lymphome
Von der Art der betroffenen Lymphozyten kann auch eine Einteilung
in B-Zell- und T-Zell-Lymphome erfolgen. B- und T-Lymphozyten
unterscheiden sich in der Art ihrer Aufgaben, wobei die einen
vornehmlich Antikörper produzieren, während die anderen
vornehmlich regulatorisch im Immunsystem oder direkt zielzellwirksam
(Killer-T-Zellen) sind.
Weil die Mehrzahl der Lymphomerkrankungen B-Zellen betrifft,
die Häufigkeit der NHL die der Hodgkin-Lymhome bei weitem übersteigt
und diese sich auch in der Behandlung der Krankheit
untereinander stark unterscheiden, wird des weiteren vornehmlich
auf die Gruppe der
B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome eingegangen.
Auftreten und Häufigkeit von NHL
Die Ursachen, an NHL zu erkranken, sind nicht bekannt, allerdings
gibt es gewisse Risiken, wie bestehende HIV- oder bestimmte andere
Virusinfektionen, die das Auftreten von NHL begünstigen.
Bei besonderen Lymphomarten, z.B. den MALT-Lymphomen des Magens
besteht offensichtlich auch ein Zusammenhang mit einer Infektion
mit dem Bakterium Helicobacter pylori.
Wer erkrankt an Non-Hodgkin-Lymphomen?
• Das NHL kann bei Menschen aller Altersstufen auftreten,
kommt aber häufiger bei älteren Menschen vor (Durchschnittsalter
bei der Diagnose: 65 Jahre).
• Zwar kann die Krankheit bei
beiden Geschlechtern auftreten, doch ist die Wahrscheinlichkeit
bei Männern höher.
Symptome
Oft treten bei NHL zu Beginn keine spezifischen Symptome auf (was
die Erstdiagnose schwierig macht) und es wird »zufällig« bei
einer, wegen anderer Beschwerden vorgenommenen, ärztlichen
oder sonstigen Untersuchung entdeckt.
Das häufigste Symptom bei NHL ist eine schmerzlose, bestehen
bleibende oder stetig wachsende Lymphknotenschwellung, meist im
Hals-, Achsel- oder Leistenbereich (nicht jede Lymphknotenschwellung
muß jedoch automatisch ein Lymphom sein, in den meisten Fällen
handelt es sich um eine allgemeine Infektion).
Deshalb ist besonders auf das begleitende Auftreten anderer, charakteristischer
Symptome zu achten. Dazu zählen vor allem Nachtschweiß,
regelmäßig wiederkehrendes Fieber und unerklärlicher
Gewichtsverlust (mehr als 10% in 6 Monaten), extreme Müdigkeit,
Atemnot oder Husten sowie hartnäckiger, am ganzen Körper
auftretender Juckreiz.
Bei näherer Untersuchung können Veränderungen
des Blutbildes wie Anämie (Verringerung der Zahl roter Blutzellen),
Verringerung der
Anzahl weißer Blutkörperchen mit erhöhter Infektanfälligkeit
oder eine verringerte Anzahl von Blutplättchen mit einer Häufung
von Blutergüssen bzw. erhöhte Blutungsneigung ein
Hinweis darauf sein, dass das Lymphom das Zentrum der Blutbildung,
das Knochenmark, befallen hat.
Da keines der Symptome mit absoluter Sicherheit auf ein vorhandenes
NHL hinweist, werden Patienten mit Verdacht auf ein Non-Hodgkin-Lymphom
im Allgemeinen an ein Spezialistenteam in einem Krankenhaus überwiesen
oder an ein Kompetenzzentrum.
Diagnose
Eine Erstdiagnose erfolgt normalerweise auf Grundlage einer Biopsie (Gewebeprobe), bei der Proben aus dem vergrößerten Lymphknoten
entnommen werden. Dazu werden die Patienten vorab ausführlich
aufgeklärt und sie erhalten alle notwendigen Informationen,
ehe die Biopsie durchgeführt wird.
Die Probenentnahme selbst ist meist nur ein kleiner chirurgischer
Eingriff und kann häufig ambulant durchgeführt werden,
das heißt, der Patient braucht nicht über Nacht im Krankenhaus
zu bleiben.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung stehen zur Gänze allerdings
nicht sofort, sondern meist innerhalb von ein bis zwei Wochen nach
dem Eingriff zur Verfügung. Je nachdem, wo sich das Lymphom
befindet, kann es auch notwendig sein, zusätzlich zur Probe
aus einem Lymphknoten auch aus anderen Geweben eine Probe zu entnehmen,
in vielen Fällen z.B. aus dem Knochenmark (= Knochenmarksbiopsie).
Auch werden im Zuge der Diagnosestellung verschiedene Blutuntersuchungen
vorgenommen, um den allgemeinen Gesundheitszustand und weitere
Hinweise auf das Vorhandensein eines Lymphoms abzuklären.
Klassifikation
Zur Zuordnung des NHL unter einen bestimmten Typus existierten
lange Zeit nebeneinander mehrere, unabhängig voneinander entwickelte
Klassifikationssysteme, zur Vereinheitlichung wurde im Jahr 1995
ein internationales Kommitee aus Pathologen und Hämatologen/Onkologen
gegründet, welches eine neue, weltweit akzeptierte und verwendete
Klassifikation entwickelte, die WHO-Klassifikation.
In dieser werden die einzelnen Erkrankungen nach morphologischen,
immunologischen und genetischen Eigenschaften und nach ihrer klinischen
Präsentation
definiert.
Die früher übliche Unterteilung in niedrigmaligne und
hochmaligne Lymphome wurde für die WHO-Klassifikation verlassen,
da sie teilweise irreführend ist. Trotzdem oder gerade deshalb
ist die Klassifikation aufgrund historisch gewachsener Einteilungen
und Begriffe immer noch ein Punkt, der zur Verwirrung führen
kann, weil zum Teil für ein und dieselbe Erkrankung verschiedene
Bezeichnungen verwendet werden.
WHO-Klassifikation maligner B-Zell Non-Hodgkin-Lymphome
Vorläufer B-Zell Lymphome
• Vorläufer B-lymphoblastisches Lymphom/Leukämie
(= Vorläufer B-Zell ALL [Akute Lymphoblastische Leukämie])
Reife B-Zell Lymphome
• B-Zell CLL (chronisch lymphatische Leukämie) / SLL
(kleinlymphozytisches Lymphom)
• B-Zell prolymphozytische Leukämie
• Haarzellleukämie
• Lymphoplasmazytisches Lymphom (= Morbus Waldenström;
Immunozytom)
• Plasmazellmyelom / Plasmazytom / Multiples Myelom
• Splenisches Marginalzonenlymphom
• Extranodales Marginalzonenlymphom des mukosaassoziierten
Gewebes (MALT-Lymphom)
• Nodales Marginalzonenlymphom
• Follikuläres Lymphom
• Mantelzelllymphom
• Diffus großzelliges B-Zell Lymphom
• Burkitt Lymphom / Burkitt Leukämie
Vorläufer B-Zell Lymphome
Leiten sich von den frühesten Stadien der B-Zell Entwicklung
im Knochenmark ab. Lymphoblastische Lymphome präsentieren
sich als solide Tumormassen, bei lymphoblastischen Leukämien
finden sich die Tumorzellen vermehrt im Knochenmark und ausgeschwemmt
im Blut. Beide werden jedoch als verschiedene klinische Präsentationen
der gleichen Erkrankung angesehen.
Reife B-Zell Lymphome
Diese entstehen aus verschiedenen reiferen Stadien der B-Zell-Entwicklung.
B-Zell CLL (chronisch lymphatische Leukämie)
/ SLL (kleinlymphozytisches Lymphom)
CLL und SLL sind ein und dieselbe Erkrankung, jedoch in verschiedenen
Stadien bzw. klinischer Präsentation, wobei die CLL sich mit
vermehrter Ausschwemmung der Tumorzellen ins Blut präsentiert.
Die CLL ist eine meist sehr langsam fortschreitende Erkrankung,
die vor allem ältere Patienten betrifft. Viele Patienten haben
eine kaum verminderte Lebenserwartung, leiden jedoch aufgrund der
Immunschwächung öfter an Infektionen.
Prolymphozytische B-Zell Leukämie und Haarzellleukämie
Beide sind der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) sehr ähnliche
Erkrankungen, kommen jedoch wesentlich seltener vor.
Lymphoplasmazytisches
Lymphom
Das seltene lymphoplasmazytische Lymphom wird auch als
Waldenström-Makroglobulinämie oder Immunozytom bezeichnet.
Es ist vor allem durch eine abnormal erhöhte Menge an Immunglobulin
M (IgM) im Serum charakterisiert.
Plasmazellmyelom
Das Plasmazellmyelom, auch als Plasmazytom oder Multiples
Myelom bezeichnet, entsteht durch die abnormale Vermehrung der
Plasmazellen (reife, antikörperbildende B-Zellen). Diese infiltrieren
das Knochenmark, und führen häufig zum für diese
Erkrankung typischen Abbau der Knochensubstanz.
Marginalzonen B-Zell Lymphome
Marginalzonen Lymphome werden in drei Gruppen unterteilt: das splenische
Marginalzonenlymphom befällt die Milz; das extranodale Marginalzonenlymphom
des mukosaassoziierten Gewebes (MALT-Lymphom) ist häufiger
und betrifft den Magen-Darm-Trakt. Es kann sich sekundär nach
Helicobacter-Infektion oder
chronischentzündlichen Erkrankungen bilden. Das
nodale Marginalzonenlymphom infiltriert nur die Lymphknoten.
Follikuläres Lymphom
Follikuläre Lymphome machen fast ein Drittel aller Neuerkrankungen
an Non-Hodgkin-Lymphomen aus. Sie treten besonders in den Lymphknoten
auf, können aber auch außerhalb von Lymphknoten vor
allem auf der Haut und im Dünndarm entstehen. Follikuläre
Lymphome werden nach ihrer Histologie (Verhältnis zwischen
kleinen und großen Tumorzellen [„Blasten“]) nochmals
in drei Grade unterteilt (Grading). Grad 1 und 2 zeichnen sich
durch einen relativ langsamen, für den Patienten scheinbar
nicht unmittelbar bedrohlichen Verlauf aus, während follikuläre
Lymphome vom Grad 3 eine aggressivere Verlaufsform darstellen.
Mantelzelllymphom
Diese machen ca. 5-10% der malignen Non-Hodgkin-Lymphome aus. Sie
wurden früher als zentrozytische Lymphome bezeichnet.
Mantelzelllymphome entstehen meist in den Lymphknoten, selten
auch im Darm, und haben einen meist rascheren klinischen
Verlauf als die bisher aufgezählten Lymphome.
Diffus großzelliges B-Zell
Lymphom
Diffus großzellige Lymphome stellen mit ca. 30% die größte
Gruppe der malignen Lymphome dar, sind heute aber zu etwa 50%
mit Chemo-Immuntherapie heilbar. Diffus großzellige
Lymphome können auch sekundär aus chronisch lymphatischer
Leukämie, follikulären Lymphomen oder Marginalzonenlymphomen
entstehen.
Burkitt Lymphom/Leukämie
Das Burkitt Lymphom wächst noch rascher als das diffus großzellige
Lymphom, hat also einen noch aggressiveren klinischen Verlauf.
Auch das Burkitt-Lymphom ist heilbar. Bei ausgeprägtem Knochenmarksbefall
spricht man von Burkitt-Leukämie.
Stadieneinteilung
Es ist wichtig zu wissen, in welchem Stadium sich die Erkrankung
befindet, d.h. wie sie sich im Körper ausgebreitet hat, damit
die am besten geeignete Behandlung gewählt werden kann.
Die Bestimmung des Stadiums eines Non-Hodgkin-Lymphoms beruht
darauf, wo sich im Körper das Lymphom befindet, wie viele
Gruppen von Lymphknoten befallen sind und ob es sich bereits in
andere Körperteile ausgebreitet hat. Dazu wird mit Hilfe von
Staging-Untersuchungen das Ausmaß der Erkrankung festgestellt.
Bei der einfachsten Form der Stadieneinteilung werden die Stadien
I und II oftmals als Frühstadium und die Stadien III und IV
als fortgeschrittenes Krankheitsstadium zusammengefasst:
• Stadium I – das Lymphom ist auf nur eine Gruppe von
Lymphknoten beschränkt
• Stadium II – zwei oder mehr Gruppen
von Lymphknoten sind betroffen, jedoch auf einer Seite des Zwerchfells,
d.h. entweder alle im Brustkorb oder alle im
Abdomen (Bauchraum)
• Stadium III – zwei oder mehrere Gruppen
von Lymphknoten sowohl im Brustkorb als auch im
Abdomen sind befallen
• Stadium IV – das Lymphom hat auf mindestens ein Organ
außerhalb der Lymphknoten übergegriffen (z.B. das Knochenmark,
die Leber oder die Lungen)
B- Symptomatik
Die Stadienangabe kann zusätzlich mit dem Buchstaben A oder
B ergänzt werden, je nachdem, ob
zumindest eines der drei folgenden Symptome zusätzlich vorliegt:
• Regelmäßig wiederkehrendes, unerklärbares
Fieber (mit Köpertemperaturen über 38 °C)
• Nachtschweiß
• Ungewollte Gewichtsabnahme von mehr als 10% des Körpergewichts
innerhalb von 6 Monaten
A-Symptomatik
Der Zusatz »A« bedeutet, dass keines dieser Symptome
vorliegt, während »B« bedeutet, dass mindestens
eines zu beobachten ist.
Untersuchungsmethoden zur Stadienbestimmung
Es gibt viele verschiedene Untersuchungen zur Bestimmung des Stadiums
eines Non-Hodgkin-Lymphoms, doch nicht bei jedem Patienten sind
alle diese Untersuchungen erforderlich.
Folgende Untersuchungen können durchgeführt werden:
– Knochenmarksbiopsie
– Röntgenaufnahmen (
zum Beispiel des Brustkorbs oder des Abdomens)
– CT-Untersuchungen (Computertomographie)
Bei einer CT-Untersuchung werden mit Röntgenstrahlen ähnliche
Aufnahmen wie bei der normalen Röntgenuntersuchung angefertigt.
Es werden jedoch mehrere Bilder von verschiedenen »Schichten« des
Körpers erzeugt, sodass letztendlich ein dreidimensionales
Bild entsteht. Wie eine Röntgenaufnahme kann es zeigen, ob
das Lymphom nur Lymphknoten oder auch andere Organe des Körpers
befallen hat.
– MRT-Untersuchung (Kernspintomogramm)
Bei einer Kernspintomographie wird, ähnlich wie bei einer
Computertomographie, ein Bild in verschiedenen „Schichten“ des
Körpers erstellt, es werden aber zur Bilderzeugung Magnetfelder
verwendet.
– PET- Untersuchung
Die PET oder Positronenemissionstomographie ist ein hochempfindliches
Verfahren, bei dem mit Röntgenstrahlen bestimmte Partikel
gemessen werden, die von Substanzen abgegeben werden, welche in
den Körper injiziert wurden. Mit diesem Verfahren können Ärzte »aktive«,
krankmachende Lymphomzellen von inaktiven Zellansammlungen
unterscheiden. Deshalb ist diese Technik nach der Behandlung eines
Non- Hodgkin-Lymphoms von Nutzen, um zu sehen, ob die Behandlung
erfolgreich war.
– Ultraschalluntersuchung
Die Ultraschalluntersuchung eignet sich vor allem zur Untersuchung
von Lymphknotenstationen im Bereich des Halses, der Achselhöhlen
und der Leistengegend.
– Lumbalpunktion
Eine Lumbalpunktion kann durch Untersuchung der das Rückenmark
umgebenden Flüssigkeit Auskunft darüber geben, ob das
NHL das Zentralnervensystem befallen hat.
Therapie
Behandlungsplanung
Oberstes Ziel der
Behandlung ist die Krankheit nach Möglichkeit
zu heilen oder aber zumindest ein möglichst langes Zurückdrängen
der Krankheit (= Remission) sowie weitestgehende Symptom- und Beschwerdefreiheit
zu erreichen, damit Patienten ein nahezu normales Leben führen
können.
Die für NHL-Patienten gewählte Behandlung ist spezifisch
auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt und hängt
von einer Reihe von Faktoren ab, etwa vom Auftreten von Symptomen,
von der Art und vom Stadium der Erkrankung sowie vom Allgemeinzustand
des Patienten.
Wenn eine Behandlung erforderlich ist, bewirkt diese in der Regel,
dass das Lymphom schrumpft und oft sogar ganz verschwindet.
Kommt es zu einem Rückfall (Rezidiv) ist eine weitere Behandlung
notwendig (z.B. Chemotherapie, Stammzelltransplantation). Wenn
weder eine Heilung noch ein Zurückdrängen der Erkrankung
möglich sind, zielt die Behandlung darauf ab, die Symptome
zu lindern.
Einige Patienten können die Teilnahme an einer klinischen
Studie in Betracht ziehen, um zur Prüfung einer neuen Behandlung
oder Kombinationsbehandlung beizutragen.
Chemotherapie
Sie ist eine Behandlung mit Medikamenten (Zytostatika), welche
die Lymphomzellen zerstören. Dabei kann ein einziges Medikament
oder eine Kombination von Medikamenten eingesetzt werden. Die
Behandlung erfolgt in Zyklen über mehre Monate hinweg, wobei
zwischen den Behandlungszyklen Pausen vorgesehen sind (z.B. 1 Woche
Chemotherapie gefolgt von 3 Wochen Pause, dann wieder 1 Woche Therapie
usw.). Die Gesamtdauer einer Chemotherapie umfasst normalerweise
mehrere Monate.
Monoklonale Antikörper
sind eine relativ neue Klasse von Medikamenten, und ihre Entwicklung
stellt einen der größten Fortschritte in der Behandlung
der Non-Hodgkin-Lymphome in den letzten Jahren dar. Die Therapie
wird meist in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt, weil
es ihre Wirkung verstärkt. Sie wird unter bestimmten Umständen
aber auch allein verabreicht (z. B. zur Behandlung eines Rezidivs
oder im Rahmen einer Erhaltungstherapie) und wirkt bei den
meisten Arten von NHL.
Therapie mit monoklonalen Antikörper
Für Patienten, denen es nach erfolgreicher Behandlung ihres
Non-Hodgkin-Lymphoms gut geht, das heißt, Patienten mit kompletter
oder partieller Remission, oder, in Einzelfällen, mit
stabiler Erkrankung ohne Zeichen eines Krebswachstums, ist eine
Erhaltungstherapie eine Behandlungsoption. Dabei wird die Antikörpertherapie
in konstanten Intervallen über einen längeren Zeitraum
fortgesetzt, um die Remission zu erhalten.
Hervorzuheben ist, dass etwaige Nebenwirkungen dieser Therapie
am ehesten bei der erstmaligen Verabreichung auftreten, mit den
Folgetherapien aber abnehmen. Länger als einige Minuten oder
Stunden anhaltende Nebenwirkungen sind selten und meist ohne klinische
Bedeutung.
Wirkungsweise
Im Gegensatz zur Chemotherapie und Radiotherapie, die weniger spezifisch
wirken, soll die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern
gezielt die Non-Hodgkin-Lymphom-Zellen zerstören und andere
Arten von Zellen unversehrt lassen. Alle Zellen tragen Proteinmarker
auf ihrer Oberfläche, so genannte Antigene. Monoklonale
Antikörper werden im Labor so präpariert, dass sie
bestimmte Proteinmarker auf der Oberfläche einiger Krebszellen
spezifisch erkennen. Der monoklonale Antikörper heftet sich
an dieses Zielprotein (»target«). Dies veranlasst
entweder die Zelle, sich selbst zu zerstören oder signalisiert
dem Immunsystem des Körpers, dass es die Krebszelle angreifen
und abtöten soll. Derartige Therapieansätze werden
auch als »targeted therapies« bezeichnet.
Verabreichung
Vor der Gabe der Tropfinfusion werden andere Medikamente zur Verhinderung
einiger möglicher Nebenwirkungen des monoklonalen Antiköpers
gegeben – zum Beispiel Paracetamol gegen Fieber und Antihistamine
zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit einer allergischen Reaktion.
Nebenwirkungen
Wie bereits erwähnt, sind die Nebenwirkungen von
monoklonalen Antikörpern normalerweise gering, treten wenn,
dann vor allem bei der Erstverabreichung auf und lassen sich in
den Griff bekommen.
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Fieber, Schüttelfrost
und andere grippeähnliche Symptome wie etwa Muskelschmerzen,
Kopfschmerzen und Müdigkeit. Diese klingen normalerweise rasch
wieder ab, sobald die Behandlungssitzung zu Ende ist. Bisweilen
verspüren die Patienten eine plötzliche Röte und
ein Wärmegefühl im Gesicht. Doch auch dieses Gefühl
ist meist nur sehr kurz.
Bei einigen Patienten kommt es zu Übelkeit oder Erbrechen.
Präparate gegen Erbrechen (Antiemetika) können
diese Symptome meist verhindern oder erträglicher machen.
Eventuell können auch allergische Reaktionen auftreten, Symptome
dafür
können sein:
• Juckreiz oder plötzliches Auftreten eines Hautausschlags
• Husten, pfeifendes Atmen oder Atemnot
• Geschwollene Zunge oder Gefühl einer Schwellung im
Rachen
• Ödem oder Schwellung durch überschüssige
Flüssigkeit in den Körpergeweben
Stammzelltransplantation
Einigen Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom wird eine Stammzelltransplantation
angeboten. Stammzellen sind die unreifen Blutzellen, die im Knochenmark
gebildet werden. Sie entwickeln sich zu ausgereiften Blutzellen – roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen
oder Blutplättchen.
Diese Art der Therapie erfordert im Zuge der Durchführung
auch den Einsatz hoch dosierter Chemotherapie (bisweilen in
Kombination mit Radiotherapie), um das erkrankte Knochenmark zu
zerstören. Dieses wird im Anschluss daran durch eigene oder
fremde Stammzellen ersetzt.
Die Stammzelltransplantation kommt besonders bei Patienten in
Frage, bei denen es leider zu einem Rückfall der Erkrankung
gekommen ist bzw. die auf die bisherige Therapie nicht ansprechen.
Unterscheidung
Bei der Stammzelltransplantation wird nach zwei Kriterien unterschieden.
Nach Herkunft der Stammzellen
• Knochenmarktransplatation
(KMT)
Bei der KMT wird das Knochenmark als Quelle der Stammzellen verwendet.
• Periphere Blutstammzelltransplatation (PBSCT)
Bei der PBSCT werden die Zellen aus dem zirkulierenden Blut
gefiltert.
Nach Spender der Stammzellen
• Autologe Transplantation
Es werden die eigenen Stammzellen des Patienten, die vor einer
Hochdosis-Chemotherapie
entnommen wurden, dem
Patienten retransplantiert.
• Allogene Transplantation
Die Stammzellen stammen von einem anderen Menschen. Der Spender
kann ein naher Verwandter, idealerweise ein Zwilling, sein. Auch
ein Bruder oder eine Schwester kommen in Frage. Sogar eine nicht
verwandte Person, die jedoch ähnliche Gewebemerkmale aufweisen
muss, kann Knochenmark spenden.
Durchführung
Bei der peripheren Blutstammzelltransplantation wird vor der Entnahme
der zu transplantierenden Stammzellen, sei es bei einem Spender
oder beim Patienten selbst, vielfach zunächst deren vermehrte
Bildung im Knochenmark und Ausschüttung ins Blut angeregt;
das heißt, die Stammzellen werden aus dem Knochenmark ins
Blut mobilisiert. Dies erreicht man durch die Injektion von so
genannten Wachstumsfaktoren wie z.B. G-CSF, die auch
auf natürliche Weise vom Körper selbst gebildet werden.
Patienten, deren eigene Stammzellen als Transplantat geeignet
sind, erhalten zudem oftmals vor der Gabe von Wachstumsfaktoren
einige Dosen von Chemotherapeutika oder Immuntherapeutika. Dies
verringert die Wahrscheinlichkeit, dass sich noch Lymphomzellen
im Knochenmark befinden. Die nach Erholung des Knochenmarks aus
dem Blut entnommenen Stammzellen werden dann eingefroren .
Die Gabe der Vorab-Chemotherapie entfällt natürlich
für den Spender bei der allogenen Transplantation, da dieser
ja nicht an einem Lymphom leidet. Die Entnahme wird erst dann vorgenommen,
wenn der Empfänger transplantationsbereit ist – somit
sind die Stammzellen frisch.
Zur Entnahme der Stammzellen für die Transplantation wird
Blut aus einer Armvene durch ein spezielles Gerät, einen so
genannten Zellseparator geleitet und anschließend rückinfundiert.
Bei der autologen wie auch der allogenen Knochenmarktransplantation
werden die Stammzellen direkt aus dem Knochenmark gewonnen.
Sowohl bei der PBSCT als auch bei der KMT wird dann, um den Körper
von restlichen Krebszellen zu befreien, der Patient einer Hochdosis-Chemotherapie
(mitunter kombiniert mit einer Radiotherapie) unterzogen. Dabei
wird das Knochenmark zerstört und das Immunsystem des
Körpers unterdrückt. Danach wird die Transplantation
durchgeführt, d.h. dem Empfänger werden die Transplantat-Stammzellen
injiziert/infundiert.
Die Behandlung selbst dauert einige Tage und wird im Krankenhaus
durchgeführt. Auch im Anschluss bleibt der Patient, da das
Infektionsrisiko in dieser Zeit sehr hoch ist, einige Wochen im
Krankenhaus und besondere Vorsichtsmaßnahmen, wie etwa die
Gabe von Antibiotika und spezielle Pflegemaßnahmen, werden
dabei getroffen.
Nebenwirkungen bei der allogenen Transplantation
Da die transplantierten Zellen, auch wenn die Gewebemerkmale des
Spenders noch so gut mit denen des Empfängers übereinstimmen,
nicht mit den patienteneigenen Zellen identisch sind, kann es
zu einer Immunreaktion kommen.
Das Immunsystem des Patienten kann die Spenderzellen „abstoßen” und
wie in den Körper eingedrungene Bakterien bekämpfen.
Es kann sogar zu einer Situation kommen, bei der die transplantierten
Immunzellen die körpereigenen Zellen des Patienten angreifen,
da diese vom Immunsystem des Spenders als „fremd” erkannt
werden. Unbehandelt kann diese Reaktion zu Durchfall, Hautausschlägen
und Leberschädigungen führen, sehr schwer verlaufen oder
gar lebensbedrohlich werden.
Beobachtendes Abwarten (Watch and Wait)
Solange es dem Patienten gut geht, keine rasch zunehmenden Lymphknotenschwellungen
auftreten und keine Anzeichen dafür vorliegen, dass das Lymphom
die Funktion eines wichtigen Organs beeinträchtigt, kann die
Strategie des beobachtenden Abwartens verfolgt werden (»Watch
and Wait«). Dies kommt vor allem bei Patienten in Betracht,
bei denen eine vollständige Heilung leider nicht möglich
ist, durch die regelmäßigen Kontrollen soll aber der
richtige Zeitpunkt für eine optionale Behandlung bestimmt
werden.
Abgesehen von den Kontrolluntersuchungen sollten auch die Patienten
selbst auf mögliche Symptome des Lymphoms achten, vor allem
auf:
• Fieber (Temperatur über 38°C)
• Nachtschweiß
• Unerklärbarer Gewichtsverlust von 10% des Körpergewichts
oder mehr über 6 Monate
Wenn diese Symptome auftreten, kann dies bedeuten, dass umgehend
eine aktive Behandlung eingeleitet werden muss.
Weitere Therapieoptionen
Klinische Studien
Weil nicht alle Therapien bei allen Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom
wie gewünscht wirken oder gar zu einer Heilung führen,
geht die Suche nach neuen, besseren Therapien und besseren Möglichkeiten
der Kombination verfügbarer Behandlungen stets weiter.
Eine neue Behandlungsstrategie kann sich z.B. dadurch als besser
erweisen, weil sie stärker gegen das Lymphom wirkt oder weil
sie weniger oder nicht so schwere Nebenwirkungen verursacht – oder
beides gleichzeitig.
Diese Suche nach besseren Behandlungsmöglichkeiten vollzieht
sich bevorzugt im Rahmen von klinischen Studien. Wenn erste Forschungsergebnisse
und Experimente nahelegen, dass eine neue Behandlung besser als
die aktuelle Standardtherapie sein könnte, wird eine klinische
Studie durchgeführt, im besten Fall als Vergleich der neuen
Therapie mit der Standardtherapie.
Normalerweise erhält etwa die Hälfte der Patienten in
einer kontrollierten Studie die Standardbehandlung und die andere
Hälfte die neue Behandlung. Damit der Vergleich auch wirklich
objektiv ist, wird die Entscheidung darüber, welche Behandlung
jeder einzelne Patient in der Studie erhält, nach Zufallskriterien
ausgewählt (randomisiert), gewöhnlich durch einen Computer
und nicht vom behandelnden Arzt oder den Ärzten, die die Studie
durchführen.
Derartige Studien sind die einzige Möglichkeit, um wissenschaftlich
korrekt zu belegen, dass neue
Therapien gegen Krankheiten wie das Non-Hodgkin-Lymphom
wirksam und nützlich sind. Klinische Studien sind deshalb
sehr wichtig für die laufende Verbesserung der Behandlung
einer Krankheit, und zwar für Patienten heute und in der Zukunft.
|