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  Lymphome  
 

 

 
Broschüre Lymphome

In Österreich werden jährlich etwa 1.100 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom bzw. einem Morbus Hodgkin diagnostiziert. Die Diagnose konfrontiert den Betroffenen mit einem Krankheitsbild, von dem die meisten nur sehr vage Vorstellungen und Erwartungen haben. Gemeinsam mit der "Myelom- und Lymphomhilfe Österreich" hat die Krebshilfe daher die Broschüre "Lymphome" herausgegeben.

 
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Das lymphatische System


Das Lymphsystem ist ein Teil des Immunsystems unseres Körpers, das eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Infektionen sowie anderen Erkrankungen (auch Krebs) spielt.

Wie das Blutgefäßsystem ist auch das lymphatische System ein Kreislaufsystem, das allerdings kein Blut, sondern eine Flüssigkeit, die als Lymphe bezeichnet wird, enthält.Aufgabe dieses Systems sind der Transport von Substanzen wie Proteinen, Nährstoffen, Abfallprodukten und auch Zellen (Lymphozyten) durch den Körper.

Das lymphatische System umfasst:
• Lymphozyten
• Lymphgefäße („Lymphbahnen“)
• Lymphknoten („Lymphdrüsen“)
• Lymphatische Organe wie Milz und Thymus

Lymphozyten
Die Lymphozyten, eine Art von weißen Blutkörperchen, können in zwei verschiedene Haupttypen eingeteilt werden: B-Lymphozyten und T-Lympho­zyten.

Sie entwickeln sich, wie alle anderen Arten von Blutzellen, im Knochenmark und entstehen aus unreifen Zellen, so genannten Stammzellen. In der frühen Kindheit wandern einige Lymphozyten in den Thymus, wo sie zu T- Zellen heranreifen. Andere bleiben im Knochenmark und reifen dort zu B- Zellen heran. Sowohl T- Zellen als auch B- Zellen spielen eine wichtige Rolle bei der Erkennung und Bekämpfung von Krankheits­erregern.

Lymhphknoten („Lymphdrüsen“)
Die Lymphknoten enthalten eine große Anzahl an Lymphozyten, die ihrerseits als Filter entlang der Lymphbahnen wirken und infektiöse Organismen wie Bakterien oder Pilze aus der Lymphe abfangen. Die Knoten sind häufig in Gruppen angeordnet; große Gruppen findet man zum Beispiel in den Achselhöhlen, am Hals und in der Leisten­gegend.

Vom Aufbau des Lymphsystems her ist es verständlich, dass es sich bei Erkrankungen des Lymphsystems bzw. Lymphomen immer um systemische Krankheiten handeln muss. Das sind Krankheiten, die den gesamten Körper betreffen, auch wenn nur die Lymphknoten einer Körperregion geschwollen sind.

Lymphome

Lymphom im weitesten Sinn bedeutet zunächst nur eine Vergrößerung eines oder mehrerer Lymphknoten. Diese Vergrößerung kann auf Infektionen oder aber auf bösartige Prozesse in den Lymphknoten hinweisen. Diese Prozesse betreffen vornehmlich bestimmte weiße Blutkörperchen, genauer gesagt die Lymphozyten. Diese spielen bei der Abwehr und Bekämpfung von Infektionen und Krankheiten eine wichtige Rolle.

Geraten die körpereigenen Regulationsmechanismen der Lymphozyten außer Kontrolle, d.h. wachsen und vermehren sich die Lymphozyten unkontrolliert bzw. sterben sie nicht zu der Zeit oder in der Form ab wie beim Gesunden, führt dies ebenfalls zu einer Lymphknotenschwellung, zum Beispiel im Halsbereich oder unter den Achseln. Solche Ansammlungen krankhaft veränderter Lympho­zyten werden dann als Lymphome im engeren Sinn bezeichnet.

Eine in der Praxis wichtige Unterscheidung für Lymphome teilt diese in zwei große Gruppen:

Hodgkin-Lymphome
Diese wurden 1832 vom englischen Arzt Thomas Hodgkin entdeckt und beschrieben. Sie zeichnen sich durch das Auftreten charakteristischer Riesenzellen, der sogenannten Reed-Sternberg Zellen, aus.

Non Hodgkin-Lymphome
Alle anderen Lymphome, bei denen die obengenannten, charakteristischen Zellen nicht auftreten, werden als Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome zusammengefasst. Dieser Begriff ist nach den neuesten Klassifikationskriterien der Er­krank­ung (siehe WHO- Klassi­­fikation Seite 14ff) eigentlich nur ein Überbegriff für alle nicht unter den oben genannten Begriff fallende Lymphomerkrank­ungen, der in der Praxis allerdings nach wie vor häufig verwendet wird.

B-Zell und T-Zell-Lymphome
Von der Art der betroffenen Lymphozyten kann auch eine Einteilung in B-Zell- und T-Zell-Lymphome erfolgen. B- und T-Lymphozyten unterscheiden sich in der Art ihrer Aufgaben, wobei die einen vornehmlich Antikörper produzieren, während die anderen vornehmlich regulatorisch im Immunsystem oder direkt zielzellwirksam (Killer-T-Zellen) sind.

Weil die Mehrzahl der Lymphom­erkrankungen B-Zellen betrifft,
die Häufigkeit der NHL die der Hodgkin-Lymhome bei weitem übersteigt und diese sich auch in der Behandlung der Krankheit
untereinander stark unterscheiden, wird des weiteren vornehmlich auf die Gruppe der B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome eingegangen.

Auftreten und Häufigkeit von NHL

Die Ursachen, an NHL zu erkranken, sind nicht bekannt, allerdings gibt es gewisse Risiken, wie bestehende HIV- oder bestimmte andere Virusinfektionen, die das Auftreten von NHL begünstigen.

Bei besonderen Lymphomarten, z.B. den MALT-Lymphomen des Magens besteht offensichtlich auch ein Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori.

Wer erkrankt an Non-Hodgkin-Lymphomen?

• Das NHL kann bei Menschen aller Altersstufen auftreten, kommt aber häufiger bei älteren Menschen vor (Durchschnittsalter bei der Diagnose: 65 Jahre).

• Zwar kann die Krankheit bei beiden Geschlechtern auftreten, doch ist die Wahrscheinlichkeit bei Männern höher.

Symptome

Oft treten bei NHL zu Beginn keine spezifischen Symptome auf (was die Erstdiagnose schwierig macht) und es wird »zufällig« bei einer, wegen anderer Beschwerden vorgenommenen, ärztlichen oder sonstigen Untersuchung entdeckt.

Das häufigste Symptom bei NHL ist eine schmerzlose, bestehen bleibende oder stetig wachsende Lymphknotenschwellung, meist im Hals-, Achsel- oder Leistenbereich (nicht jede Lymphknotenschwellung muß jedoch automatisch ein Lymphom sein, in den meisten Fällen handelt es sich um eine allgemeine Infektion).

Deshalb ist besonders auf das begleitende Auftreten anderer, charakteristischer Symptome zu achten. Dazu zählen vor allem Nachtschweiß, regelmäßig wieder­kehrendes Fieber und unerklärlicher Gewichtsverlust (mehr als 10% in 6 Monaten), extreme Müdigkeit, Atemnot oder Husten sowie hartnäckiger, am ganzen Körper auftretender Juckreiz.

Bei näherer Untersuchung können Veränderungen des Blutbildes wie Anämie (Verringerung der Zahl roter Blutzellen), Verringerung der
Anzahl weißer Blutkörperchen mit erhöhter Infektanfälligkeit oder eine verringerte Anzahl von Blutplättchen mit einer Häufung von Blutergüssen bzw. erhöhte Blutungs­neigung ein Hinweis darauf sein, dass das Lymphom das Zentrum der Blutbildung, das Knochenmark, befallen hat.

Da keines der Symptome mit absoluter Sicherheit auf ein vorhandenes NHL hinweist, werden Patienten mit Verdacht auf ein Non-Hodgkin-Lymphom im Allgemeinen an ein Spezialistenteam in einem Krankenhaus über­wiesen oder an ein Kompetenzzentrum.

Diagnose

Eine Erstdiagnose erfolgt normalerweise auf Grundlage einer Biopsie (Gewebeprobe), bei der Proben aus dem vergrößerten Lymphknoten entnommen werden. Dazu werden die Patienten vorab ausführlich aufgeklärt und sie erhalten alle notwendigen Informationen, ehe die Biopsie durchgeführt wird.

Die Probenentnahme selbst ist meist nur ein kleiner chirurgischer Eingriff und kann häufig ambulant durchgeführt werden, das heißt, der Patient braucht nicht über Nacht im Krankenhaus zu bleiben.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung stehen zur Gänze allerdings nicht sofort, sondern meist innerhalb von ein bis zwei Wochen nach dem Eingriff zur Verfügung. Je nachdem, wo sich das Lymphom befindet, kann es auch notwendig sein, zusätzlich zur Probe aus einem Lymphknoten auch aus anderen Geweben eine Probe zu entnehmen, in vielen Fällen z.B. aus dem Knochenmark (= Knochenmarksbiopsie).

Auch werden im Zuge der Diagnosestellung verschiedene Blutuntersuchungen vorgenommen, um den allgemeinen Gesundheitszustand und weitere Hinweise auf das Vorhandensein eines Lymphoms abzuklären.

Klassifikation

Zur Zuordnung des NHL unter einen bestimmten Typus existierten lange Zeit nebeneinander mehrere, unabhängig voneinander entwickelte Klassifikationssysteme, zur Vereinheitlichung wurde im Jahr 1995 ein internationales Kommitee aus Pathologen und Hämatologen/Onkologen gegründet, welches eine neue, weltweit akzeptierte und verwendete Klassifikation entwickelte, die WHO-Klassifikation. In dieser werden die einzelnen Erkrankungen nach morphologischen, immunologischen und genetischen Eigenschaften und nach ihrer klinischen Präsentation definiert.

Die früher übliche Unterteilung in niedrigmaligne und hochmaligne Lymphome wurde für die WHO-Klassifikation verlassen, da sie teilweise irreführend ist. Trotzdem oder gerade deshalb ist die Klassifikation aufgrund historisch gewachsener Einteilungen und Begriffe immer noch ein Punkt, der zur Verwirrung führen kann, weil zum Teil für ein und dieselbe Erkrankung verschiedene Bezeichnungen verwendet werden.

WHO-Klassifikation maligner B-Zell Non-Hodgkin-Lymphome

Vorläufer B-Zell Lymphome
• Vorläufer B-lymphoblastisches Lymphom/Leukämie (= Vorläufer B-Zell ALL [Akute Lymphoblastische Leukämie])

Reife B-Zell Lymphome
• B-Zell CLL (chronisch lymphatische Leukämie) / SLL (kleinlymphozytisches Lymphom)
• B-Zell prolymphozytische Leukämie
• Haarzellleukämie
• Lymphoplasmazytisches Lymphom (= Morbus Waldenström; Immunozytom)
• Plasmazellmyelom / Plasmazytom / Multiples Myelom
• Splenisches Marginalzonenlymphom
• Extranodales Marginalzonenlymphom des mukosaassoziierten Gewebes (MALT-Lymphom)
• Nodales Marginalzonenlymphom
• Follikuläres Lymphom
• Mantelzelllymphom
• Diffus großzelliges B-Zell Lymphom
• Burkitt Lymphom / Burkitt Leukämie

Vorläufer B-Zell Lymphome

Leiten sich von den frühesten Stadien der B-Zell Entwicklung im Knochenmark ab. Lymphoblastische Lymphome präsentieren sich als solide Tumormassen, bei lymphoblastischen Leukämien finden sich die Tumorzellen vermehrt im Knochenmark und ausge­schwemmt im Blut. Beide werden jedoch als verschiedene klinische Präsentationen der gleichen Erkrankung angesehen.

Reife B-Zell Lymphome

Diese entstehen aus verschiedenen reiferen Stadien der B-Zell-Entwicklung.

B-Zell CLL (chronisch lymphatische Leukämie) / SLL (kleinlymphozytisches Lymphom)
CLL und SLL sind ein und dieselbe Erkrankung, jedoch in verschiedenen Stadien bzw. klinischer Präsentation, wobei die CLL sich mit vermehrter Ausschwemmung der Tumorzellen ins Blut präsentiert. Die CLL ist eine meist sehr langsam fortschreitende Erkrankung, die vor allem ältere Patienten betrifft. Viele Patienten haben eine kaum verminderte Lebenserwartung, leiden jedoch aufgrund der Immunschwächung öfter an Infektionen.

Prolymphozytische B-Zell Leukämie und Haarzellleukämie
Beide sind der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) sehr ähnliche Erkrankungen, kommen jedoch wesentlich seltener vor.

Lymphoplasmazytisches Lymphom
Das seltene lymphoplasmazytische Lymphom wird auch als Waldenström-Makroglobulinämie oder Immunozytom bezeichnet. Es ist vor allem durch eine abnormal erhöhte Menge an Immunglobulin M (IgM) im Serum charakterisiert.

Plasmazellmyelom
Das Plasmazellmyelom, auch als Plasmazytom oder Multiples Myelom bezeichnet, entsteht durch die abnormale Vermehrung der Plasmazellen (reife, antikörperbildende B-Zellen). Diese infiltrieren das Knochenmark, und führen häufig zum für diese Erkrankung typischen Abbau der Knochensubstanz.

Marginalzonen B-Zell Lymphome
Marginalzonen Lymphome werden in drei Gruppen unterteilt: das splenische Marginalzonenlymphom befällt die Milz; das extranodale Marginalzonenlymphom des mukosaassoziierten Gewebes (MALT-Lymphom) ist häufiger und betrifft den Magen-Darm-Trakt. Es kann sich sekundär nach Helicobacter-Infektion oder chronisch­entzündlichen Erkrankungen bilden. Das nodale Marginalzonenlymphom infiltriert nur die Lymphknoten.

Follikuläres Lymphom
Follikuläre Lymphome machen fast ein Drittel aller Neuerkrankungen an Non-Hodgkin-Lymphomen aus. Sie treten besonders in den Lymphknoten auf, können aber auch außerhalb von Lymphknoten vor allem auf der Haut und im Dünndarm entstehen. Follikuläre Lymphome werden nach ihrer Histologie (Verhältnis zwischen kleinen und großen Tumorzellen [„Blasten“]) nochmals in drei Grade unterteilt (Grading). Grad 1 und 2 zeichnen sich durch einen relativ langsamen, für den Patienten scheinbar nicht unmittelbar bedrohlichen Verlauf aus, während follikuläre Lymphome vom Grad 3 eine aggressivere Verlaufsform darstellen.

Mantelzelllymphom
Diese machen ca. 5-10% der malignen Non-Hodgkin-Lymphome aus. Sie wurden früher als zentrozytische Lymphome bez­eichnet. Mantelzelllymphome entstehen meist in den Lymphknoten, selten auch im Darm, und haben einen meist rascheren klin­ischen Verlauf als die bisher aufge­zählten Lymphome.

Diffus großzelliges B-Zell Lymphom
Diffus großzellige Lymphome stellen mit ca. 30% die größte Gruppe der malignen Lymphome dar, sind heute aber zu etwa 50% mit Chemo-Immuntherapie heilbar. Diffus großzellige Lymphome können auch sekundär aus chronisch lymphatischer Leukämie, follikulären Lymphomen oder Marginalzonenlymphomen entstehen.

Burkitt Lymphom/Leukämie
Das Burkitt Lymphom wächst noch rascher als das diffus großzellige Lymphom, hat also einen noch aggressiveren klinischen Verlauf. Auch das Burkitt-Lymphom ist heilbar. Bei ausgeprägtem Knochenmarksbefall spricht man von Burkitt-Leukämie.

Stadieneinteilung

Es ist wichtig zu wissen, in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet, d.h. wie sie sich im Körper ausgebreitet hat, damit die am besten geeignete Behandlung gewählt werden kann.

Die Bestimmung des Stadiums eines Non-Hodgkin-Lymphoms beruht darauf, wo sich im Körper das Lymphom befindet, wie viele Gruppen von Lymphknoten befallen sind und ob es sich bereits in andere Körperteile ausgebreitet hat. Dazu wird mit Hilfe von Staging-Untersuchungen das Ausmaß der Erkrankung festgestellt.

Bei der einfachsten Form der Stadieneinteilung werden die Stadien I und II oftmals als Frühstadium und die Stadien III und IV als fortgeschrittenes Krankheitsstadium zusammengefasst:

• Stadium I – das Lymphom ist auf nur eine Gruppe von Lymphknoten beschränkt
• Stadium II – zwei oder mehr Gruppen von Lymphknoten sind betroffen, jedoch auf einer Seite des Zwerchfells, d.h. entweder alle im Brustkorb oder alle im Abdomen (Bauchraum)
• Stadium III – zwei oder mehrere Gruppen von Lymphknoten sowohl im Brustkorb als auch im Abdomen sind befallen
• Stadium IV – das Lymphom hat auf mindestens ein Organ außerhalb der Lymphknoten übergegriffen (z.B. das Knochenmark, die Leber oder die Lungen)

B- Symptomatik
Die Stadienangabe kann zusätzlich mit dem Buchstaben A oder B ergänzt werden, je nachdem, ob zumindest eines der drei folgenden Symptome zusätzlich vorliegt:

• Regelmäßig wiederkehrendes, unerklärbares Fieber (mit Köpertemperaturen über 38 °C)
• Nachtschweiß
• Ungewollte Gewichtsabnahme von mehr als 10% des Körper­gewichts innerhalb von 6 Monaten

A-Symptomatik
Der Zusatz »A« bedeutet, dass keines dieser Symptome vorliegt, während »B« bedeutet, dass mindestens eines zu beobachten ist.

Untersuchungsmethoden zur Stadienbestimmung

Es gibt viele verschiedene Untersuchungen zur Bestimmung des Stadiums eines Non-Hodgkin-Lymphoms, doch nicht bei jedem Patienten sind alle diese Untersuchungen erforderlich.

Folgende Untersuchungen können durchgeführt werden:

Knochenmarksbiopsie
Röntgenaufnahmen ( zum Beispiel des Brustkorbs oder des Abdomens)
CT-Untersuchungen (Computertomographie)
Bei einer CT-Untersuchung werden mit Röntgenstrahlen ähnliche Aufnahmen wie bei der normalen Röntgenuntersuchung angefertigt. Es werden jedoch mehrere Bilder von verschiedenen »Schichten« des Körpers erzeugt, sodass letztendlich ein dreidimensionales Bild entsteht. Wie eine Röntgenaufnahme kann es zeigen, ob das Lymphom nur Lymphknoten oder auch andere Organe des Körpers befallen hat.
MRT-Untersuchung (Kernspintomogramm)
Bei einer Kernspintomographie wird, ähnlich wie bei einer Computertomographie, ein Bild in ver­­schiedenen „Schichten“ des Körpers erstellt, es werden aber zur Bilderzeugung Magnetfelder verwendet.
PET- Untersuchung
Die PET oder Positronenemissionstomographie ist ein hochempfindliches Verfahren, bei dem mit Röntgenstrahlen bestimmte Partikel gemessen werden, die von Substanzen abgegeben werden, welche in den Körper injiziert wurden. Mit diesem Verfahren können Ärzte »aktive«, krankmachende Lymphomzellen von inaktiven Zellansammlungen unterscheiden. Deshalb ist diese Technik nach der Behandlung eines Non- Hodgkin-Lymphoms von Nutzen, um zu sehen, ob die Behandlung erfolgreich war.
Ultraschalluntersuchung
Die Ultraschalluntersuchung eignet sich vor allem zur Untersuchung von Lymphknotenstationen im Bereich des Halses, der Achselhöhlen und der Leistengegend.
Lumbalpunktion
Eine Lumbalpunktion kann durch Untersuchung der das Rückenmark umgebenden Flüssigkeit Auskunft darüber geben, ob das NHL das Zentralnervensystem befallen hat.

Therapie

Behandlungsplanung

Oberstes Ziel der Behandlung ist die Krankheit nach Möglichkeit zu heilen oder aber zumindest ein möglichst langes Zurückdrängen der Krankheit (= Remission) sowie weitestgehende Symptom- und Beschwerdefreiheit zu erreichen, damit Patienten ein nahezu normales Leben führen können.

Die für NHL-Patienten gewählte Behandlung ist spezifisch auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt und hängt von einer Reihe von Faktoren ab, etwa vom Auftreten von Symptomen, von der Art und vom Stadium der Erkrankung sowie vom Allgemeinzustand des Patienten.

Wenn eine Behandlung erforderlich ist, bewirkt diese in der Regel, dass das Lymphom schrumpft und oft sogar ganz verschwindet.

Kommt es zu einem Rückfall (Rezidiv) ist eine weitere Behandlung notwendig (z.B. Chemotherapie, Stammzelltransplantation). Wenn weder eine Heilung noch ein Zurückdrängen der Erkrankung möglich sind, zielt die Behandlung darauf ab, die Symptome zu lindern.
Einige Patienten können die Teilnahme an einer klinischen Studie in Betracht ziehen, um zur Prüfung einer neuen Behandlung oder Kombinationsbehandlung beizutragen.

Chemotherapie

Sie ist eine Behandlung mit Medikamenten (Zytostatika), welche die Lymphomzellen zerstören. Dabei kann ein einziges Medikament oder eine Kombination von Medikamenten eingesetzt werden. Die
Behandlung erfolgt in Zyklen über mehre Monate hinweg, wobei zwischen den Behandlungszyklen Pausen vorgesehen sind (z.B. 1 Woche Chemotherapie gefolgt von 3 Wochen Pause, dann wieder 1 Woche Therapie usw.). Die Gesamtdauer einer Chemotherapie umfasst normalerweise mehrere Monate.

Monoklonale Antikörper

sind eine relativ neue Klasse von Medikamenten, und ihre Entwicklung stellt einen der größten Fortschritte in der Behandlung der Non-Hodgkin-Lymphome in den letzten Jahren dar. Die Therapie wird meist in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt, weil es ihre Wirkung verstärkt. Sie wird unter bestimmten Umständen aber auch allein verabreicht (z. B. zur Behandlung eines Rezidivs oder im Rahmen einer Erhaltungs­therapie) und wirkt bei den meisten Arten von NHL.

Therapie mit monoklonalen Antikörper

Für Patienten, denen es nach erfolgreicher Behandlung ihres Non-Hodgkin-Lymphoms gut geht, das heißt, Patienten mit kompletter oder partieller Remission, oder, in Einzel­fällen, mit stabiler Erkrankung ohne Zeichen eines Krebswachstums, ist eine Erhaltungstherapie eine Behandlungsoption. Dabei wird die Antikörpertherapie in konstanten Intervallen über einen längeren Zeitraum fortgesetzt, um die Remission zu erhalten.

Hervorzuheben ist, dass etwaige Nebenwirkungen dieser Therapie am ehesten bei der erstmaligen Verabreichung auftreten, mit den Folgetherapien aber abnehmen. Länger als einige Minuten oder Stunden anhaltende Nebenwirkungen sind selten und meist ohne klinische Bedeutung.

Wirkungsweise
Im Gegensatz zur Chemotherapie und Radiotherapie, die weniger spezifisch wirken, soll die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern gezielt die Non-Hodgkin-Lymphom-Zellen zerstören und andere Arten von Zellen unversehrt lassen. Alle Zellen tragen Proteinmarker auf ihrer Oberfläche, so genannte Antigene. Monoklonale Antikörper werden im Labor so präpariert, dass sie bestimmte Proteinmarker auf der Oberfläche einiger Krebszellen spezifisch erkennen. Der monoklonale Antikörper heftet sich an dieses Zielprotein (»target«). Dies veranlasst entweder die Zelle, sich selbst zu zerstören oder signalisiert dem Immunsystem des Körpers, dass es die Krebszelle angreifen und abtöten soll. Derartige Therapieansätze werden auch als »targeted therapies« bezeichnet.

Verabreichung
Vor der Gabe der Tropfinfusion werden andere Medikamente zur Verhinderung einiger möglicher Nebenwirkungen des monoklo­nalen Antiköpers gegeben – zum Beispiel Paracetamol gegen Fieber und Antihistamine zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit einer allergischen Reaktion.

Nebenwirkungen
Wie bereits erwähnt, sind die Nebenwirkungen von monoklonalen Antikörpern normalerweise gering, treten wenn, dann vor allem bei der Erstverabreichung auf und lassen sich in den Griff bekommen.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Fieber, Schüttelfrost und andere grippeähnliche Symptome wie etwa Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Diese klingen normalerweise rasch wieder ab, sobald die Behandlungssitzung zu Ende ist. Bisweilen verspüren die Patienten eine plötzliche Röte und ein Wärmegefühl im Gesicht. Doch auch dieses Gefühl ist meist nur sehr kurz.

Bei einigen Patienten kommt es zu Übelkeit oder Erbrechen. Präparate gegen Erbrechen (Antiemetika) können diese Symptome meist verhindern oder erträglicher machen. Eventuell können auch allergische Reaktionen auftreten, Symptome dafür können sein:
• Juckreiz oder plötzliches Auftreten eines Hautausschlags
• Husten, pfeifendes Atmen oder Atemnot
• Geschwollene Zunge oder Gefühl einer Schwellung im Rachen
• Ödem oder Schwellung durch überschüssige Flüssigkeit in den Körpergeweben

Stammzelltransplantation

Einigen Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom wird eine Stammzelltransplantation angeboten. Stammzellen sind die unreifen Blutzellen, die im Knochenmark gebildet werden. Sie entwickeln sich zu ausgereiften Blutzellen – roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen oder Blutplättchen.

Diese Art der Therapie erfordert im Zuge der Durchführung auch den Einsatz hoch dosierter Chemotherapie (bisweilen in Kombination mit Radiotherapie), um das erkrankte Knochenmark zu zerstören. Dieses wird im Anschluss daran durch eigene oder fremde Stammzellen ersetzt.

Die Stammzelltransplantation kommt besonders bei Patienten in Frage, bei denen es leider zu einem Rückfall der Erkrankung gekommen ist bzw. die auf die bisherige Therapie nicht ansprechen.

Unterscheidung
Bei der Stammzelltransplantation wird nach zwei Kriterien unterschieden.

Nach Herkunft der Stammzellen
• Knochenmarktransplatation (KMT)
Bei der KMT wird das Knochenmark als Quelle der Stammzellen verwendet.
• Periphere Blutstammzelltransplatation (PBSCT)
Bei der PBSCT werden die Zellen aus dem zirkulierenden Blut
gefiltert.

Nach Spender der Stammzellen
• Autologe Transplantation
Es werden die eigenen Stammzellen des Patienten, die vor einer Hochdosis-Chemotherapie entnommen wurden, dem Patienten retransplantiert.
• Allogene Transplantation
Die Stammzellen stammen von einem anderen Menschen. Der Spender kann ein naher Verwandter, idealerweise ein Zwilling, sein. Auch ein Bruder oder eine Schwester kommen in Frage. Sogar eine nicht verwandte Person, die jedoch ähnliche Gewebemerkmale aufweisen muss, kann Knochenmark spenden.

Durchführung
Bei der peripheren Blutstammzelltransplantation wird vor der Entnahme der zu transplantierenden Stammzellen, sei es bei einem Spender oder beim Patienten selbst, vielfach zunächst deren vermehrte Bildung im Knochenmark und Ausschüttung ins Blut angeregt; das heißt, die Stammzellen werden aus dem Knochenmark ins Blut mobilisiert. Dies erreicht man durch die Injektion von so genannten Wachstumsfaktoren wie z.B. G-CSF, die auch auf natürliche Weise vom Körper selbst gebildet werden.

Patienten, deren eigene Stammzellen als Transplantat geeignet sind, erhalten zudem oftmals vor der Gabe von Wachstumsfaktoren einige Dosen von Chemotherapeutika oder Immuntherapeutika. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit, dass sich noch Lymphomzellen im Knochenmark befinden. Die nach Erholung des Knochenmarks aus dem Blut entnommenen Stammzellen werden dann eingefroren .

Die Gabe der Vorab-Chemotherapie entfällt natürlich für den Spender bei der allogenen Transplantation, da dieser ja nicht an einem Lymphom leidet. Die Entnahme wird erst dann vorgenommen, wenn der Empfänger transplantationsbereit ist – somit sind die Stammzellen frisch.

Zur Entnahme der Stammzellen für die Transplantation wird Blut aus einer Armvene durch ein spezielles Gerät, einen so genannten Zellseparator geleitet und anschließend rückinfundiert.

Bei der autologen wie auch der allogenen Knochenmarktransplantation werden die Stammzellen direkt aus dem Knochenmark gewonnen.

Sowohl bei der PBSCT als auch bei der KMT wird dann, um den Körper von restlichen Krebszellen zu befreien, der Patient einer Hochdosis-Chemotherapie (mitunter kombiniert mit einer Radiotherapie) unterzogen. Dabei wird das Knochenmark zerstört und das Immunsystem des Körpers unterdrückt. Danach wird die Transplantation durchgeführt, d.h. dem Empfänger werden die Transplantat-Stammzellen injiziert/infundiert.

Die Behandlung selbst dauert einige Tage und wird im Krankenhaus durchgeführt. Auch im Anschluss bleibt der Patient, da das Infektionsrisiko in dieser Zeit sehr hoch ist, einige Wochen im Krankenhaus und besondere Vorsichtsmaßnahmen, wie etwa die Gabe von Antibiotika und spezielle Pflegemaßnahmen, werden dabei getroffen.

Nebenwirkungen bei der allogenen Transplantation
Da die transplantierten Zellen, auch wenn die Gewebemerkmale des Spenders noch so gut mit denen des Empfängers übereinstimmen, nicht mit den patienteneigenen Zellen identisch sind, kann es zu einer Immunreaktion kommen.

Das Immunsystem des Patienten kann die Spenderzellen „abstoßen” und wie in den Körper eingedrungene Bakterien bekämpfen. Es kann sogar zu einer Situation kommen, bei der die transplantierten Immunzellen die körpereigenen Zellen des Patienten angreifen, da diese vom Immunsystem des Spenders als „fremd” erkannt werden. Unbehandelt kann diese Reaktion zu Durchfall, Hautausschlägen und Leberschädigungen führen, sehr schwer verlaufen oder gar lebensbedrohlich werden.

Beobachtendes Abwarten (Watch and Wait)

Solange es dem Patienten gut geht, keine rasch zunehmenden Lymphknotenschwellungen auftreten und keine Anzeichen dafür vorliegen, dass das Lymphom die Funktion eines wichtigen Organs beeinträchtigt, kann die Strategie des beobachtenden Abwartens verfolgt werden (»Watch and Wait«). Dies kommt vor allem bei Patienten in Betracht, bei denen eine vollständige Heilung leider nicht möglich ist, durch die regelmäßigen Kontrollen soll aber der richtige Zeitpunkt für eine optionale Behandlung bestimmt werden.

Abgesehen von den Kontrolluntersuchungen sollten auch die Patienten selbst auf mögliche Symptome des Lymphoms achten, vor allem auf:

• Fieber (Temperatur über 38°C)
• Nachtschweiß
• Unerklärbarer Gewichtsverlust von 10% des Körpergewichts oder mehr über 6 Monate

Wenn diese Symptome auftreten, kann dies bedeuten, dass umgehend eine aktive Behandlung eingeleitet werden muss.

Weitere Therapieoptionen

Klinische Studien

Weil nicht alle Therapien bei allen Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom wie gewünscht wirken oder gar zu einer Heilung führen, geht die Suche nach neuen, besseren Therapien und besseren Möglichkeiten der Kombination verfügbarer Behandlungen stets weiter.

Eine neue Behandlungsstrategie kann sich z.B. dadurch als besser
erweisen, weil sie stärker gegen das Lymphom wirkt oder weil sie weniger oder nicht so schwere Nebenwirkungen verursacht – oder beides gleichzeitig.

Diese Suche nach besseren Behandlungsmöglichkeiten vollzieht sich bevorzugt im Rahmen von klinischen Studien. Wenn erste Forschungsergebnisse und Experimente nahelegen, dass eine neue Behandlung besser als die aktuelle Standardtherapie sein könnte, wird eine klinische Studie durchgeführt, im besten Fall als Vergleich der neuen Therapie mit der Standardtherapie.

Normalerweise erhält etwa die Hälfte der Patienten in einer kontrollierten Studie die Standardbehandlung und die andere Hälfte die neue Behandlung. Damit der Vergleich auch wirklich objektiv ist, wird die Entscheidung darüber, welche Behandlung jeder einzelne Patient in der Studie erhält, nach Zufallskriterien ausgewählt (randomisiert), gewöhnlich durch einen Computer und nicht vom behandelnden Arzt oder den Ärzten, die die Studie durchführen.

Derartige Studien sind die einzige Möglichkeit, um wissenschaftlich korrekt zu belegen, dass neue Therapien gegen Krankheiten wie das Non-Hodgkin-Lymphom wirksam und nützlich sind. Klinische Studien sind deshalb sehr wichtig für die laufende Verbesserung der Behandlung einer Krankheit, und zwar für Patienten heute und in der Zukunft.

 



 
 
 
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