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  Schilddrüsenkrebs  
     
 

Allgemeines:
Die Schilddüse ist ein schmetterlingsförmiges hormonproduzierendes Organ, das dicht unterhalb des Kehlkopfes, beiderseits neben der Luftröhre liegt. Nur bei Vergrößerung tritt diese hervor, wobei der Kropf ein typischer gutartiger Tumor ist. Die Schilddrüse besteht aus kleinen Läppchen, die von den Follikeln (Bläschen) gebildet werden. Das Schilddrüsenhormon wird von den Zellen der Follikel gebildet und dort gespeichert. Zwischen den Follikeln sind die sogenannten C-Zellen, die das kalziumregulierende Hormon Calcitonin bilden. Schilddrüsenhormone regeln das Stoffwechselgeschehen im Körper und sind an Eiweißaufbau und Wachstum beteiligt. Schilddrüsenkrebs zählt zu den seltenen Krebserkrankungen; die Häufigkeit liegt bei 3,1 (beim Mann) und 7,1 (bei der Frau), pro 100.000 Einwohnern in Österreich. 1998 erkrankten 336 Frauen und 124 Männer an Schilddrüsenkrebs. 1999 sind 59 Frauen und 30 Männer an dieser Krankheit verstorben.

Entstehung und Risiko:
Die follikulären und papillären Karzinome gehen von den Zellen der Schilddrüsenfollikel (Thyreozyten) aus und machen 80-90 % aller bösartigen Schilddrüsentumoren aus. Sie gehören zur Gruppe der differenzierten Karzinome, haben große Ähnlichkeit mit dem Ursprungsgewebe, und zeigen einen günstigen klinischen Verlauf. Beim follikulären Karzinom handelt es sich um einzelne Knoten. Das papilläre Karzinom, das 30 – 40-jährige betrifft, ist dadurch charakterisiert, dass mehrere Herde in einem oder beiden Schilddrüsenlappen und auch Lymphknotenmetastasen auftreten. Die undifferenzierten, anaplastischen Karzinome sind selten; haben aber aufgrund des aggressiven Wachstums eine ungünstige Prognose. 5 % der Schilddrüsenkarzinome sind medulläre Karzinome - sogenannte C-Zell-Karzinome. Diese haben ihren Ursprung in den C-Zellen, die in der Schilddrüse das Calcitonin - ein Hormon das für den Kalziumhaushalt wichtig ist – produzieren. Die Ursachen für die Entstehung von Schilddrüsenkarzinom sind noch ungeklärt. Als hohes Risiko für Schilddrüsenkrebs ist die Exposition gegenüber ionisierender Strahlung im Kindes- und Jugendlichenalter, seit mehr als 45 Jahren bekannt. Besonders hervorzuheben sind die Opfer der Atombombenabwürfe in Japan, bei denen das Risiko für Schilddrüsenkrebs um den Faktor 4 erhöht war. Ein weiteres Beispiel ist die hohe Inzidenz von Schilddrüsenkarzinomen in der Bevölkerung, die von dem Reaktorunfall von Tschernobyl betroffen waren. Bei 20 % der medullären Karzinome ist eine familiäre Häufung festzustellen. Es handelt sich dabei um das MEN II Syndrom (multiple endokrine Neoplasie) eine Erbkrankheit, die mit weiteren Neoplasien in anderen Drüsengeweben einhergeht und bevorzugt im jungen Erwachsenenalter auftritt. Gutartige Schilddrüsenerkrankungen - Jod-Mangelgebiete - sind auch mit einem gewissen Risiko für Schilddrüsenkarzinom verbunden. Hormonelle Faktoren werden ebenfalls diskutiert, da die Häufigkeit bei Frauen um den Faktor 2 größer ist als bei Männern.

Symptome:
Frühzeichen – Warnsignale des Organismus - der Erkrankung sind selten. Tastbare und/oder sichtbare Knoten im Halsbereich, die sich derb und hart anfühlen und rasch aufgetreten sind, können ein Hinweis sein. Die Lage de Schilddrüse zu anderen Organen (Kehlkopf, Luft und Speiseröhre) bestimmt die Symptome sowohl von gutartigen als auch bösartigen Schilddrüsenvergrößerungen. Druckgefühl im Halsbereich, Luftnot, Schluckbeschwerden und Heiserkeit sind häufige Symptome, die sofort zum Arzt führen sollten.

Diagnose:
Die Unterscheidung zwischen gutartig und bösartig ist besonders wichtig für die Therapie. Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und eine Tast-Untersuchung der Halsregion sind die ersten Schritte die der Arzt unternimmt. Neben den Routinelaboruntersuchungen wird auch der Blutspiegel der Schilddrüsenhormone bestimmt. Weiterführende Untersuchungen sind Ultraschall und Röntgen, Computer- und Magnetresonanztomographie der Schilddrüsen- und Halsregion. Diese Untersuchungen dienen der Beurteilung von Lage und Ausdehnungsgrad. Spezifischer ist die Radiojodszintigraphie bei der man schwach radioaktiv markiertes Jod in die Armvene injiziert und die Einlagerung in Schilddrüsengewebe mittels Röntgenfilmes festgehalten wird. Ein “kalter Knoten“ typisch bei etwa 90% der Einzelknoten, ist verdächtig für Karzinom und sollte punktiert werden. Die Feinnadelbiopsie dient zur präoperativen Sicherung der Diagnose. Mittels einer feinen Nadel werden Zellen aus dem verdächtigen Bezirk entnommen und im Mikroskop (Zytologie) auf Zeichen von Entartung untersucht. Dies ist ein ungefährliches Untersuchungsverfahren, bei dem keine Gefahr besteht, dass Tumorzellen ausgeschwemmt werden und sich im Körper absiedeln.

Therapie:
Die angewandte Therapie hängt im wesentlichen vom Art und Stadium des Schilddrüsenkarzinoms dh vom Tumortyp (follikulär, papillär, medullär, anaplastisch) und von der Ausbreitung der Erkrankung in lokale oder weiter entfernte Bereiche (Metastasierung) ab.

  1. Die chirurgische Therapie (Operation) hat das Ziel den Tumor und befallene Lymphknoten zu entfernen. Häufig wird dabei die gesamte Schilddrüse entfernt. Die fehlende Schilddrüsenfunktion und dadurch nicht mehr produzierten Hormone werden durch eine lebenslange Tabletteneinnahme ersetzt (Hormonsubstitution).
  2. Radiojodtherapie wird zur Prophylaxe und Therapie angewandt. Ziel ist die Vernichtung von verbliebenen Karzinomgewebe in Schilddrüse und Lymphknoten. Vorrausetzung für diese spezielle Form der Strahlentherapie eine ist vollständige Entfernung von Tumor- und gesunden Schilddrüsengewebe. Radiojodtherapie wird in Form von Kapseln verabreicht und muss stationär im Krankenhaus durchgeführt werden.
  3. Äußere Strahlentherapie (perkutane )
    Die äußere Bestrahlung der Hals und Brustregion wird bei besonderen Formen und Stadien von Schilddrüsenkarzinomen vorwiegend ambulant durchgeführt.
  4. Chemotherapie (siehe auch unter .. ) wird nur unter bestimmtem Bedingungen und Vorrausetzungen durchgeführt.

 

 
 
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