Wissenschaftliche Leiter:
Univ.-Prof. Dr. R. Kofler, a.o. Univ.-Prof. Dr. R. Greil
Innrain 66, A-6020 Innsbruck
Tel.: 0512/570485
E-mail: richard.greil@uibk.ac.at
Wissenschaftlicher
Leistungsbericht *)
über das erste Aktivitätsjahr (2000-2001) am
"Tiroler Krebsforschungsinstitut an der Universität
Innsbruck" (TKFI)
Das "Tiroler Krebsforschungsinstitut an der Universität
Innsbruck" ist mit April 2000 in Betrieb gegangen und
hat somit das erste Jahr seiner wissenschaftlichen Aktivitäten
absolviert. Die Gründung des Institutes erfolgte auf
Initiative des Präsidenten der "Österreichischen
Krebshilfe - Krebsgesellschaft Tirol", Univ.-Prof. Dr.
Raimund MARGREITER, mit einem ungewöhnlichen Ausmaß
an materieller Unterstützung seitens zahlreicher Spender
und Sponsoren: Tiroler Bevölkerung, Banken und Industriebetriebe,
Tiroler Landeskranken-anstalten (TILAK). Namhafte Beihilfen
stifteten insbesondere auch die "Österreichische
Krebshilfe-Krebsgesellschaft" (Dachverband) mit 1,5 Mio
ATS und deren Tiroler Mitgliedsverein "Österr. Krebshilfe-Krebsgesellschaft
Tirol" mit 2 Mio ATS. Insgesamt standen damit für
die Gründung des Institutes einschließlich der
baulichen Adaptierung der Laborräume und der apparativen
Erstausstattung 14,8 Mio ATS sowie für den wissenschaftlichen
Betriebes im ersten Aktivitätsjahr 3,6 Mio ATS zur Verfügung.
Der Enthusiasmus aller involvierten Personen, sowohl der Protagonisten
als auch der Unterstützer, haben zu einer extrem kurzen
Zeitspanne von nur wenigen Monaten zwischen Geburt der Idee,
Planung und Errichtung des Institutes geführt. Nachfolgend
wird ein Kurzbericht über die organisatorische Entwicklung
und die wissenschaftlichen Aktivitäten im ersten Jahr
seit der Inbetriebnahme des Institutes gegeben.
Wer arbeitet am TKFI?
Am TKFI arbeiten derzeit fünf wissenschaftliche Arbeitsgruppen,
die unter der Leitung von Prof. R. KOFLER (Experimentelle
Pathologie), Prof. R. GREIL (Univ.-Klinik für Innere
Medizin), Prof. B. MEISTER (Univ.-Klinik f. Kinder- u. Jugendheilkunde),
Prof. R. MARGREITER (Univ.-Klinik f. Chirurgie) und Doz. P.
JANSEN-DÜRR (Inst. f. Biomed. Alternsforschung d. Ö.
Akad. d. Wissenschaften) stehen. Damit repräsentieren
diese Gruppen jenes weite Spektrum an klinischen und vorklinisch/theoretisch
medizinischen Disziplinen, die in die moderne Krebsforschung
eingebunden und mit ihr befaßt sind. Zunächst mußten
mit Hilfe eines Auswahlverfahrens der Institutsleiter die
jeweiligen Gruppenleiter gewonnen, Mitarbeiterstäbe aufgebaut,
Projekte entwickelt und zusätzliche Finanzierungsmittel
organisiert werden. Innerhalb von nur einem Jahr ist es dadurch
gelungen, 29 Mitarbeiter zu gewinnen, die zu je etwa
einem Drittel auf Diplomanden, Dissertanten und bereits promovierte
Mitarbeiter (Postdocs) entfallen. Das Institut wird zudem
durch die enge Kooperation bereichert und belebt, welche die
am TKFI tätigen Arbeitsgruppen mit den jeweiligen Stamminstituten
und -kliniken verbindet, aus denen diese Arbeitsgruppen hervorgegangen
sind. Dadurch wird auf das Wissen und die Kooperation von
weiteren 23 mit dem TKFI assoziierten Mitarbeitern
zurückgegriffen, die auch am akademischen Leben des Institutes
teilnehmen. Zusätzlich sind 4 Medizinisch-Technische
Assistentinnen und eine Sekretärin beschäftigt.
*) Kurzfassung des Berichtes von Prof.R.Greil v. 16.04.2001
Was wird am TKFI derzeit untersucht?
Alle Fragestellungen, die am TKFI untersucht werden, sind
ausnahmslos der kliniknahen Krebsforschung gewidmet.
Dabei werden gemäß der speziellen Fachkunde der
jeweiligen Gruppenleiter vor allem folgende Forschungsschwerpunkte
bearbeitet:
- Untersuchung zellbiologischer und genetischer Mechanismen,
die bei bösartigen Erkrankungen von Lymphknoten und
Knochenmark (Myelom, chronische und akute lymphatische
Leukämien) zum krankhaften Verhalten von Tumorzellen
beitragen und deren Verständnis für die Entwicklung
von Gegenstrategien wertvoll sein muß.
- Erforschung von Stoffwechselmechanismen, die vermutlich
an der Entwicklung von Dickdarmkrebs beteiligt sind
und durch bestimmte Medikamente zur Behandlung und Vorbeugung
beeinflußt werden können.
- Versuche zur Überwindung der bei der Behandlung
von Tumorenzellen häufig auftretenden Resistenz gegen
Medikamente und Hormone (Beispiele: Leukämien, Prostatakrebs).
- Ursächliche Wirkung krebserregender Viren bei
einer bestimmten Form des Gebärmutterkrebses.
Wenngleich der wissenschaftliche Ausgangspunkt der einzelnen
Arbeitsgruppen durchaus verschieden ist, entstehen durch die
intensiven gemeinsamen Diskussionen und die breite Streuung
der technischen Fähigkeiten wesentliche Anreize zur Zusammenarbeit
und zur stärkeren thematischen Konzentration. Tatsächlich
sind vielversprechende Kooperationen bereits im ersten Betriebsjahr
entstanden, was einer wesentlichen Zielrichtung des Institutes
entspricht.
Welche Leistungen hat das TKFI im ersten Betriebsjahr erbracht?
Strukturelle Leistungen
Einem Grundprinzip des Institutes folgend wurden von allen
Arbeitsgruppen beträchtliche Anstrengungen unternommen,
um den Forschungsbetrieb des Institutes durch Einwerbung
sogenannter Drittmittel eigenständig finanziell zu
unterstützen. Dabei sind durch die Bewilligung von bisher
20 Grant-Ansuchen bei nationalen und internationalen
Forschungsföderungsorganisationen erste Erfolge erzielt
worden, darunter für Projekte, die von der Europäischen
Kommission (20 Mio ATS) und dem österreichischen "Fonds
zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung"
(3,5 Mio ATS) gefördert werden.
Dank einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit unter Einbindung
der regionalen Medien (ORF, Tagespresse) sowie durch Publikationen
in diversen medizinischen Medien hat das TKFI bereits einen
hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Dies manifestiert sich u.
a. in einem regen Patienteninteresse bei klinisch tätigen
Onkologen des TKFI. Diese Verankerung im Bewußtsein
der Öffentlichkeit ist für den weiteren Erfolg des
TKFI sicherlich eine wesentliche Voraussetzung.
Wissenschaftliche Leistungen
Wssenschaftliche Projekte benötigen naturgemäß
einen beträchtlichen Zeitraum von etwa ein bis zwei Jahren
zwischen Beginn der Arbeiten und dem Abschluß der Untersuchungen.
Innerhalb des ersten Betriebsjahres sind immerhin bereits
14 wissenschaftliche Publikationen erschienen oder
in der Phase der Drucklegung, die von Mitarbeitern des TKFI
verantwortet werden und in denen das TKFI als wesentlicher
Kooperationspartner genannt ist. Einige dieser Publikationen
sind in höchstrangigen Journalen erschienen, was
allgemein als der Gradmesser des Wertes und der Bedeutung
der berichteten Arbeitsergebnisse gilt. Die Qualität
des wissenschaftlichen Produktes des TKFI kann daher vom Start
weg auf einem sehr hohen Niveau eingestuft werden und läßt
eine weitere äußerst erfreuliche Entwicklung des
Institutes erwarten.
Mit wem arbeitet das TKFI zusammen?
Das TKFI hat naturgemäß eine engste Anbindung an
die Stamminstitutionen der Gruppenleiter (siehe oben). Darüberhinaus
ist das TKFI bestrebt, seine Kooperationen mit anderen Innsbrucker
Universitätskliniken und -instituten auszubauen. So sind
neue Kooperationen u. a. mit den Kliniken für Orthopädie
und für Dermatologie begonnen worden. Weiters
werden mit verschiedenen internationalen Einrichtungen
konkrete Projekte bearbeitet, u.a. im Rahmen des ONCODEATH-Projektes
und des EUROSTERON-Projektes.
Welche weiteren Entwicklungen will das TKFI nehmen?
Innerhalb der Arbeitsgruppe von Prof. Kofler hat sich ein
kleines Team darauf spezialisiert, ein Bioinformatik-Projekt
weiterzuentwickeln, das in den nächsten Jahren eine wesentliche
Rolle bei der Verwertung molekularer und genetischer Analysen
spielen wird. Unter der Leitung von Prof. Greil werden Versuche
unternommen, die (Labor-)Forschungsleistungen des TKFI für
allfällige klinische Anwendungen nutzbar zu machen
(Beispiel: Chronische Lymphatische Leukämie). Generell
soll die Funktion des TKFI als Schnittstelle zwischen klinischer
Forschung und experimenteller Grundlagenforschung verstärkt
werden. indem u. a. medizinische Dissertationen zur Entwicklung
von Behandlungsformen für Tumorpatienten an den Innsbrucker
Universitätskliniken im Bereich des TKFI angesiedelt
werden.
Innsbruck, 05.06.2001
Prof.Dr.R.Greil e.h./Prof.Dr.W.Sachsenmaier
e.h.