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Brustkrebsrisiko
Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, hängt von Ernährungsfaktoren, hormonellen Faktoren und Erbfaktoren ab. So findet sich bei Frauen mit hohem Fettkonsum und solchen mit Übergewicht häufiger Brustkrebs. Ähnliches gilt für Frauen mit frühem Beginn der Regelblutung, sowie für solche mit spätem Eintritt der Wechseljahre. Außerdem haben Frauen, die erst im fortgeschrittenen Lebensalter ihr erstes Kind gebären, ein gesteigertes Erkrankungsrisiko. Das höchste Erkrankungsrisiko weisen aber Frauen auf, in deren Familie (Mutter, Schwester etc) Brustkrebs aufgetreten ist.
Die Häufigkeit der Erkrankung steigt mit zunehmendem Lebensalter an und erreicht ein Maximum zwischen dem 55. Und 65. Lebensjahr. In den letzten Jahren ist es bei jüngeren Frauen zu einem Anstieg der Erkrankungsrate gekommen.
Faktoren für ein erhöhtes
Risiko:
Genetische Ursache
Familiär gehäufte Brustkrebsfälle
Entfernung einer Brustkrebsvorstufe
Brustkrebs in einer Brust
Faktoren für ein gering erhöhtes
Risiko:
Beginn der Regelblutung vor dem 11. Lebensjahr und später
Beginn des Wechsels
Kinderlosigkeit
Erste ausgetragene Schwangerschaft nach dem 30. Lebensjahr
Fehlende Stilltätigkeit
Fettsucht
Erhöhter Alkoholkonsum
Geringe körperliche Aktivität
Hormonersatztherapie länger als 10 Jahre
Krebserkrankung der Gebärmutter, des Eierstockes oder
des Dickdarmes
Brustkrebs-Warnsignale
Knoten in der Brust
Neu aufgetretene Einziehungen der Brustwarze
Größenveränderung einer Brust
Einseitige blutige oder wässrige Sekretion aus der
Brustwarze
Rötung der Brust
Ekzem der Brustwarze
Knoten in der Achselhöhlen
Diese Veränderungen können Symptome einer Krebserkrankung sein, können aber auch völlig harmlose Ursache haben. Die weitere Abklärung ist wichtig, um so auch eine Früherkennung möglich zu machen.
Diagnose
Histologische Diagnose
Auch wenn bildgebende Verfahren wie die Mammographie, der Ultraschall und die MRT Untersuchung heute bereits eine sehr hohe diagnostische Aussagekraft haben, gilt noch immer als goldener Standard der gesicherten Diagnose der histologische Befund. Es gibt mehrere Möglichkeiten zur histologischen Diagnose.
Am häufigsten wird das Gewebe im Rahmen einer Operation vollständig entfernt und histologisch untersucht. Meist erfolgt sofort intraoperativ eine Schnellschnittuntersuchung, die einen bösartigen oder gutartigen Befund ergeben kann. In seltenen Fällen muss manchmal erst die endgültige Histologie abgewartet werden.
In jüngster Zeit werden vermehrt auch Punktionshistologien zur Sicherung der Diagnose eingesetzt. Dabei wird zumeist in lokaler Betäubung unter Röntgensicht oder Ultraschallsicht ein kleines Gewebestück aus dem verdächtigen Areal abgesaugt oder herausgestanzt. Diese Untersuchung ist für die Patientin meist nicht oder nur gering schmerzhaft und man kann auch innerhalb von einer Stunde eine histologische Diagnose erhalten. Bei bösartigem Befund oder bei Krebsvorstufen ist immer eine Operation anzuschließen, gutartige Befunde können mitunter belassen werden und nur einer Kontrolle nach 3 Monaten unterzogen werden. Diese Punktionshistologie kann mit dem Mammotom, dem ABBI Gerät oder auch mit der Hochgeschwindigkeitsstanze durchgeführt werden.
Der Vorteil liegt in einer besseren Operationsplanung und verkürzten Operationszeit bei verdächtigen Befunden, bei einer verbesserten präoperativen Aufklärung der Patientin und auch einer rascheren Diagnose. Der größte Vorteil ist jedoch für jene Frauen zu sehen, die sich durch eine gutartige Histologie die Operation mitunter ersparen können, wenn die Veränderung klein ist und keine klinischen Beschwerden verursacht. Die oft geäußerte Angst, dass durch eine Punktion des Tumors Zellen in den Körper ausgeschwemmt werden und dadurch eine Krebserkrankung Metastasen in anderen Organen setzen könnte, ist völlig unbegründet.
Bei Brustkrebs kann heute in etwa 70 - 80 % aller Frauen die Brust bei einer Operation erhalten werden, in nur 20 % muss die Brust entfernt werden. Die Größe des Tumors spielt dabei eine wichtige Rolle. Zusätzlich zur Entfernung des bösartigen Tumors muss auch ein möglicher Befall der Lymphknoten in der Achselhöhle untersucht werden. Auch hier gibt es durch die Wächter Lymphknotenbiopsie (Sentinel Lymphnode) eine Neuentwicklung, die für die Frau eine geringere Belastung darstellt. Informieren Sie sich bei dem Operateur über diese Methode.
In den seltenen Fällen einer vollständigen Entfernung der Brust kann entweder gleichzeitig mit der Operation oder nach einem Zeitintervall von 1-2 Jahren die Brust durch eine plastische Operation wieder aufgebaut werden.
Brustkrebsformen
Die Erkrankung »Brustkrebs« ist ein sehr weitläufiger Begriff und schließt Tumoren unterschiedlichster Schweregrade, Herkunft und Verhaltensweisen und daraus ableitend auch verschiedene Therapienotwendigkeiten ein.
Im Wesentlichen handelt es sich bei Brustkrebs (Mammakarzinom) um eine bösartige Veränderung des Brust-gewebes. Wie bei anderen Krebsarten lassen sich auch beim Brustkrebs verschiedene Formen unterscheiden. Zunächst wird er durch den generellen Krebstyp und dann genauer durch seinen speziellen Zelltyp gekennzeichnet. Die Feststellung des genauen Zelltypus ist deswegen besonders wichtig, weil eine individuelle Behandlungsstrategie darauf abgestimmt werden sollte.
Prinzipiell gibt es zwei Formen von Brustkrebs:
Nicht invasives Mammakarzinom (Carcinoma in situ)
Als solche werden grundsätzlich nur Vorstadien bezeichnet. Die meisten Fälle von Brustkrebs beginnen in den Oberflächenzellen der Milchgänge, manchmal auch in den Drüsenläppchen selbst. Solange der Brustkrebs auf dieses Gebiet beschränkt ist, ist er »in situ«, nicht metastasiert, sozusagen »ruhend«. In diesem Stadium ist die Erkrankung zu 100 % heilbar. Eventuell wird nach der Operation eine Strahlentherapie und eine Antihormontherapie durchgeführt, eine Chemotherapie ist nicht notwendig.
Invasives Mammakarzinom
Krebszellen können aber auch das Drüsengewebe durchbrechen und sich – je nach Zelltyp in unterschiedlicher Geschwindigkeit – im umgebenden Brustgewebe ansiedeln; dies bezeichnet man als ein invasives Mammakarzinom. Diese Krebszellen können sich über die Lymphbahnen in die Lymphknoten der Umgebung (vor allem Achsel), aber auch über die Blutbahn ausbreiten und Absiedelungen (Töchtergeschwülste = Metastasen) bilden.
Klassifikation des Tumors
Ihr Arzt sollte mit Ihnen ausführlich über den Befund und die Behandlungsschritte sprechen. Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen, es geht um Ihre Gesundheit. Leider lässt der Spitalsalltag in vielen Fällen nicht zu, dass sich Ihr Arzt ausreichend Zeit für Sie nehmen kann. Da die so genannte Klassifikation des Tumors auf Befunden angegeben ist, geben wir Ihnen nachstehend eine Hilfestellung (die aber nicht das ärztliche Gespräch ersetzen sollte!).
Fachleute verwenden verschiedene Begriffe (Staging, Grading, Stadieneinteilung oder eben Klassifikation), um festzustellen, wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat.
Die Einteilung erfolgt im Wesentlichen nach drei Gesichtspunkten:
T = Tumor
N = regionale Lymphknoten (N = Noduli (lat.) = Knoten)
M = Metastasen
Man spricht deshalb auch von der TNM-Klassifikation:
• T0 = kein Anhalt für einen Primärtumor
• T1 = der Primärtumor ist kleiner als 2 cm
• T2 = der Primärtumor ist 2–5 cm groß
• T3 = der Primärtumor ist größer als 5 cm
• T4 = Tumor jeder Größe mit direkter Ausdehnung in Brustwand oder Haut
• NX = Lymphknoten lassen sich auf Krebsbefall nicht beurteilen
• N0 = kein Befall der regionären Lymphknoten
• N1 = Metastasen in Lymphknoten der Achselhöhle nachweisbar
• N2 = Metastatsen untereinander oder in Nachbarschaft fixiert
• N3 = Metastasen in Lymphknoten entlang der Arteria interna (= innere Brustwandarterie)
• MX = kein klinischer Nachweis von Fernmetastasen
• M0 = keine Fernmetastasen
• M1 = Fernmetastasen nachweisbar
Operation
Bei der Diagnose Brustkrebs ist ein chirurgischer Eingriff in den meisten Fällen notwendig. Die Größe des Tumors spielt bei der Wahl der Operationstechnik eine wesentliche Rolle.
Brusterhaltende Operation
Bei der brusterhaltenden Operation werden nur die Geschwulst, die unmittelbare Umgebung sowie etwaige Achsellymphknoten entfernt. Voraussetzung für eine brusterhaltende Operation ist allerdings, dass der Tumor nicht zu groß ist. Der Wunsch nach der brusterhaltenden Methode ist natürlich verständlich. Allerdings kann nur der Arzt die Gefährlichkeit des Tumors einschätzen und die geeignete Operationstechnik wählen. Jedenfalls ist es legitim, Ihrem Arzt einige Fragen zu stellen, wie z. B. wie viele Brustoperationen er jährlich durchführt bzw. welche Qualitätsstandards zugrunde gelegt werden.
Ein erfahrener Operateur kann bei der brusterhaltenden Operation ein kosmetisch günstiges Ergebnis erzielen.
In den meisten Fällen (rund 80 %) kann die Brust erhalten werden.
Nach der Operation muss unbedingt eine Strahlentherapie durchgeführt werden. Ob zusätzlich eine medikamentöse Therapie erforderlich ist, hängt vom histologischen Befund ab und wird jeweils vom behandelnden Arzt individuell entschieden.
Radikale Brustoperation
Im Interesse der Patientin kann der Arzt die Entfernung der Brust empfehlen, z. B. wenn der Tumor zu groß ist. Hier kann aber bereits gleichzeitig mit der Operation oder nach einem Zeitintervall von ein bis zwei Jahren die Brust durch eine plastische Operation wieder aufgebaut –werden.
Lymphknoten
Das wichtigste Prognosekriterium bei Brustkrebs ist die Frage, ob die Lymphknoten in der Achselhöhle befallen sind oder nicht. Diese Frage entscheidet neben anderen Kriterien beispielsweise auch über die Notwendigkeit einer zusätzlichen medikamentösen Nachbehandlung und die Prognose der Erkrankung.
Um eine Aussage über diese Frage treffen zu können, werden deshalb sowohl bei der Brustamputation als auch bei der brusterhaltenden Operation Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt. Bei der klassischen Operation sollten mindestens zehn Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt werden, um eine repräsentative Aussage treffen zu können. An diesem Problem setzt nun die neue Sentinel-Technik ein.
Sentinel-Technik
Als Sentinel – oder Wächterlymphknoten – werden der oder die Lymphknoten bezeichnet, die als erste im Lymphstrom hinter den Brustkrebs geschaltet sind.
Die theoretische Grundlage besteht darin, dass wenn dieser Lymphknoten nicht befallen ist, man mit großer Sicherheit davon ausgehen kann, dass auch keine anderen nachgeschalteten Lymphknoten einen Tumorbefall aufweisen.
Mit dem neuartigen diagnostischen Verfahren der Sentinel-Technik können 1–3 Wächterlymphknoten aus der Achselhöhle entfernt werden und bereits während der Operation auf das Vorhandensein von Tumorzellen untersucht werden.
Im Falle eines Tumorbefalls werden wie bisher auch die übrigen Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt. Ist der Wächterlymphknoten tumorfrei, kann die Operation der gesamten Achselhöhle unterbleiben. Dadurch können die postoperativen Schmerzen, die Gefahr eines Lymphstaus oder Einschränkungen der Beweglichkeit im Schultergelenk nach der Operation vermieden werden.
Strahlentherapie
Unter Strahlentherapie versteht man die Anwendung von energiereichen Strahlen (ionisierenden Strahlen) zur Therapie von Tumorerkrankungen. Strahlentherapie kann allein oder in Verbindung mit Operation und/oder Chemotherapie durchgeführt werden. Sie wird grundsätzlich nach einer brusterhaltenden Therapie durchgeführt.
Dieser Therapieansatz hat die Heilung der Tumorerkrankung zum Ziel und kann sowohl bei einem bestehenden Tumor als auch vorbeugend durchgeführt werden, wenn befürchtet wird, dass z. B. im Operationsgebiet noch vereinzelte Tumorzellen zurückgeblieben sind.
Die Strahlentherapie erfolgt in der Regel ambulant. Wenn die Therapie im Anschluss an eine brusterhaltende Operation erfolgt, werden die Strahlenbehandlungen für fünf bis sechs Wochen an fünf Tagen in der Woche durchgeführt.
Medikamentöse Therapie
Eine Therapie, die pauschal für alle Brustkrebserkrankungen zu empfehlen ist, gibt es nicht. Was für eine Patientin gut ist, kann für eine andere nicht sinnvoll sein. Verschiedene Formen, die unterschiedliche Bösartigkeit und die unterschiedlichen Rückfallsrisiken (Rezidivrisiko) bedürfen einer individuellen Therapie.
In der Regel wird über die notwendige Therapie interdisziplinär entschieden. Das heißt, Ärzte der verschiedenen onkologischen Disziplinen wie Operateure (Gynäkologen oder Chirurgen), Strahlentherapeuten und internistische Onkologen entscheiden über die für die Patientin jeweils beste Behandlung. Das therapeutische Vorgehen bei Krebserkrankungen wird durch international erarbeitete Standards bestimmt. Diese werden immer entsprechend den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auf aktuellen Stand gebracht.
Für die Patientin ist der genaue Plan einer onkologischen Therapie nicht leicht verständlich. Fragen Sie Ihre behandelnde Ärztin, wie die geplante Behandlung abläuft und mit welchen Begleiterscheinungen üblicherweise zu rechnen ist. Falls Ihre Fragen nicht ausreichend beantwortet oder Sie unsicher sind, holen Sie eine Zweitmeinung ein.
Die Kommunikation zwischen Ärztin, Patientin und Pflegepersonal ist ein wichtiger Aspekt des Krankheitsverlaufs. Eine positive Einstellung zur Therapie und Gelassenheit sind hilfreich und verringern auch Nebenwirkungen.
Chemotherapie
Die Behandlung von Krebs mit Chemotherapie hat das Ziel, bevorzugt Tumorzellen – unter größtmöglicher Schonung der gesunden Körperzellen – abzutöten.
Die Chemotherapie hatte ihre Anfänge in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts als auf Basis von Kampfstoffen Medikamente entwickelt wurden, die eine forcierte Zellteilung hemmen können. Heute steht eine Vielzahl von Medikamenten, die große Unterschiedlichkeiten sowohl bezüglich der Wirkmechanismen als auch der Wirksamkeiten aufweisen, zur Chemotherapie von Krebserkrankungen zur Verfügung.
Hormontherapie
Diese Art der Therapie wird häufig mit der »Hormonersatztherapie im Wechsel« verwechselt, bei der dem weiblichen Organismus Östrogene und Gestagene zugeführt werden.
Die Hormontherapie als Krebstherapie ist genau das Gegenteil: Durch künstliche Anti-Östrogene kann das im Organismus zirkulierende natürliche Hormon nicht wirksam werden, da der Rezeptor besetzt / blockiert ist. Eine neue Therapie mit Aromatasehemmern blockiert jene Enzyme, die die körpereigenen Hormone bilden. Als Folge stellen die Krebszellen das hormonabhängige Wachstum ein.
Heute steht dem Therapeuten eine Vielzahl von neu entwickelten Medikamenten mit unterschiedlichen Angriffspunkten zur Hormontherapie der Krebserkrankung zur Verfügung. Viele greifen bereits in die Bildung (Synthese) dieser Hormone ein. Hormontherapie kann auch mit anderen Hormonen und/oder Chemotherapie kombiniert -werden.
Medikamentöse Hormontherapie ist im Vergleich zur Chemotherapie relativ arm an Nebenwirkung. Die Symptome bei Hormonentzug entsprechen meistens denen wie sie beim Abfall der Sexualhormone im Klimakterium (Wechsel) vorkommen.
Zielgerichtete Therapie
Auf der Suche nach spezifischen Krebstherapien, die im Vergleich zur Chemotherapie wenig oder keine (Neben-) Wirkungen auf gesundes Gewebe haben, sind in den letzen Jahren wesentliche Fortschritte erzielt worden. Zunächst wurde nach spezifischen Eigenschaften der Krebszellen geforscht, die, wenn man sie gezielt unterbricht, zu einem Wachstumsstopp führen. Solche Strukturen werden als Achillesferse angesehen, die mit Hilfe einer Therapie getroffen werden sollen, um so die Krebszellen zu vernichten. Gerade bei Brustkrebs hat diese Forschung bereits wesentliche Erfolge erzielt.
Antikörper »Herceptin«
Der spezifische Eiweißstoff (Her2 Protein) empfängt Wachstumssignale für Brustkrebszellen. In 20–30 % der Brustkrebserkrankungen wird dieses Protein verstärkt an den Krebszellen gebildet. Die Krebszellen empfangen daher reichlich Wachstumssignale und vermehren sich dementsprechend rasch.
Studien haben ergeben, dass die Blockade von Her2 mit einem spezifischen Antikörper zu einer Wachstumshemmung der Krebszellen führt. Dieser Antikörper wird nun industriell in großen Mengen (als »Herceptin«) hergestellt. Klinische Studien haben die Wirksamkeit dieser zielgerichteten Therapie von Brustkrebs mehrfach dokumentiert.
Diese Antikörpertherapie wird nun erfolgreich bei Patientinnen mit verstärkter Her2 Ausprägung, sowohl bei fortgeschrittener als auch lokalisierter Erkrankung allein oder in Kombination mit Chemotherapie als Infusion verabreicht.
Weitere neue Therapien
Weitere zielgerichtete Therapien sind bei Brustkrebs in Entwicklung und tragen zur Individualisierung der angewandten Methoden wesentlich bei. Diese neuen Therapien werden teilweise als Tablettenform verabreicht. Ziele für sie sind einerseits Strukturen, die Wachstumssignale an Krebszellen übermitteln (Tyrosinkinasen), andererseits Zellen, die das Blutgefäßsystem der Tumoren bilden.
Immuntherapie
Zytokine
Botenstoffe wie Interferon, Interleukin-2 und Wachstumsfaktoren für Blutzellen stehen heute als Arzneimittel zur Verfügung. Diese Stoffe sind befähigt, spezifische Zellen des Abwehrsystems zu aktivieren bzw. zu vermehren.
Monoklonale Antikörper
sind lösliche Abwehrstoffe, die speziell gegen Oberflächen-Strukturen von Krebszellen im Labor erzeugt wurden. »High tech«-Produktionsmethoden machen es möglich, dass diese Abwehrstoffe nun als Medikamente für die Krebstherapie zur Verfügung stehen. Diese Antikörper reagieren mit Krebszellen und wirken auf diese schädigend. Antikörper ermöglichen bzw. erleichtern den Abwehrzellen (Lymphozyten) eine Erkennungsreaktion mit Krebszellen, wodurch eine Zerstörung dieser (Tumorzellyse) eingeleitet wird. Antikörper-Präparate werden derzeit in bestimmten klinischen Situationen zur Therapie von Brustkrebs und von besonderen Formen des Lymphdrüsenkrebses sehr erfolgreich eingesetzt.
Vakzine (»Krebsimpfung«)
Derzeit ist man der Meinung, dass diese Therapieform noch eingehendst auf Wirksamkeit untersucht werden muss, bevor eine breite Anwendung möglich ist.
Eine Schutzimpfung gegen alle Krebserkrankungen bleibt derzeit noch ein Traum und ist aufgrund der Erkenntnisse der Tumorbiologie als ein eher unrealistisches Wunschdenken einzustufen.
Wiederherstellung
Die Wahl des Zeitpunktes für die Wiederherstellung der Brust ist eine ganz persönliche Entscheidung der Frau und sollte nach eingehender Beratung mit dem Arzt getroffen werden. Je nach Zeitpunkt unterscheidet man zwei Möglichkeiten der Rekonstruktion:
Sofortiger Wiederaufbau
Abhängig vom Tumorstadium, der Lokalisation des Tumors innerhalb der Brust und dem Verhältnis zwischen Brust- und Tumorgröße kann die Entfernung des gesamten Brustdrüsengewebes notwendig gewesen sein. Fiel aufgrund dieser Faktoren und der Schnellschnittuntersuchung des Gewebes während der Operation die Entscheidung zur Entfernung der Brust, so kann mit wenigen Ausnahmen die Sofortrekonstruktion durchgeführt werden.
Späterer Wiederaufbau
Die Brustwiederherstellung kann auch einige Monate bis Jahre nach der Entfernung der Brust erfolgen. Man spricht dann von einer Spätrekonstruktion der Brust.
Bedenken Sie:
Im Allgemeinen stellt die Notwendigkeit einer postoperativ notwendigen Strahlen- oder Chemotherapie kein Hindernis für eine sofortige Rekonstruktion dar. Ob die Rekonstruktion vor oder nach der onkologischen Therapie erfolgt, ist eine ganz individuelle Entscheidung. Ihr Arzt kann Sie durch detaillierte Fachinformation zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bei Ihrer Entscheidungsfindung unterstützen.
Rekonstruktion mit Silikonimplantat
Das zur Brustrekonstruktion verwendete Silikonimplantat besitzt eine Silikon-Membranhülle, die entweder mit Kochsalzlösung oder einem Silikongel gefüllt ist. Das Silikongel gefüllte Implantat ist der natürlichen Brust in der Konsistenz ähnlicher als das Kochsalz gefüllte Implantat. In manchen Fällen verliert das Kochsalz gefüllte Implantat mit der Zeit an Volumen. Aus diesen Gründen wird das Gel gefüllte Implantat weltweit wesentlich häufiger verwendet.
Bei einer Ruptur der Silikonhülle besitzt das Kochsalz gefüllte Implantat den Vorteil, dass die austretende Flüssigkeit vom Körper resorbiert wird. Im Gegensatz dazu ist Silikongel als Fremdkörper nicht resorbierbar und kann in seltenen Fällen bei einer bestimmten Disposition lokale Reaktionen hervorrufen.
Die Haltbarkeit neuer, aus Silikon bestehender Implantate ist zeitlich begrenzt. Daher sind regelmäßige Nachuntersuchungen notwendig.
Wenn es zu einem Riss der Implantatmembran gekommen ist, bemerkt die betroffene Patientin dies in der Regel durch ein leichtes Ziehen in der Brust oder eventuell durch eine Zunahme der Kapselbildung, d. h. Verhärtung der Brust. Die auslaufende Füllsubstanz wird zu diesem Zeitpunkt von der eigenen Bindegewebskapsel vor Ort gehalten. Eine operative Entfernung bzw. eine Erneuerung des Brustimplantates ist in diesem Fall anzuraten.
Desweiteren kommt es, unabhängig vom Füllmaterial, zu einer Kapselbildung um das Implantat. In seltenen Fällen kann es zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Schrumpfung dieser Kapsel kommen, der so genannten »Kapselfibrose«. Bei stark ausgeprägten Fällen kann es dadurch zu einer schmerzhaften Verhärtung kommen und eine operative Entfernung der Kapsel notwendig sein.
Aufgrund dieser möglichen Veränderungen am Implantat sollten Sie sich daher nach dem Aufbau der Brust mit einer Gel gefüllten Silikonprothese unaufgefordert
• jährlich einmal in den ersten fünf Jahren nach der Operation,
• danach in 2-jährigen Abständen
beim behandelnden Arzt kontrollieren lassen.
Mittels Tastbefund und/oder Ultraschall und/oder Magnetresonanz-Untersuchung wird dabei die Intaktheit der Implantathülle überprüft. Falls erforderlich wird Ihr behandelnder Arzt die weiterführenden Untersuchungen veranlassen. Die Herstellerfirmen der Implantate geben heute eine lebenslange Garantie auf die Haltbarkeit ihrer Produkte.
Durch die in der Öffentlichkeit geführte »Silikondiskussion« wurden Frauen, die schon viele Jahre ein Implantat tragen, verunsichert. Grundsätzlich gilt es, die möglichen Vorteile einer Rekonstruktion der Brust den etwaigen Risiken gegenüberzustellen.
Ihr Arzt wird Sie in einem Aufklärungsgespräch über die mit der Implantation von (Kochsalz oder Gel gefüllten) Silikonprothesen eventuell auftretenden Risiken genau informieren.
Sollte bei Ihnen – aus welchem Grund auch immer – ein Wiederaufbau der Brust nicht möglich sein bzw. Sie sich dagegen entscheiden, gibt es eine Vielzahl an Brustprothesen, aus denen Sie die für Sie am besten geeignete auswählen können.
Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe
Die Brust kann mit körpereigenem Gewebe aus der Region des Unterbauches oder des Rückens (je nach Ausbildung des Unterhautfettgewebes) wiederhergestellt werden. Auch bei diesen Verfahren kann eine Angleichung der gesunden Brust notwendig sein, welche meist gemeinsam mit der Rekonstruktion von Brustwarze und Warzenhof durchgeführt wird.
a) Gewebe vom Rücken:
Bei diesem Verfahren wird ein Haut-Muskellappen vom Rücken gestielt in die Brustregion verlagert und zu einer Brust geformt.
b) Gewebe vom Bauch:
Bei diesem Verfahren wird ein Haut-Fett-Lappen gegebenenfalls mit einem kleinen Anteil des geraden Bauchmuskels gestielt oder durch Anwendung einer mikrochirurgischen Operationstechnik in die Brustregion verlagert. Durch einen direkten Verschluss des Hebedefektes wird gleichzeitig der Unterbauch gestrafft.
Mögliche Komplikationen
Wie jede Operation kann auch eine Brustwiederherstellung mit operationsbedingten Komplikationen einhergehen. Allgemeine Komplikationen wie Embolie oder Narkosefolgen sind dank moderner Begleitmaßnahmen äußerst selten. Eine Nachblutung kann allerdings einen neuerlichen Eingriff erforderlich machen.
Wenn körpereigenes Gewebe verlagert wird, kann ein Teil davon aufgrund unzureichender Durchblutung zugrunde gehen und einen neuerlichen operativen Eingriff erforderlich machen. Diese Komplikation ist selten, aber nicht auszuschließen. Die Gefahr von Nekrosen ist bei Raucherinnen deutlich größer als bei Nichtraucherinnen.
Im Falle der Ausbildung einer Verhärtung der vom Körper gebildeten Kapsel um ein Implantat kann eine weitere Operation ebenfalls notwendig sein. Wird die Brust ausschließlich mit körpereigenem Gewebe durchgeführt, ist diese Gefahr nicht vorhanden.
Nachsorge
Unter Nachsorge versteht man regelmäßige Konsultation des Arztes zur individuellen Beratung und die Rehabilitation. Sie ist deshalb so wichtig, um individuelle Nebenwirkungen einer Behandlung zu erkennen und eine gezielte Rehabilitation durchzuführen. Besonders gilt es, ein mögliches Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv) frühzeitig / rechtzeitig zu erkennen.
Der Arzt erstellt einen individuellen Nachsorgeplan, in dem die Art, Ausdehnung sowie die feingeweblichen, hormonellen und biologischen Eigenschaften der Krebserkrankung der Patientin und auch die Art der erhaltenen Therapien berücksichtigt werden. Je nach Stadium der Erkrankung, nach Art der durchgeführten Behandlung und anderen Einflussfaktoren bedarf es individueller Nachsorgeuntersuchungen in unterschiedlichen Zeitabständen.
Fragen sie Ihren behandelnden Arzt, wann und in welchen Abständen Sie welche Untersuchungen machen lassen sollen!
Eine grobe Empfehlung, von der im Individualfall abzuweichen ist, sieht Nachsorgeuntersuchungen in den ersten drei Jahren nach der Operation vierteljährlich, im vierten und fünften Jahr halbjährlich und ab dem sechsten Jahr jährlich vor. Bei Beschwerden sollten Sie die Nachsorgetermine nicht erst abwarten, sondern sofort Ihren Arzt aufsuchen!
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