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  Hormone und Krebs  
     
 

Hormone sind körpereigene Botenstoffe, die eine wichtige Funktion für unseren Körper erfüllen. Unter den weiblichen Hormonen verstehen wir vor allem das Östrogen und das Gelbkörperhormon Progesteron. Diese beiden Hormone werden in der Geschlechtsreife in den beiden Eierstöcken der Frau produziert.

In geringem Maße werden dort auch männliche Hormone, sogenannte Androgene sezerniert. Im Rahmen des Monatszyklus kommt es zu Schwankungen der Östrogen- und Progesteronspiegel. Um das 50. Lebensjahr erschöpft sich die Hormonproduktion in den Eierstöcken und die Frau kommt in den Wechsel. In dieser Phase hört die Monatsblutung auf und es treten mitunter verschiedene klinische Beschwerden wie Wallungen, Nachtschweiß, Hauttrockenheit, Lustlosigkeit, Depressionen, Knochenschmerzen, Herzrasen und viele andere Nebenerscheinungen auf. Die Ausprägung dieser Beschwerden ist individuell äußerst unterschiedlich und kann zwischen "unerträglich" und "praktisch nicht vorhanden" schwanken.

Einige Krebsarten werden als hormonabhängige Tumore bezeichnet. Darunter fällt u. a. der Brustkrebs. Dieser Begriff kommt daher, dass bestimmte hormonelle Einflüsse mit der Krebsentstehung in Zusammenhang gebracht werden können. Weiters tragen die Tumorzellen dieser Krebserkrankungen häufig sogenannte Hormonrezeptoren für weiblichen Hormone. In experimentellen Untersuchungen an Zellkulturen konnte auch gezeigt werden, dass bestimmte Hormone auf die Zellen einen wachstumsfördernden Einfluss haben können. Schließlich sind auch bestimmte Medikamente und Hormone wirksam in der Behandlung dieser Erkrankungen. Im Folgenden soll nur allgemein auf die Zusammenhänge zwischen der Pille zur Schwangerschaftsverhütung, der Hormonersatztherapie im Wechsel und Krebserkrankungen eingegangen werden.

 
     
   
     
  Lesen Sie hier: Häufige Fragen zum Thema Hormonersatztherapie  
     
 

Die Österreichische Krebshilfe warnt vor Brustkrebserkrankungsrisiko und erhöhter Brustkrebssterblichkeit für Frauen unter einer Hormonersatztherapie

Im Lancet 362; 9.August 2003 419 – 427, wurde die weltweit größte Untersuchung zur Frage der Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Formen einer Hormonersatztherapie im Wechsel und der Anzahl an Brustkrebserkrankungsfällen und auch der Sterblichkeit an Brustkrebs veröffentlicht.

Es wurden von 1996 bis 2001 insgesamt 1 084 110 Frauen zwischen 50 und 64 Jahren in Großbritannien im Rahmen des nationalen Brustkrebsscreeningprogrammes befragt, welche Hormonersatztherapie sie durchführen, wie lange und in welcher Dosierung.

Hormonersatztherapie und erhöhtes Brustkrebserkrankungsrisiko
Bei dieser Untersuchung konnte nun nach einer Beobachtungszeit von 2,6 Jahren gezeigt werden, dass sich das Risiko der Brustkrebserkrankung für jene Frauen, die unter einer Hormonersatztherapie stehen um insgesamt 66 % gegenüber Frauen, die nie eine Hormonersatztherapie genommen haben, erhöht. Die gute Nachricht dieser Studie lautet, dass für Frauen, die die Hormonersatztherapie abgesetzt haben, das Risiko nicht mehr erhöht ist.

Jede Art der Hormonersatztherapie führt zu einem erhöhten Risiko, allerdings in unterschiedlichem Ausmaße
Diese Risikoerhöhung ist jedoch nicht für alle Arten der Hormonersatztherapie gleich. Die alleinige Östrogentherapie, wie sie bevorzugt bei Frauen ohne Gebärmutter eingesetzt wird, zeigt ein erhöhtes Risiko um 30 % und liegt damit deutlich besser als die kombinierte Östrogen/Gestagentherapie, die eine Verdoppelung des Brustkrebserkrankungsrisikos zur Folge hat. Eine Behandlung mit Tibolon führte ebenfalls zu einer Erhöhung um 45 % und alle übrigen Hormonersatztherapien zu einer Erhöhung von 44 %.

In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass unter 1000 Frauen im Alter zwischen 50 und 64 Jahren, die 5 Jahre lang eine Östrogentherapie zu sich nehmen mit zusätzlichen 1,5 Brustkrebsfällen, bei 10 jähriger Therapie mit 5 zusätzlichen Brustkrebsfällen zu rechnen ist, bei einer Östrogen/Gestagen Kombination mit 6 zusätzlichen Brustkrebsfällen bei 5 jähriger Therapie und mit 19 zusätzlichen Fällen bei 10 jähriger Therapie.

Je länger die Hormonersatztherapie durchgeführt wird, desto größer wird das Risiko an Brustkrebs zu erkranken
Für alle Hormonersatztherapien gilt der Grundsatz, dass mit zunehmender Dauer der Behandlung auch das Risiko für die Erkrankung zunimmt. Diese Risikoerhöhung zeigt sich nicht wie bisher angenommen erst ab dem 5. Jahr der Einnahme, sondern bereits ab dem 2. Jahr für die Östrogen Monotherapie und bereits ab dem 1. Jahr für alle übrigen Hormonersatztherapien.

Die Risikoerhöhung ist unabhängig von der Dosierung und Art des Östrogens, Gestagens und auch unabhängig davon ob die Therapie in Form von Tabletten, Pflastern oder Implantaten gegeben wurde.
Die gezeigte Risikoerhöhung ist sowohl für die konjugierten Östrogene, wie schon in der WHI Studie gezeigt, aber auch für Ethinylöstradiole erhöht und auch unabhängig vom verwendeten Gelbkörperhormon. Es unterscheidet sich das Hormonpflaster auch nicht von der Tablettenform, ebenso wenig wie von der Injektionsform. Auch die Art der Östrogen/Gestagen Kombination in Form einer sequentiellen Therapie oder kontinuierlichen Verabreichung zeigte keinerlei Unterschiede und führt in beiden Fällen zu einer Erhöhung des Brustkrebserkrankungsrisikos.

Die Hormonersatztherapie führt zu einer erhöhten Brustkrebssterblichkeit
Erstmals konnte in dieser Studie nach einer Beobachtungszeit von 4,1 Jahren gezeigt werden, dass Frauen, die unter einer Hormonersatztherapie an Brustkrebs erkrankten auch ein um 22 % höheres Risiko hatten, an dieser Erkrankung zu sterben als jene Frauen, die keine Hormonersatztherapie genommen hatten, oder bereits mit einer Hormonersatztherapie aufgehört haben.

Die Österreichische Krebshilfe empfiehlt folgende Konsequenzen aus dieser Studie zu ziehen:
  1. Frauen unter einer laufenden Hormonersatztherapie sind über diese Ergebnisse durch ihren behandelnden Arzt zu informieren und es sollte versucht werden, die Hormonersatztherapie zu beenden
  2. Eine prophylaktische Hormonersatztherapie bei der beschwerdefreien Frau im Wechsel ist nicht indiziert
  3. Bei Frauen mit Wechselbeschwerden, vor allem Wallungen, Nachtschweiß und Stimmungsschwankungen sollte mit Behandlungsalternativen wie pflanzliche Produkten, Homöopathie, Lebensstiländerungen und Sport begonnen werden, auch wenn damit gegenüber einer Hormonersatztherapie nicht die selben Behandlungserfolge zu erzielen sind.
  4. Eine Hormonersatztherapie sollte erst dann zum Einsatz kommen, wenn die Frau nach ausführlicher Information und Aufklärung über das Brustkrebserkrankungsrisiko sich dennoch auf Grund der Beschwerdesymptomatik zu dieser Behandlung entschließt.
  5. Gegen ein erhöhtes Osteoporoserisiko sind verfügbare Behandlungsalternativen einer Hormonersatztherapie vorzuziehen
 
     
  Die Hormonersatztherapie (HET) im Wechsel
Brustkrebsrisiko
Eierstockkrebs-Risiko
Gebärmutterkörperkrebs-Risiko
 
     

Die Hormonersatztherapie (HET) im Wechsel

Die HET besteht in der Regel aus einer kombinierten Gabe von natürlichen Östrogenen und Gestagenen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese beiden Hormone zu kombinieren. Am Beginn des Wechsels wird zumeist so wie beim natürlichen Zyklus das Gelbkörperhormon erst in der 2. Zyklushälfte verabreicht. Bei dieser sogenannten sequentiellen HET kommt es weiterhin zu regelmäßigen Monatsblutungen. Liegt der Wechsel bereits mehrere Jahre zurück, kann man die Hormone auch kontinuierlich kombiniert verabreichen. Bei dieser Form der Therapie nimmt die Frau täglich sowohl Östrogene als auch Gestagene ein. Der Vorteil dieser sogenannten kontinuierlichen HET liegt darin, dass es zu keinen monatlichen Blutungen mehr kommt. Für die HET stehen die verschiedensten Präparate in den unterschiedlichsten Zusammensetzungen und Dosierungen zur Verfügung. Aber auch die Form der Verabreichung kann je nach individuellen Bedürfnissen zwischen Tabletten, Injektionen, Implantaten, Salben oder Pflastern gewählt werden. Frauen, die bereits eine Entfernung der Gebärmutter hatten, benötigen für eine HET nur die Gabe von Östrogenen. Bei diesen Frauen soll der Gestagenanteil weggelassen werden.

Es gilt das Prinzip, die Dosis der Hormone möglichst gering zu halten, sodass einerseits die gewünschte Wirkung erzielt wird, andererseits die Nebenwirkungen am geringsten sind.

Grundsätzlich gilt es, die möglichen Vorteile einer HET den potentiellen Nachteilen und Nebenwirkungen der Therapie gegenüberzustellen. Es ist daher auch notwendig, über die möglichen Vorteile einer HET zu sprechen. An erster Stelle ist auf die ausgezeichnete Wirkung auf Wallungen und Nachtschweiß hinzuweisen. Diese sehr störende Symptomatik wird durch den Östrogenmangel im Wechsel verursacht. Die Nachteile einer HET können in einer individuell schlechten Verträglichkeit bestehen, wobei hier der Dosierung und Auswahl der Medikamente besonderes Augenmerk geschenkt werden muss. Viele Nebenwirkungen können durch Änderung der Präparate und Dosierungen beseitigt werden. Weiters besteht durch die HET ein erhöhtes Risiko an thromboembolischen Erkrankungen wie Beinvenenthrombose oder Lungeninfarkt. Daher müssen auch die Kontraindikationen durch die verordnende Frauenärztin oder den Frauenarzt beachtet werden. Am meisten jedoch verunsichert Frauen die Angst vor einem erhöhten Kebsrisiko.

 

 

Brustkrebsrisiko

Bei allen Frauen kommt es etwa ab dem 50. Lebensjahr zu einer deutlichen Zunahme aller Krebserkrankungen - auch von Brustkrebs - unabhängig davon, ob sie Hormone einnehmen oder nicht. Deshalb ist es besonders wichtig, zumindest 1 mal pro Jahr regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen bei Ihrem Frauenarzt oder Hausarzt durchführen zu lassen. In Österreich stellt Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung der Frau dar. Die kombinierte HET führt – wie oben ausführlich dargestellt – zu einem erhöhten Brustkrebsrisiko.

 

 

Eierstockkrebs-Risiko

Die alleinige Östrogentherapie, vor allem wenn sie länger als 10 Jahre eingenommen wird, dürfte nach neuesten Erkenntnissen zu einer Erhöhung des Eierstockkrebs Erkrankungsrisikos führen. Eine kombinierte HET mit Gelbkörperhormonen und Östrogenen dagegen zeigt keine Risikoerhöhung. Es sollte daher vor einer länger dauernden alleinigen Östrogentherapie dieses zusätzliche Risiko gegenüber den Vorteilen abgewogen werden.

 

 

Gebärmutterkörperkrebs-Risiko

Wenn die Gebärmutter vorhanden ist, so muss eine HET auch immer ein Gelbkörperhormon enthalten, wobei dieses Hormon entweder monatlich für mindestens 12 Tage zusätzlich zum Östrogen eingenommen werden muss, oder in Form einer kontinuierlichen Kombinationstherapie Östrogene und Gestagene zugeführt werden. Die alleinige Östrogentherapie bei vorhandenem Uterus sollte keinesfalls durchgeführt werden. Frauen, die wegen eines Gebärmutterkörperkarzinoms operiert worden sind, können auch weiterhin eine HET durchführen, denn mehrere wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass dadurch das Rezidivrisiko nicht erhöht wird. Im Gegenteil: es scheint, dass die HET sogar einen positiven Effekt auf das Rezidivrisiko ausübt.

 
     
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