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Wie hoch ist das
Risiko durch eine Hormonersatztherapie an Brustkrebs zu erkranken?
Erkrankungsfälle bei Hormonersatztherapie:
| Keine
Hormonersatztherapie |
50
|
50
|
| Alleinige Östrogentherapie |
51,5
|
55
|
| Östrogen und Gestagentherapie |
56
|
69
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Tabelle: Brustkrebserkrankungen
(Risiko) von 1000 Frauen im Alter von 65 Jahren in Abhängigkeit
zu einer Hormonersatztherapie:
Quelle: Lancet
362; 9.August 2003 419 427
Hängt das Risiko
von der Wahl der Hormone ab?
Das Risiko ist am meisten erhöht bei der Gabe von Östrogenen
und Gestagenen. Dies ist derzeit die am häufigsten eingesetzte
Form der Hormonersatztherapie. Aber auch die alleinige Östrogentherapie
wie sie bei Frauen nach Gebärmutterentfernung vorwiegend
eingesetzt wird, führt zu einem erhöhten Risiko, aber
in geringerem Ausmaß. Auch Tibolon, eine Substanz von der
wir bisher angenommen hatten, dass sie zu keinem erhöhten
Risiko führt, zeigte eine Zunahme des Brustkrebserkrankungsrisikos
die zwischen den Östrogenen und der Östrogen/Gestagen
Kombination liegt.
Welche Alternativen
gibt es zur Hormonersatztherapie?
Es gibt eine Reihe von pflanzlichen Produkten, die gegen Wallungen
und Nachtschweiß eingesetzt werden können, auch andere
Medikamente aus der Gruppe der Psychopharmaka können helfen.
Oft können auch Lebensstiländerungen wie regelmäßige
körperliche Aktivität die Beschwerden lindern. Bei vielen
Frauen vergehen die Wechselbeschwerden auch ohne jede Therapie
innerhalb von einigen Monaten.
Was sollen Frauen,
die derzeit unter einer Hormonersatztherapie stehen, nun tun?
Zunächst soll sich jede Frau die Frage stellen, wie sehr
sie in ihrer Befindlichkeit und Lebensqualität von der Hormonersatztherapie
profitiert. Besteht kein erkennbarer Vorteil, so sollte die Therapie
beendet werden. Es gibt viele Frauen, die ohne Hormone eine deutliche
Einschränkung ihrer Lebensqualität erfahren. Diese Frauen
sollten langsam die Hormonersatztherapie durch pflanzliche Produkte
ersetzen und auch andere Alternativen versuchen. In der Umstellungsphase
könnte es zu Wechselbeschwerden kommen, die jedoch nach einigen
Wochen oder Monaten verschwinden. Sollte dies jedoch nicht der
Fall sein und die Lebensqualität deutlich verschlechtert
worden sein, so kann man auch wieder auf eine Hormonersatztherapie
zurückgreifen, wenn man in einer persönlichen Risikoabschätzung
die Vorteile höher bewertet als die Risiken inklusive des
Brustkrebserkrankungsrisikos.
Gibt es Frauen für
die diese Risikoerhöhung nicht besteht?
Leider haben wir heute in der Medizin noch nicht die Möglichkeit
einer Frau zu sagen, dass sie die Hormone bedenkenlos nehmen kann,
ohne dass sie dadurch ihr individuelles Brustkrebserkrankungsrisiko
erhöht.
Wie lange können
Hormone genommen werden?
Es gilt der Grundsatz je kürzer desto besser. Das Brustkrebserkrankungsrisiko
erhöht sich bereits ab dem 2. Jahr der Einnahme für
alle Formen der Therapie. Das Risiko steigt mit der Einnahmedauer
an. Zur Überbrückung von nicht beherrschbaren Wechselbeschwerden
sollte die Therapie für 3-6 Monate eingesetzt werden. Bei
längerer Therapiedauer ist die Indikation zur Therapie zumindest
jährlich zu hinterfragen und zu überprüfen.
Welche Alternativen
zur Hormonersatztherapie habe ich, um eine Osteoporose zu vermeiden?
Die Osteoporose kann man durch viele Maßnahmen bekämpfen.
An erster Stelle steht die Lebensstiländerung. Dies bedeutet
regelmäßig körperliche Aktivität und Bewegung,
gesunde kalziumreiche Ernährung, kein Nikotin. Darüber
hinaus gibt es viele Medikamente mit denen wir heute die Osteoporose
wirksam bekämpfen können wie Bisphosphonate, Raloxifen,
Calzium und Vitamin D Präparate. Besprechen sie dies mit
dem Arzt ihres Vertrauens.
Gibt es heute einen
Grund Hormone prophylaktisch, also ohne klinische Beschwerden
einzunehmen?
Nein, heute muss die Hormonersatztherapie eine klare medizinische
Indikation haben, der prophylaktische Einsatz zur Vermeidung von
Herzinfarkten, Arteriosklerose, Schlaganfall, Alzheimer ist nicht
gerechtfertigt, im Gegenteil auch diese Erkrankungen können
durch eine Hormonersatztherapie häufiger auftreten.
Sind lokal wirksame
Hormoncremen für die Scheide auch davon betroffen?
Die lokale Hormonbehandlung der Scheide zur Verbesserung einer
Harninkontinenz oder zur Verbesserung der Gleitfähigkeit
der Scheide ist von diesem erhöhten Brustkrebserkrankungsrisiko
nicht betroffen, da die eingesetzten Präparate in der Regel
nur 2 Mal wöchentlich in sehr geringer Dosierung eingesetzt
werden.
Kann ich das erhöhte
Brustkrebserkrankungsrisiko dadurch vermeiden, dass ich öfter
zur Vorsorgemammographie gehe?
Leider nein, die Vorsorgemammographie in zumindest 2-jährigen
Abständen ab dem 40. Lebensjahr ist für jede Frau wichtig,
eine halbjährige oder jährliche Untersuchung kann Ihr
Brustkrebserkrankungsrisiko nicht verringern. Die Beurteilung
der Mammographie kann durch eine Hormonersatztherapie erschwert
sein, da das Brustdrüsengewebe dichter ist.
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