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  Häufige gestellte Fragen zum Thema Hormonersatztherapie  
     
  Die Antworten gibt Prim. Univ. Prof. Dr. Paul Sevelda,
Präsident der Österreichischen Krebshilfe, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe des Krankenhauses Lainz in Wien:
 
     
 

Wie hoch ist das Risiko durch eine Hormonersatztherapie an Brustkrebs zu erkranken?

Erkrankungsfälle bei Hormonersatztherapie:

Therapie
5 Jahre
10 Jahre
Keine Hormonersatztherapie
50
50
Alleinige Östrogentherapie
51,5
55
Östrogen und Gestagentherapie
56
69

Tabelle: Brustkrebserkrankungen (Risiko) von 1000 Frauen im Alter von 65 Jahren in Abhängigkeit zu einer Hormonersatztherapie:
Quelle: Lancet 362; 9.August 2003 419 – 427

Hängt das Risiko von der Wahl der Hormone ab?
Das Risiko ist am meisten erhöht bei der Gabe von Östrogenen und Gestagenen. Dies ist derzeit die am häufigsten eingesetzte Form der Hormonersatztherapie. Aber auch die alleinige Östrogentherapie wie sie bei Frauen nach Gebärmutterentfernung vorwiegend eingesetzt wird, führt zu einem erhöhten Risiko, aber in geringerem Ausmaß. Auch Tibolon, eine Substanz von der wir bisher angenommen hatten, dass sie zu keinem erhöhten Risiko führt, zeigte eine Zunahme des Brustkrebserkrankungsrisikos die zwischen den Östrogenen und der Östrogen/Gestagen Kombination liegt.

Welche Alternativen gibt es zur Hormonersatztherapie?
Es gibt eine Reihe von pflanzlichen Produkten, die gegen Wallungen und Nachtschweiß eingesetzt werden können, auch andere Medikamente aus der Gruppe der Psychopharmaka können helfen. Oft können auch Lebensstiländerungen wie regelmäßige körperliche Aktivität die Beschwerden lindern. Bei vielen Frauen vergehen die Wechselbeschwerden auch ohne jede Therapie innerhalb von einigen Monaten.

Was sollen Frauen, die derzeit unter einer Hormonersatztherapie stehen, nun tun?
Zunächst soll sich jede Frau die Frage stellen, wie sehr sie in ihrer Befindlichkeit und Lebensqualität von der Hormonersatztherapie profitiert. Besteht kein erkennbarer Vorteil, so sollte die Therapie beendet werden. Es gibt viele Frauen, die ohne Hormone eine deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität erfahren. Diese Frauen sollten langsam die Hormonersatztherapie durch pflanzliche Produkte ersetzen und auch andere Alternativen versuchen. In der Umstellungsphase könnte es zu Wechselbeschwerden kommen, die jedoch nach einigen Wochen oder Monaten verschwinden. Sollte dies jedoch nicht der Fall sein und die Lebensqualität deutlich verschlechtert worden sein, so kann man auch wieder auf eine Hormonersatztherapie zurückgreifen, wenn man in einer persönlichen Risikoabschätzung die Vorteile höher bewertet als die Risiken inklusive des Brustkrebserkrankungsrisikos.

Gibt es Frauen für die diese Risikoerhöhung nicht besteht?
Leider haben wir heute in der Medizin noch nicht die Möglichkeit einer Frau zu sagen, dass sie die Hormone bedenkenlos nehmen kann, ohne dass sie dadurch ihr individuelles Brustkrebserkrankungsrisiko erhöht.

Wie lange können Hormone genommen werden?
Es gilt der Grundsatz je kürzer desto besser. Das Brustkrebserkrankungsrisiko erhöht sich bereits ab dem 2. Jahr der Einnahme für alle Formen der Therapie. Das Risiko steigt mit der Einnahmedauer an. Zur Überbrückung von nicht beherrschbaren Wechselbeschwerden sollte die Therapie für 3-6 Monate eingesetzt werden. Bei längerer Therapiedauer ist die Indikation zur Therapie zumindest jährlich zu hinterfragen und zu überprüfen.

Welche Alternativen zur Hormonersatztherapie habe ich, um eine Osteoporose zu vermeiden?
Die Osteoporose kann man durch viele Maßnahmen bekämpfen. An erster Stelle steht die Lebensstiländerung. Dies bedeutet regelmäßig körperliche Aktivität und Bewegung, gesunde kalziumreiche Ernährung, kein Nikotin. Darüber hinaus gibt es viele Medikamente mit denen wir heute die Osteoporose wirksam bekämpfen können wie Bisphosphonate, Raloxifen, Calzium und Vitamin D Präparate. Besprechen sie dies mit dem Arzt ihres Vertrauens.

Gibt es heute einen Grund Hormone prophylaktisch, also ohne klinische Beschwerden einzunehmen?
Nein, heute muss die Hormonersatztherapie eine klare medizinische Indikation haben, der prophylaktische Einsatz zur Vermeidung von Herzinfarkten, Arteriosklerose, Schlaganfall, Alzheimer ist nicht gerechtfertigt, im Gegenteil auch diese Erkrankungen können durch eine Hormonersatztherapie häufiger auftreten.

Sind lokal wirksame Hormoncremen für die Scheide auch davon betroffen?
Die lokale Hormonbehandlung der Scheide zur Verbesserung einer Harninkontinenz oder zur Verbesserung der Gleitfähigkeit der Scheide ist von diesem erhöhten Brustkrebserkrankungsrisiko nicht betroffen, da die eingesetzten Präparate in der Regel nur 2 Mal wöchentlich in sehr geringer Dosierung eingesetzt werden.

Kann ich das erhöhte Brustkrebserkrankungsrisiko dadurch vermeiden, dass ich öfter zur Vorsorgemammographie gehe?
Leider nein, die Vorsorgemammographie in zumindest 2-jährigen Abständen ab dem 40. Lebensjahr ist für jede Frau wichtig, eine halbjährige oder jährliche Untersuchung kann Ihr Brustkrebserkrankungsrisiko nicht verringern. Die Beurteilung der Mammographie kann durch eine Hormonersatztherapie erschwert sein, da das Brustdrüsengewebe dichter ist.

 
     
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