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Hodenkrebs

Hodenkrebs ist der häufigste bösartige Tumor des jungen Mannes im Alter zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. In den letzten Jahren ist weltweit ein deutlicher Anstieg der Neuerkrankungen zu verzeichnen. Die Ursachen hierfür sind unklar.

Die meisten bösartigen Hodentumoren (95 Prozent) gehen von den Keimzellen (d. h. von den Spermien) und ihren Vorläuferzellen aus und werden daher als Keim­zelltumore bezeichnet. Diese werden entsprechend des feingeweblichen Erscheinungsbildes (Histologie) in zwei Gruppen unterteilt:

  • Seminome: (lateinisch semen = Samen) entstehen ausschließlich aus dem Gewebe, welches später den Samen bildet.
  • Nicht-Seminome und Unter­gruppen: Diese Tumoren weisen Anteile verschiedener Zelltypen auf und werden entsprechend unterschiedlich bezeichnet:
    Embryonales Karzinom
    Chorionkarzinom
    Dottersacktumor
    Teratom

Diese genaue Unterscheidung ist wichtig, da sich die Therapie nach der Art des Tumorgewebes richtet.


Entstehung & Risiko

Die Ursachen von Hodenkrebs sind noch weitgehend ungeklärt, jedoch werden sowohl genetische Faktoren als auch Lebensstil- und Ernährungsgewohnheiten diskutiert.

Ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben Männer, welche in der Kindheit unter einem Hodenhochstand (Bauch- bzw. Leistenhoden) litten. Auch nach einer operativen Lagekorrektur bleibt bei diesen Männern ein zehn- bis fünfzehnmal höheres Risiko an einem Hodenkrebs zu erkranken.

Weitere Risikofaktoren haben Männer, bei denen engste Verwandte an Hodenkrebs erkrankt sind, die bereits einen Hodenkrebs hatten oder bei denen eine Unfruchtbarkeit festgestellt wurde.

Symptome

Hodenkrebs fällt meistens dem Patient selbst durch eine schmerzlose Verhärtung und/oder Schwellung des Hodens auf. Zusätzlich kann man einen Knoten im oder am Hoden tasten sowie ein Ziehen im Hoden oder in der Leiste bemerken.

Diese typischen Symptome und Beschwerden müssen jedoch nicht bedeuten, dass man an einem Hodenkrebs erkrankt ist. Schmerzen und Schwellungen können auch durch gutartige Erkrankungen
(z. B. Nebenhodenentzündung) verursacht werden. Zur Abklärung der Ursache der Beschwerden, sollte man unbedingt einen Uro­logen aufsuchen.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt aufgrund der klinischen Untersuchung, Tastbefund, Ultraschall, Magnetresonanztomographie, Laboruntersuchung einschließlich von Tumormarkern. Zur Stadieneinteilung wird eine Computertomografie von Brust und Bauchraum vorgenommen.

Sicherheit für die Diagnose lässt sich jedoch nur durch eine  histologische Untersuchung des Operationspräparates mittels Probeentnahme (Biopsie) vom verdächtigen Hoden erzielen. Meistens erfolgt gleich im Anschluss an die Biopsie die Operation.

Therapie

Die primäre Therapie ist, in aller Regel, die operative Entfernung des tumorbefallenen Hodens. Diese Operation, auch Ablatio Testis (lateinisch ablatio = entfernen, abtragen; testis =Hoden) oder Orchiektomie genannt, wird in Vollnarkose durchgeführt. Bei eindeutiger Diagnose wird der betroffene Hoden mit dem Samenstrang entfernt. Gefäße werden abgeklemmt, sodass keine Tumorzellen in die Blut- oder Lymphgefäße gelangen können.

Bei unklarer Diagnose wird eine intraoperative Gewebebeurteilung der Biopsieprobe durch den Pathologen mittels Schnellschnittuntersuchung durchgeführt.

Der weitere Therapieplan richtet sich nach der endgültigen Histologie (Seminom bzw. Nicht-Seminom) und der Ausdehnung der Krankheit (Tumorstadium).

Die Strategie „Wait and See“ (abwarten und beobachten) oder auch „Active Surveillance“ bedeutet primär keine weitere Therapie jedoch engmaschige Nachsorgekontrollen durchzuführen. Diese Strategie kommt vor allem im Frühstadium und im Stadium I – wenn der Tumor auf den Hoden beschränkt ist und das Risiko für einen Lymphknotenbefall und für Metastasen als gering eingestuft wird – anstelle der Bestrahlung oder Chemotherapie zur Anwendung. Active Surveillance wird verfolgt, solange es keine Anhaltspunkte für einen Rückfall gibt.

Bei frühzeitiger Erkennung eines Rückfalls (Rezidivs) – dies gelingt durch die engmaschig erfolgenden Kontrollen in fast allen Fällen – können dennoch alle Patienten geheilt werden.

Die Strahlentherapie ist eine lokale Maßnahme, bei der die Strahlen von außen durch die Haut (perkutan) gezielt auf die befallenen Regionen gerichtet werden. Bei Hodentumoren wird sie – entsprechend den neuen europäischen Richtlinien – nur mehr in speziellen Fällen wie etwa bei Seminom-Patienten mit Rezidiv unter „Active Surveillance“ eingesetzt.

Eine Therapie mit Zytostatika wird in bestimmten Situationen auch vorbeugend nach der Entfernung des Hodens eingesetzt werden (adjuvante Chemotherapie), um eventuell noch im Körper vorhandene, allerdings nicht mit bildgebenden Untersuchungsverfahren nachweisbare Tumorzellen abzutöten.

Einzig bei Patienten mit Metastasen in anderen Organen ist eine Chemotherapie vor der Orchiektomie als sogenannte neoadjuvante Therapie angezeigt, um präoperativ möglichst viele Tumorzellen zu zerstören. Auch eine operative Entfernung von Metastasen vor oder nach der Chemotherapie wird in bestimmten Situationen angewandt.

Die Heilungschancen für Hodenkrebs, selbst bei Vorliegen von Metastasen, haben sich seit Einführung der Chemotherapie mit dem Wirkstoff Cisplatin deutlich verbessert. 

Nachsorge

Eine regelmäßige und engmaschige Nachsorgeuntersuchung ist für alle Patienten mit Hodenkrebs unbedingt notwendig. Die Hodenkrebs-Nachsorgeuntersuchung beinhaltet eine Ultraschalluntersuchung des verbliebenen Hodens, eine körperliche Untersuchung, eine Blutabnahme (Tumormarker, Hormone) und eine radiologische Kontrolle (Lungenröntgen, Computertomographie bzw. Magnetresonanz).

Diese Untersuchungen sollten entweder in einem spezialisierten Hodenkrebszentrum erfolgen. Auch wenn Rückfälle (Rezidive) selten sind, besteht gerade durch eine Früherkennung eine hohe Heilungschance.