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Peniskrebs

Das Peniskarzinom ist ein seltener bösartiger Tumor, der in Europa bei weniger als 1% der Männer auftritt. Ein Häufigkeitsgipfel findet sich im 6. bis 7. Lebensjahrzehnt, Peniskrebs kann aber auch wesentlich jüngere Männer betreffen.

Das Peniskarzinom ist im Frühstadium nur schwer von prämalignen Veränderungen (Vorstufen) zu differenzieren. Nur selten ist das Peniskarzinom primär am Schaft (2 %) lokalisiert, zumeist findet es sich im Vorhautbereich (21 %) oder direkt an der Glans penis (Eichel) 48% .


Entstehung & Risiko

Bei 25 bis 75 % der Männer mit Peniskarzinom ist eine Vorhautverengung (Phimose) vorhanden. Die operative Vorhautentfernung (Zirkumzision) schützt aber nicht in jedem Fall: Etwa 20 % aller Peniskarzinome treten bei Männern mit entfernter Vorhaut auf. Die Vorhautentfernung bei Neugeborenen reduziert aber das Krebsrisiko um den Faktor 10.

Chronische schwere Raucher haben eine höhere Wahrscheinlichkeit der Entwicklung eines Plattenepithelkarzinoms im Genitalbereich.

Chronische Entzündungen von Vorhaut und Eichel und mangelnde Sexualhygiene sind Faktoren, die eine Enstehung fördern können.

Die Infektion mit HPV-Viren der Subtypen 16 und 18 sind beim Peniskarzinom in 17 % bis zu
80 % nachweisbar und werden als mögliche ko-karzinogene Faktoren diskutiert. Die Inzidenz der HPV-Infektionen steigt mit der Zahl der Sexualpartner während des Lebens an.

Symptome

Verdächtige klinische Zeichen sind juckende, nässende, geschwürige und/oder verhärtete Hautveränderungen.

Das sichtbare Wachstum beginnt gewöhnlich in Form von erhabenen roten, derben Plaques (Verhärtungen) oder als Ulkus (Geschwür). Wenn die Veränderungen zunehmen, kommt es zu Gewebs­wucherungen oder größerer Ausdehnung der Geschwüre. Diese kennzeichnen sich durch Substanzdefekte der Hautschichten und sind in der Regel zumeist mit Entzündungsreaktionen verbunden.

Differentialdiagnosen
Es gibt entzündliche unspezifische Erkrankungen des männlichen Genitales wie beispielsweise eine Entzündung von Eichel und innerem Vorhautblatt. Diese werden durch Pilze, Baktereien oder sexuell übertragbare Mikroorganismen verursacht.

Zur Diagnosesicherung wird in unklaren Fällen eine Biopsie durchgeführt, die auch Tiefenbiopsien miteinschließen sollte.

Diagnose

Eine klinische Untersuchung und ein Tastbefund (Palpation) der Leisten-Lymphknoten sind die ersten Diagnoseverfahren.

Besteht der Verdacht auf eine bösartige Läsion, ist die Biopsie (Gewebeprobe) der nächste diagnostische Schritt. Sie kann in Lokal- oder Allgemeinnarkose durchgeführt werden.

Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) mit hochfrequenten Schallköpfen sowie die Magnet­resonanztomographie (MRT) sind gute Verfahren um die Eindringungstiefe des Tumors im Schwellkörper vor einer Operation zu bestimmen.  

Bei tastbaren Lymphknoten und / oder sehr adipösen Patienten kommt ein PET/CT zum Einsatz.
Bei Verdacht auf Lymphknotenmetastasen erfolgen weitere Untersuchungen zur Abklärung von Fernmetastasen (CT-Thorax und Abdomen, ev. PET/CT).

Therapie

Oberstes Therapieziel ist die sichere und dauerhafte Entfernung des Tumors. Zugleich wird höchster Wert auf ein möglichst gut funktionelles und kosmetisches Ergebnis gelegt. Bei größeren Tumoren sind chirurgisch rekonstruktive Verfahren einzusetzen.

Die organerhaltende Therapie ist nur bei Läsionen im Eichel- oder Vorhautbereich möglich. In seltenen Fällen auch bei sehr oberflächlichen Veränderungen im Stammbereich.

Die Beschneidung (Circumcision) ist bei Läsionen im Vorhaut- und Eichelbereich unbedingt erforderlich. Bei Tumoren der Klasse Tis ist unter strenger Kontrolle die oberflächliche Therapie mittels immunstimulierenden bzw. Zyto­statika-enthaltenden Salben als Erstlinien-Therapie möglich. Im Bereich von oberflächlichen Läsionen der Eichel ist die komplette Entfernung des Glansepithels und die Deckung mit Spalthauttransplantat oder Mundschleimhaut möglich.

Die so genannte Penisteilresektion oder Penisamputation (Penektomie) kommt beim Peniskarzinom mit Infiltration der Schwellkörper (T2–3) zum Einsatz. Patienten, die eine Operation ablehnen, können alternativ einer Radiotherapie (Strahlentherapie) zugeführt werden.

Die Lymphknotenentfernung (Lymphadenektomie) hat vor allem bei Patienten mit Risiko für eine Aussaat über die Lymphbahnen einen hohen Stellenwert. Im frühen Stadium des Tumors besteht dafür ein niedriges Risiko, daher kann in diesem Fall auf diese operative Maßnahme verzichtet werden. Da eine hohe Zahl von Peniskarzinomen bakteriell infiziert ist, sind die tastbaren Lymphknoten vor der Operation 4 bis 6 Wochen lang antibiotisch zu behandeln.

Das Peniskarzinom präsentiert sich häufig als lokal fortgeschrittene Erkrankung, jedoch ohne Absiedelung in andere Organe. Daher kommt die neoadjuvante (vor der Operation) Chemotherapie zum Einsatz. In bis zu 50 % der Fälle werden nach primärer Chemotherapie Penistumore operabel.

Bei Metastasen in den Lymphknoten wird jedenfalls eine adjuvante Chemotherapie (nach der Opera­tion) empfohlen.

Strahlentherapie (von außen) kombiniert mit der Brachytherapie kommen vor allem beim Peniskarzinom der Stadien T1 – T2 zum Einsatz. Der Penis kann dabei in bis zu 80 % der Fälle erhalten bleiben. Die Wahrscheinlichkeit für ein Wiederauftreten des Peniskarzi­noms nach Strahlentherapie ist jedoch höher, als nach Entfernung des Penis (Penektomie). Es kann aber auch nach nicht erfolgreicher Strahlentherapie eine Operation den Tumor wieder unter Kontrolle bringen.

Nachsorge

Da das Wiederauftreten des Peniskarzinoms am häufigsten in den ersten zwei Jahren nach der Therapie erfolgt, ist die Nachsorge vor allem in den ersten zwei Jahren nach der Therapie von lebenswichtiger Bedeutung.

Danach können die erforderlichen Untersuchungsintervalle schrittweise verlängert werden. Der Patient sollte sich ein Leben lang selbst regelmäßig untersuchen, um neu auftretende Veränderungen sofort zu entdecken und dem Arzt mitzuteilen.